Wissenschaftlicher Aufsatz, 1998
61 Seiten
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
I. Grundlegende Unterscheidungen und Klarlegungen
II. Die wichtigsten “immanenten” Wertkriterien:
1. Originalität
2. Distanz
3. Ganzheit
4. Autonomie
5. Transparenz
6. Funktion
III. Einwände gegen immanente Wertkriterien:
1. Kunst versus Kitsch
2. Gesellschaftlich-kulturelles Bezugssystem der Wertkriterien
3. Problematik des Schönheitsbegriffs
IV. Besprechung von fremden literarischen Wertkriterien:
1. japanische
2. indische
V. Zusammenfassung
VI. Literatur
VII. Gemeinsame und unterscheidende Merkmale
VIII. Liste von Wertkriterien
IX. Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach der Existenz allgemeingültiger, universaler Werte für die Beurteilung von Literatur. Dabei wird analysiert, inwieweit etablierte westliche Wertkriterien als transkulturell anwendbar betrachtet werden können oder ob diese zwangsläufig kulturspezifisch determiniert sind.
3. Ganzheit:
Ein anderes Wertkriterium ist das der “Ganzheit”, sei diese (seit der Goethezeit) in Anlehnung an die Naturwissenschaften als “organische” verstanden oder als “strukturelle”.
Zuerst müssen wir uns mit Marcus Otto klarmachen, “dass [wenn] etwas z.B. einheitlich im nicht-ästhetischen Sinne (etwa ‘gleichförmig’) ist, [dies] noch nicht bedeutet, dass es ästhetisch einheitlich ist. Der Gegenstand könnte genauso gut eintönig sein. Der Ausdruck “einheitlich” erhält offensichtlich erst dann eine ästhetische Bedeutung, wenn er einen wertenden Charakter annimmt.” Diese als Wert gesehene (Ein)stimmigkeit (Kayser) muss also durchaus nicht spannungslos sein. Im Gegenteil wird eine “Polyphonie der Werte” (Ingarden) als besondere Vorbedingung für ein “großes” Werk gesehen.
Schulte-Sasse vermutet, dass “das Stimmigkeits- und Ganzheitskriterium wohl auch deshalb so viele Anhänger gefunden hat, weil sich - bei der Weite des Begriffes - an jedem Text Stimmigkeit und Ganzheit nachweisen lassen. Ein gewisses Maß an Stimmigkeit und Ganzheit ist generell Voraussetzung für die Verständlichkeit von Texten. Die Linguistik spricht hier von Textkohärenz.”(S.46f.) Es handelt sich hier also zunächst um “Poetizitätskriterien”, die in der Trivialliteratur z.T. ebenso stark ausgeprägt sind wie in der ‘hohen’ Literatur, nicht aber um “Wertkriterien.”
Ein weiterer Einwand, den bereits Kayser gesehen hatte, ist die Beobachtung von absichtlicher Disharmonie und Stimmungsbruch, z.B. in ironischen Gedichten von Heinrich Heine, aber auch schon gelegentlich in Barocklyrik.
I. Grundlegende Unterscheidungen und Klarlegungen: Einführung in die literaturwissenschaftliche Debatte zwischen Schulen, die Wertung ablehnen, und solchen, die sie als integralen Bestandteil betrachten, inklusive einer Differenzierung zwischen Wertung, Werten und Bewertung.
II. Die wichtigsten “immanenten” Wertkriterien: Detaillierte Prüfung der Kriterien Originalität, Distanz, Ganzheit, Autonomie, Transparenz und Funktion auf ihre universale Gültigkeit.
III. Einwände gegen immanente Wertkriterien: Kritische Auseinandersetzung mit der Problematik, dass diese Kriterien auch auf Kitsch zutreffen, sowie Reflexion über die kulturelle Abhängigkeit des Schönheitsbegriffs.
IV. Besprechung von fremden literarischen Wertkriterien: Analyse spezifisch japanischer und indischer ästhetischer Traditionen, um deren Unvergleichbarkeit mit westlichen Normen aufzuzeigen.
V. Zusammenfassung: Thesenartige Zusammenfassung des Standpunktes, dass allgemeingültige, universale Wertmaßstäbe für Literatur eine Illusion darstellen und Literatur immer in ihrem kulturellen Kontext betrachtet werden muss.
Literaturwertung, Wertkriterien, Universalität, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Originalität, Ganzheit, Kulturbedingtheit, Kulturvergleich, Rezeptionsästhetik, Schichtenästhetik, Schönheit, Trivialliteratur, Wertrelativismus
Es geht um die grundlegende Frage, ob es literarische Bewertungskriterien gibt, die unabhängig von Kultur und Zeit immer und überall Gültigkeit besitzen.
Die zentralen Themen sind die Analyse sogenannter immanenter Wertkriterien, der Vergleich westlicher mit asiatischer Ästhetik und die Dekonstruktion eines universalen Schönheitsbegriffs.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass universale Wertmaßstäbe für Literatur nicht existieren und dass ästhetische Urteile immer an kulturelle und historische Voraussetzungen gebunden sind.
Die Arbeit nutzt einen komparatistischen Ansatz und rezeptionsästhetische Überlegungen, um die Genese und Anwendung von Wertmaßstäben in verschiedenen Kulturen zu hinterfragen.
Der Hauptteil prüft systematisch Kriterien wie Originalität, Ganzheit und Autonomie und zieht Einwände heran, die deren universale Geltung widerlegen sollen, unterstützt durch Beispiele aus der japanischen und indischen Literaturtradition.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Literaturwertung, Kulturvergleich, Wertrelativismus und die Hinterfragung der Universalität ästhetischer Kategorien.
Laut dem Autor prägt das kulturelle Umfeld maßgeblich, welche Merkmale eines Werkes als positiv bewertet werden. Die Arbeit zeigt, dass Begriffe wie Schönheit oder literarische Qualität keine objektiven Gegebenheiten, sondern kulturelle Projektionen sind.
Der Autor argumentiert, dass diese Kriterien historisch in einem spezifischen europäischen Kontext gewachsen sind. Der Vergleich mit Traditionen, in denen etwa das Drama oder die Vorstellung eines „Originalgenies“ fehlt, beweist die kulturelle Begrenztheit dieser Wertmodelle.
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