Examensarbeit, 2007
89 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Das Faschismusbild Bertolt Brechts
2.1 Zeitgenössische Faschismustheorien vor der „Machtergreifung“
2.1.1 Die konservativ-liberale Position zum Faschismus
2.1.2 Die sozialdemokratische Position zum Faschismus
2.1.3 Die kommunistische Position zum Faschismus
2.2 Brechts Position zum Faschismus
2.2.1 Faschismus und Kapitalismus
2.2.2 Brechts Sicht auf Hitler
2.2.3 Literarische Verarbeitung des Faschismus
3. Die Rundköpfe und die Spitzköpfe
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Die Handlung vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse
3.3 Aspekte der Interpretation
3.3.1 Callas und Nanna: Profiteure der neuen Diskriminierung?
3.3.2 Iberin und seine Rassenideologie
3.3.3 „Bauer, steh auf“ – Die Sichel-Bewegung
3.3.4 Verräterische Sprache
3.4 Wirkung
4. Der Aufstieg des Arturo Ui
4.1 Entstehungsgeschichte
4.2 Die Handlung vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse
4.2.1 Das „Gangstermilieu“
4.2.2 Deutsche Geschichte
4.3 Aspekte der Interpretation
4.3.1 Der Ui als „Historientheater“
4.3.2 Ui alias Hitler
4.3.3 Dogsborough alias Hindenburg
4.3.4 Theatralik und Sprache des Faschismus im Ui
4.4 Wirkung
5. Die Rundköpfe und die Spitzköpfe und Der Aufstieg des Arturo Ui als Parabelstücke zum Faschismus
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert zwei antifaschistische Dramen von Bertolt Brecht – Die Rundköpfe und die Spitzköpfe sowie Der Aufstieg des Arturo Ui. Ziel ist es zu untersuchen, wie Brecht den Faschismus theoretisch interpretierte und dramaturgisch verarbeitete, wobei insbesondere die Frage im Mittelpunkt steht, inwieweit diese Werke als Parabelstücke zum Verständnis des historischen Faschismus dienen können.
2.2.1 Faschismus und Kapitalismus
Brechts theoretische Gedanken zum Faschismus sind nicht systematisch in einem zusammenhängenden Text festgehalten, sondern finden sich mosaikartig in verschiedenen politischen Schriften, Notizen oder Bemerkungen im Journal. Dennoch, so betont etwa Raimund Gerz, liegt in Brechts Werk eine umfassende Theorie des Faschismus vor, „die hinsichtlich ihrer immanenten Konsistenz, vor allem aber ihrer Originalität und Differenziertheit, ihren Rang neben den zeitgeschichtlichen marxistischen Faschismustheorien behaupten kann“27. Franz Norbert Mennemeier teilt die Ansicht, dass in Brechts Werk […] eine komplette Theorie des Faschismus enthalten [ist]. Sie setzte ihn instand, den Amoklauf Hitlers und der von diesem und seinesgleichen verführten Massen in größere Zusammenhänge einzuordnen, die einzelnen Phasen damaliger internationaler Geschichte komplex und zunehmend realistisch zu erfassen und noch die deutsche Nachkriegsentwicklung als Teil eines größeren gesellschaftlichen Prozesses zu begreifen.28
Grundlegend zu Brechts Bild des Faschismus ist außerdem nach wie vor Wolfgang Emmerichs Aufsatz über den Massenfaschismus und die Rolle des Ästhetischen, der 1977 erschienen ist.29 Emmerichs Artikel widmet sich Brecht, Bloch und Benjamin und untersucht den Beitrag der drei Exilschriftsteller zur Analyse des Faschismus. Emmerich betont, dass die Literaten vor und kurz nach 1933 den Nationalsozialismus nicht richtig einschätzten – und auch nicht richtig einschätzen konnten, da die deutsche Arbeiterbewegung bzw. die Kommunisten in ihrer Faschismusanalyse sehr beschränkt blieben.30 Erst relativ spät, ab Ende der 1930er Jahre, gelang eine teilweise Emanzipation von diesen Denkmustern, die vor 1933 eine realistische Bewertung des Nationalsozialismus erschwert haben. Emmerichs Aufsatz legt nahe, dass Brecht, Bloch und Benjamin bei diesem Prozess eine wichtige Rolle spielten. Nach Emmerich war Brecht bereits im frühen Exil klar, daß der Faschismus als forcierte, terroristische Realisierung der anarchischen kapitalistischen Produktionsweise nicht im eigenen Lande stehen bleiben könne, sondern als aggressiver Imperialismus aus Deutschland herausgehen und den Raubkrieg suchen müsse.31
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Brechts Stellung als politischer Autor und seine Auseinandersetzung mit dem Faschismus sowie die wechselhafte Rezeptionsgeschichte seiner Werke im geteilten Deutschland.
