Diplomarbeit, 2007
126 Seiten, Note: 1
Einleitung
1.1. Problemfeld und Struktur der Arbeit
1.2. Forschungsziel und Forschungsfragen
1.3. Methode
1.4. Zur Umschrift des Arabischen sowie Zitieren im Allgemeinen
1.5. Definition des Begriffes Islamismus
2. Erster Teil: Historischer Einstig; Gesellschaft und Politik in Marokko
2.1. Kurze historische Einführung
2.1.1. Von den Idrissiden zu den Alawiden
2.1.2. Die Zeit des beginnenden Protektorats
2.1.3. Das Erbe des arabisch-muslimischen Nationalismus
2.1.4. Das unabhängige Marokko: Das Vermächtnis Hassans II.
2.1.5. Die ersten Jahre der Herrschaft Mohammeds VI.
2.2. Die Gesellschaft des heutigen Marokkos
2.2.1. Bildung und Analphabetismus
2.2.2. Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit
2.2.3. Zivilgesellschaft in Marokko
2.3. Das politische System Marokkos unter Mohammed VI.
2.3.1. Die schwierige Klassifizierung des politischen Systems Marokkos
2.3.2. Die „offizielle“ Seite des marokkanischen Machtgefüges: Konstitution und Gewaltenteilung
2.3.3. Die „inoffizielle“ Seite des marokkanischen Machtgefüges: Der Makhzen
2.3.4. Die Bay`a, der Treueid
2.3.5. Die marokkanische Parteienlandschaft
2.3.6. Wahlen
3. Zweiter Teil: Politik und Islam - theoretische Konzepte, historische Entwicklung in Marokko und Überblick
3.1. Ideologen des politischen Islams – der Salafismus und radikale Ideen
3.1.1. Hassan al-Banna
3.1.2. Abdelkader Awda
3.1.3. Abu ala Mawdûdi
3.1.4. Sayyed Qutb
3.2. Kritik von Theorie und Praxis der radikalen islamistischen Ideologie – Bedeutung der Scharia
3.3. Konzepte moderaterer islamistischer Denker
3.4. Der Islam und politische Akteure in der historischen Entwicklung Marokkos
3.2.1. Der Islam, politische Akteure und Strömungen auf dem Weg vom Protektorat in die Unabhängigkeit
3.2.2. Die Evolution der legitimierenden Funktion der Ulama
3.5. Die Entstehung des politischen Islams in Marokko
3.6. Zusammenfassung: Das weite Feld der islamischen Bewegungen im heutigen Marokko im Überblick
4. Dritter Teil: Al-Adl und der PJD - Geschichte, Ideologie und Struktur
4.1. Al-Adl wa-l-Ihsane (Gerechtigkeit und Spiritualität)
4.1.1. Einleitung
4.1.2. Historische Entwicklung
4.1.3. Positionierung im politischen System
4.1.4. Ideologie und politisches Programm Al-Adls
4.1.5. Struktur der Bewegung
4.2. Parti de la Justice et du Développement (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung)
4.2.1. Einleitung
4.2.2. Entstehung und Historische Entwicklung
4.2.3. Positionierung im politischen System
4.2.4. Ideologie und Programm der Partei und der Bewegung dahinter
4.2.5. Struktur und Organisation der Partei
4.3. Komparative Aspekte Al-Adl – PJD
4.3.1. Stellung im politischen System
4.3.2. Politischer Einfluss bzw. politisches Gewicht
4.3.3. Ideologisches Konzept
4.3.4. Organisation
4.3.5. Politische Strategie
4.3.6. Politische Ziele
4.3.7. Stellung zu Scharia
4.3.8. Gewaltverzicht
4.3.9. Position in Bezug auf Gleichstellung von Mann und Frau
4.3.10. Positionierung in Bezug auf Menschrechte und Religionsfreiheit
4.3.11. Wie sehen einander die Bewegungen?
4.4. Querverbindungen zwischen Al-Adl und dem PJD
5. Vierter Teil: Al-Adl und PJD in der politischen Praxis
5.1. Politische Strategien der islamistischen Bewegungen
5.1.1. Politische Strategien islamistischer Bewegungen im Allgemeinen
5.1.2. Die politische Strategie Al-Adls
5.1.3. Die politische Strategie des Tandems PJD / MUR
5.2. Strategien des „Palasts“
5.3. Möglichkeiten der politischen Einflussnahme der beiden Bewegungen
5.4. Die Islamisten in der politischen Praxis im Spiegel der Medien sowie Stellungnahmen in Interviews
5.4.1. 16.Mai 2003: Die Anschläge von Casablanca
5.4.2. Die Reform des Moudawwana
5.4.3. Zeittafel moralisierender Stellungnahmen aus den Reihen des PJD
5.4.4. Alkoholmissbrauch
5.4.5. Bekleidungsvorschriften: Kopftuch und freizügige Badekleidung
5.5. Gründe für das Erstarken der Islamisten
6. Konklusion
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der islamistischen Bewegungen in Marokko und deren Rolle im politischen Prozess, wobei insbesondere die Differenzierung zwischen verschiedenen Strömungen und deren Ideologien im Vordergrund steht. Die Arbeit analysiert, inwieweit gemäßigte islamistische Bewegungen in einem weitgehend säkularen arabischen System politischen Einfluss ausüben können und welche Ursachen für deren Erstarken verantwortlich sind.
2.1.2. Die Zeit des beginnenden Protektorats
Im Jahr 1912 wurde Marokko der Protektoratsvertrag aufgezwungen, nach einer Dekade starken diplomatischen und militärischen Drucks. Das Land wurde in zwei Zonen unterteilt, die nördliche Region des Rifgebirges und der südliche Teil, die heutige Westsahara, fielen Spanien zu. Zentralmarokko, also der Löwenanteil, wurde französisches Protektorat.
