Magisterarbeit, 2006
107 Seiten, Note: 2,5
1. Einleitung: „HipHop – and it don’t stop“
2. Über Castells’ Theorie der drei Identitätsformen
2.1 Soziale Bewegungen
2.2 Die Konstruktion von Identität
2.3 Die drei Typen der Identitätsbildung
2.4 Identität in der Netzwerkgesellschaft
2.5 Einordnung in die zeitgenössische Identitätsforschung
2.6 Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
2.7 Anmerkungen zur Auswahl und zur Notation der Texte
3. HipHop als Konstruktion von Identität – Definition, Paradigmen und Themen
3.1 HipHop als Form der Konstruktion von Identität
3.2 „Keep it real“ – Authentizität und Wettbewerb in der HipHop-Kultur
3.3 Themen der Rap-Musik
3.4 Definition von HipHop und Rap
4. US-amerikanischer HipHop
4.1 „Ich weiß noch genau, wie das alles begann…“ – Die Geburt der HipHop-Kultur
4.1.1 Die Bürgerrechtsbewegung und ihre Folgen
4.1.2 Das Ghetto
4.2 Kurze Geschichte des amerikanischen HipHop
4.2.1 Die Old School
4.2.1.1 Die erste Phase der Old School
4.2.1.2 Die Zulu Nation
4.2.1.3 Die zweite Phase der Old School
4.2.1.4 Von Old School zu New School
4.2.2 Die New School
4.2.2.1 Eastcoast
4.2.2.2 Westcoast
4.2.3 Die neunziger Jahre
4.2.4 Das neue Jahrtausend
4.3 Analysen amerikanischer Rap-Lieder
4.3.1 Grandmaster Flash and The Furious Five – „The Message” (1982)
4.3.2 Public Enemy – „Fight the power” (1989)
4.3.3 Tupac – „Changes“ (1996)
4.3.4 Immortal Technique – „Harlem Streets“ (2003)
4.4 Vergleich der Identitätskonstruktionen im amerikanischen Rap
5. HipHop in Deutschland
5.1 Kulturimport aus den USA
5.2 Kurze Geschichte des deutschen HipHop
5.2.1 Die Alte Schule der deutschen HipHop-Kultur
5.2.2 Deutscher HipHop wird kommerziell erfolgreich
5.3 Analysen deutscher Rap-Lieder
5.3.1 Advanced Chemistry – „Fremd im eigenen Land“ (1992)
5.3.2 Cora E. – „Schlüsselkind“ (1996)
5.3.3 Freundeskreis – „Esperanto“ (1999)
5.3.4 Brothers Keepers – „Adriano (Letzte Warnung)” (2001)
5.3.5 Sido – „Mein Block“ (2004)
5.4 Vergleich der Identitätskonstruktionen im deutschen Rap
6. Schlussbetrachtung: kollektive Identitätskonstruktionen im amerikanischen und im deutschen HipHop
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Identitätskonstruktion innerhalb der Rap-Musik, wobei sie analysiert, wie sich verschiedene Künstler inszenieren, auf welches kulturelle Material sie zurückgreifen und welche gesellschaftlichen Inhalte sie thematisieren. Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Identitätsbildung US-amerikanischer und deutscher Rap-Künstler herauszuarbeiten und dabei die soziologische Theorie der Identitätsformen nach Manuel Castells anzuwenden.
Die erste Phase der Old School
Die Phase des Entstehens und Bekanntwerdens des Rap wird „Old School“ genannt und von Nelson George auf die Jahre 1977 bis 1987 festgelegt; andere legen den zeitlichen Rahmen für die Phase des Old School auf die Jahre von 1975 bis 1983. Die Old School lässt sich in zwei Unterphasen aufteilen. In der ersten Phase, welche die Zeit der Entstehung des HipHop umfasst und bis ins Jahr 1979 reicht, wurden keine Platten veröffentlicht, lediglich über „Mixtapes“, also über Kassetten mit Aufnahmen der DJs und Rapper, wurde die Rapmusik konserviert und konsumiert. Die HipHop-Kultur lebte vor allem von Veranstaltungen wie es z.B. die „Block Parties“ waren, Veranstaltungen in öffentlichen Parks, Schulen oder leerstehenden Gebäuden, bei welchen die DJs ihr Soundsystem aufbauten und die Leute zum Tanzen und Feiern animierten.