2. Das Faschismusbild Bertolt Brechts: Dieses Kapitel erörtert verschiedene zeitgenössische Faschismustheorien und arbeitet Brechts eigenes, vom Marxismus geprägtes Verständnis des Faschismus als radikale Zuspitzung des Kapitalismus heraus.
3. Die Rundköpfe und die Spitzköpfe: Das Kapitel analysiert die Entstehungsgeschichte und die Handlung des Stücks, das Brechts frühe Auseinandersetzung mit der Rassenideologie der Nationalsozialisten und der Instrumentalisierung sozialer Konflikte thematisiert.
4. Der Aufstieg des Arturo Ui: Hier wird untersucht, wie Brecht im Stück die Machtübernahme Hitlers satirisch als Gangstergeschichte verarbeitet und dabei sowohl die Theatralik faschistischer Herrschaft als auch die Verflechtung mit ökonomischen Eliten entlarvt.
5. Die Rundköpfe und die Spitzköpfe und Der Aufstieg des Arturo Ui als Parabelstücke zum Faschismus: Dieses Kapitel diskutiert die theoretische Relevanz und Wirksamkeit der Parabelform als Mittel zur kritischen Darstellung historischer Ereignisse in der Literatur.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Brecht mit beiden Stücken zwar zentrale Machtmechanismen entlarvt, jedoch die historische Komplexität und die Massenpsychose des Nationalsozialismus in der Rückschau nur begrenzt abbilden konnte.
Bertolt Brecht, Faschismus, Nationalsozialismus, Parabelstück, Hitler, Kapitalismus, Ideologiekritik, Episches Theater, Rassenideologie, Machtergreifung, Satire, Widerstand, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse, Politische Theorie
Die Arbeit untersucht, wie Bertolt Brecht den deutschen Faschismus in seinen Dramen Die Rundköpfe und die Spitzköpfe und Der Aufstieg des Arturo Ui satirisch und kritisch verarbeitet hat.
Die Arbeit fokussiert auf Brechts Verständnis des Faschismus, die Funktion der Parabel als literarische Form sowie die historische Verfremdung von Ereignissen wie der „Machtergreifung“ oder dem „Röhm-Putsch“.
Das Ziel ist eine Analyse der beiden Dramen hinsichtlich ihrer Aussagekraft über faschistische Herrschaftsmechanismen und die Frage, inwieweit diese Stücke als historisch adäquate Parabeln fungieren.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Stücke vor dem Hintergrund politischer Theorien und historischer Quellen interpretiert und dabei auch die zeitgenössische sowie moderne Forschungsliteratur einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zum Faschismusbild Brechts sowie eine detaillierte Einzelanalyse der beiden Stücke, inklusive Entstehungsgeschichte, Interpretation, Sprachkritik und Rezeption.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Faschismustheorie, Parabelstück, Theatralik, Kapitalismus, Entmythologisierung und historische Anspielung.
Brecht vereinfacht komplexe historische Prozesse, indem er Akteure wie Hitler als Gangster oder Marionetten des Kapitals zeichnet, was laut Arbeit zwar der satirischen Demontage dient, jedoch die reale Massenpsychose teilweise ausblendet.
Die Arbeit betont Brechts Sprachkritik, insbesondere wie dieselben Worte je nach sozialem Hintergrund der sprechenden Person ihre Bedeutung verändern und so politische Propaganda entlarvt werden kann.
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