Die Befriedung des französischen Gebiets sollte mehr als zwanzig Jahre dauern, bis zur Unterwerfung der letzten Stämme im hohen Atlas im Jahr 1934. General Lyautey verwaltete das französische Protektorat von 1912 bis 1925. Er veranlasste die Absetzung von Moulay Hafid und die Einsetzung dessen Bruders Moulay Youssef. Die Stellung des Sultans als weltliche und religiöse Autorität gewährleistete die Legitimität des Protektorats, obwohl der Sultan nur eine rein formelle Autorität hatte. Alle Entscheidungen die Verwaltung betreffend wurden von General Lyautey getroffen, der eine komplette Reorganisation des Makhzen durchführte. Er setzte einen Großwesir ein, dem vier Minister unterstanden. Dieser hieß Mohammed al-Moqri, und er sollte seinen Posten während der gesamten Protektoratszeit behalten. Parallel zum traditionellen Makhzen schuf Lyautey eine strikt französische Verwaltung. Über Algerien kamen massiv „Pieds-noirs“, französische Siedler, sowie Militärangehörige nach Marokko.
Zu Revolten kam es schon bald, und zwar von 1921 bis 1926, im Rifgebirge in Spanisch Marokko. Abdelkrim al-Khattabi führte in einer Revolte religiösen Charakters etwa 20 000 Kämpfer und gründete die „Republik des Rifs“. Spanien und Frankreich mobilisierten insgesamt 800 000 erfahrene Soldaten, die schon im ersten Weltkrieg im Einsatz waren, um den Aufstand niederzuschlagen. Der Islam schien den Marokkanern als identitätsstiftendes und einigendes Mittel eines effektiven Widerstands gegen die herrschenden Christen. Einerseits waren hier die traditionellen sufischen Strömungen sowie der Heiligenkult, die Marabût, von Bedeutung, andererseits der aus dem „Orient“ importierte Salafismus.
Einleitung: Einführung in das Problemfeld der islamischen Erneuerungsbewegung und Darlegung der methodischen Struktur der Arbeit.
Erster Teil: Historischer Einstig; Gesellschaft und Politik in Marokko: Historischer Überblick über die marokkanische Monarchie, die heutige gesellschaftliche Lage und die Analyse des politischen Systems unter Mohammed VI.
Zweiter Teil: Politik und Islam - theoretische Konzepte, historische Entwicklung in Marokko und Überblick: Theoretische Auseinandersetzung mit Ideologen des politischen Islams und historischen Strömungen sowie der Rolle des Islams in der Entwicklung Marokkos.
Dritter Teil: Al-Adl und der PJD - Geschichte, Ideologie und Struktur: Detaillierte Fallanalyse der Organisationen Al-Adl wa-l-Ihsane und PJD inklusive komparativer Aspekte ihrer Ideologien und Strukturen.
Vierter Teil: Al-Adl und PJD in der politischen Praxis: Analyse der politischen Strategien und Einflussmöglichkeiten beider Bewegungen sowie ihre Wahrnehmung in Medien und Gesellschaft.
Konklusion: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese über die wachsende Bedeutung islamistischer Akteure im marokkanischen politischen System.
Marokko, Islamismus, Politischer Islam, Monarchie, Al-Adl, PJD, Makhzen, Scharia, Demokratisierung, Zivilgesellschaft, Reformen, Marokkanische Politik, Religion und Staat, Wahlabstimmung, Gesellschaft der Kontraste
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und den politischen Einfluss islamischer Bewegungen in Marokko, mit einem Fokus auf die beiden bedeutenden Organisationen Al-Adl wa-l-Ihsane und den PJD.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der marokkanischen Monarchie, das politische Machtgefüge (inklusive des Makhzen), die Ideologien des politischen Islams sowie die Strategien moderater und radikaler islamistischer Bewegungen.
Das Hauptziel ist es, den realen Einfluss gemäßigter islamistischer Bewegungen im politischen Prozess Marokkos zu analysieren und aufzuzeigen, warum diese Bewegungen im Kontext der sozialen und politischen Gegebenheiten an Bedeutung gewinnen.
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literaturanalyse, einer Medienanalyse der marokkanischen Zeitschriften „Le Journal“ und „Telquel“ sowie qualitativen Interviews mit Mitgliedern und Experten der untersuchten Bewegungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine theoretische Einordnung des politischen Islams, eine detaillierte Untersuchung der Organisation, Ideologie und Strategien von Al-Adl und dem PJD sowie deren Interaktion mit dem marokkanischen Staat.
Die wichtigsten Schlagworte sind Marokko, Islamismus, Monarchie, Al-Adl, PJD, Scharia, politische Strategie, gesellschaftlicher Wandel und der Makhzen.
Der Makhzen beschreibt das informelle Geflecht aus Machtstrukturen, Verwaltung und den Vertrauten des Königs, welches das offizielle politische System des Landes durchdringt und kontrolliert.
Während der PJD eine parlamentarische Strategie der Partizipation verfolgt und sich in das politische System integriert hat, positioniert sich Al-Adl als oppositionelle Kraft außerhalb des Systems und verweigert die offizielle Partizipation, setzt jedoch auf Demonstrationen und gesellschaftliche Bildungsarbeit.
Der Autor sieht das Erstarken als Folge der sozialen Misere, der Korruption und der mangelnden Glaubwürdigkeit etablierter Parteien, wobei der Islam als Garant für Gerechtigkeit und soziale Stabilität wahrgenommen wird.
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