In dieser Zeit gehörte die HipHop-Kultur nur dem Untergrund und kann als Subkultur im engen Sinn verstanden werden, als eine Kultur, die „abseits des gesellschaftlichen Mainstreams“ steht und „relativ abgekoppelt von oder in Opposition zur Dominanzkultur“ existiert. Diese Phase zeichnet sich dadurch aus, dass die HipHop-Szene sich örtlich und sozialstrukturell genau verorten lässt in den Wohngebieten der South Bronx, nahezu alle Aktivisten dieser Zeit kamen aus der Bronx und kannten sich untereinander. Isoliert vom Rest der Stadt, formte sich in der Bronx eine neue Kultur, die bald darauf ihren Siegeszug um die ganze Welt antreten sollte. Die Entwicklung dieser Zeit ist, wegen der relativen Unbemerktheit dieser Bewegung in der Öffentlichkeit, nirgends aufgezeichnet, sondern besteht aus mythisierten Geschichten der HipHop-Pioniere.
1. Einleitung: „HipHop – and it don’t stop“: Einführung in die HipHop-Kultur als globale Bewegung zwischen Untergrund und Kommerz sowie Darstellung der Forschungsfrage.
2. Über Castells’ Theorie der drei Identitätsformen: Vorstellung des soziologischen Rahmens zur Identitätskonstruktion in der Netzwerkgesellschaft sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens.
3. HipHop als Konstruktion von Identität – Definition, Paradigmen und Themen: Definition von HipHop und Rap sowie Diskussion zentraler kultureller Konzepte wie Authentizität und der Battle-Gedanke.
4. US-amerikanischer HipHop: Historische Herleitung und Analyse von Identitätskonstruktionen anhand bedeutender US-amerikanischer Rap-Lieder und Künstler.
5. HipHop in Deutschland: Untersuchung des Kulturimports aus den USA und Analyse spezifisch deutscher Identitätskonstruktionen in der Rap-Szene.
6. Schlussbetrachtung: kollektive Identitätskonstruktionen im amerikanischen und im deutschen HipHop: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Vergleich der Identitätstypen in beiden Ländern.
HipHop, Rap-Musik, Identitätskonstruktion, Manuel Castells, Netzwerkgesellschaft, Widerstands-Identität, Projektidentität, Authentizität, Globalisierung, South Bronx, Soziologie, Kulturwissenschaft, Message Rap, Gangsta Rap, Identitätspolitik.
Die Arbeit untersucht, wie im Medium der Rap-Musik Identität konstruiert wird und inwiefern sich dies soziologisch mithilfe der Theorie der Identitätsformen von Manuel Castells erklären lässt.
Zentrale Felder sind die Ursprünge des HipHop in den USA, seine Ausbreitung und Adaption in Deutschland, sowie die Konstruktion von kollektiven Identitäten als Widerstand gegen gesellschaftliche Missstände.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Rap-Künstler durch ihre Texte Identitäten formen, die entweder Widerstand gegen gesellschaftliche Institutionen ausdrücken oder eine Transformation der Gesellschaft anstreben.
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse, insbesondere Elemente der dokumentarischen Methode und Inhaltsanalyse, um ausgewählte Rap-Texte interpretativ zu erschließen und theoretisch einzuordnen.
Im Hauptteil werden sowohl die US-amerikanische Historie und ausgewählte Songs (z.B. Grandmaster Flash, Public Enemy, Tupac) als auch die deutsche HipHop-Szene anhand repräsentativer Stücke (z.B. Advanced Chemistry, Cora E., Sido) analysiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie HipHop, Identitätskonstruktion, Netzwerkgesellschaft, Widerstands-Identität und Authentizität definiert.
Die Arbeit stellt fest, dass während im US-HipHop die Identitätskonstruktion stark auf einer langen Geschichte kollektiver Unterdrückung und Rassismus basiert, der deutsche HipHop stärker projektorientierte und multikulturelle Ansätze verfolgt, wenngleich auch hier Widerstand gegen Ausländerfeindlichkeit ein zentrales Motiv ist.
Der Battle-Gedanke wird als substanzielles, kompetitives Element der HipHop-Kultur verstanden, das ursprünglich spielerisch dazu diente, Reimfertigkeiten und Stil zu messen, jedoch heute in verschiedenen Kontexten unterschiedliche soziale Funktionen erfüllt.
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