Magisterarbeit, 2002
87 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Einflüsse am Beispiel von Arthur Schopenhauer
2.1 Allgemeine beeinflussende Faktoren
2.1.1 Zeitgeschichtliche Strömungen
2.1.2 Die Ablehnung der Vernunftphilosophie
2.1.3 Naturgefühl und positivistische Einschläge
2.2 Spezielle Verknüpfungen zwischen Schopenhauer und Nietzsche
2.2.1 Die Schopenhauersche Weltanschauung
2.2.2 Nietzsche als Anhänger der Philosophie Schopenhauers
2.2.3 Die Anerkennung der Leiblichkeit
3 Nietzsche – ein Philosoph des Leibes
3.1 Der Problemhorizont
3.1.1 Die Problematik der Begrifflichkeit
3.1.2 Begrifflichkeit und Interpretation bei Nietzsche
3.1.3 Das Problem der Leib-Geist-Dialektik
3.2 Die Philosophie Nietzsches
3.2.1 Das Apollinische und Dionysische
3.2.2 Der umgedrehte Platonismus
3.2.3 Die Illusion der Sprache
3.3 Das Leib–Vernunft - Verhältnis
3.4 Zarathustra und die Verächter des Leibes
3.4.1 Die Rede von den Hinterweltlern
3.4.2 Von den Verächtern des Leibes
3.4.2.1 Piepersche Interpretation
3.4.2.2 Gerhardtsche Interpretation
3.5 Die Physiologie des Leibes anhand des Nachlasses
3.6 Fazit der Betrachtung der Philosophie Nietzsches
4 Nietzsche als Vollender des Prinzips der Verleiblichung
4.1 Rückblick aus dem 20. Jahrhundert
4.2 Abschlussdiskussion
5 Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der im 19. Jahrhundert vorherrschenden Vernunftphilosophie hin zu einer Leibphilosophie, wobei der Fokus auf der Frage liegt, ob Friedrich Nietzsche als Vollender des Prinzips der Verleiblichung bezeichnet werden kann.
3.1.1 Die Problematik der Begrifflichkeit
Bei der Problematik der Begrifflichkeit muss man die Konnotationen der Wörter „Körper“ und „Leib“ berücksichtigen. Um mit diesen Begriffen arbeiten zu können, müssen deren Inhalte eindeutig zugewiesen werden.
Das Wort „Leib“ wird im religiösen, metaphysischen und naturwissenschaftlichen Gebrauch mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt. Im Deutschen benutzen wir die Ausdrücke „Körper“ und „Leib“. Der Begriff „Körper“ kann hierbei ähnlich wie in anderen Sprachen sowohl Totes als auch Lebendiges bedeuten, während dem Begriff „Leib“ immer nur Lebendiges zugeordnet wird.
Der „Leib“ ist etwas, mit dem wir leben, den wir erleben und spüren können und mit dem wir uns bewegen, während dem Begriff „Körper“ auch eine rein physikalische Bedeutung zukommt.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Vernunft- zur Leibphilosophie und Formulierung der Forschungsfrage bezüglich Nietzsches Rolle als Vollender.
2 Einflüsse am Beispiel von Arthur Schopenhauer: Untersuchung der zeitgeschichtlichen Faktoren und der direkten Einflüsse Schopenhauers auf Nietzsches Wendung vom Geist zum Leib.
3 Nietzsche – ein Philosoph des Leibes: Detaillierte Analyse von Nietzsches Leibverständnis, beginnend bei seiner Kulturkritik bis hin zu seinem Spätwerk und physiologischen Nachlass.
4 Nietzsche als Vollender des Prinzips der Verleiblichung: Kritische Diskussion der Ausgangsthese unter Einbezug philosophischer Ansätze des 20. Jahrhunderts.
5 Ausblick: Reflexion über die heutige Bedeutung von Nietzsches Kulturkritik und die Problematik des modernen Körperkults.
Nietzsche, Leibphilosophie, Vernunftphilosophie, Verleiblichung, Schopenhauer, Zarathustra, Wille zur Macht, Leib, Körper, Physiologie, Metaphysik, Diesseitigkeit, Dionysisch, Apollinisch, Erkenntnistheorie
Die Arbeit analysiert den philosophischen Paradigmenwechsel vom 19. Jahrhundert hin zur Moderne, speziell die Abkehr von einer rein vergeistigten Vernunftphilosophie zugunsten einer neuen Wertschätzung der menschlichen Leiblichkeit.
Die zentralen Themen umfassen die Philosophiegeschichte (insb. Descartes, Kant, Hegel, Schopenhauer), Nietzsches Kulturkritik, die Bedeutung von Trieben und Instinkten sowie die physiologische Fundierung des Willens zur Macht.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob Friedrich Nietzsche als der „Vollender des Prinzips der Verleiblichung“ gelten kann.
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die sowohl die Primärtexte von Nietzsche als auch einschlägige Interpretationen (z.B. Pieper, Gerhardt) und zeitgeschichtliche Quellen integriert.
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Vernunftphilosophie, der Analyse von Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ sowie der Untersuchung physiologischer Aufzeichnungen im Nachlass.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leiblichkeit, Wille zur Macht, Monismus, radikale Diesseitigkeit und die Kritik an metaphysischen Hinterwelten charakterisiert.
Schopenhauer gilt als wichtiger Vorläufer Nietzsches, da er den Leib als Erkenntnisinstrument einführte und Nietzsches frühes Denken maßgeblich beeinflusste, bevor dieser eine eigenständige, leibzentrierte Philosophie entwickelte.
Die „große Vernunft“ bezeichnet bei Nietzsche den Leib als Ganzes, eine organische Vielheit, die das Handeln und Dasein des Menschen bestimmt, im Gegensatz zur „kleinen Vernunft“ des Geistes oder des Bewusstseins.
Die Autorin lehnt am Ende der Arbeit das Prädikat „Vollender“ für Nietzsche ab, da sie Philosophie als ständigen Prozess begreift und die Einordnung in eine lineare Entwicklung der „Vollendung“ als methodisch problematisch erachtet.
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