Examensarbeit, 2007
108 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Sozialisation
2. 1 Sozialisation und Erziehung
2. 2 Mädchen und Jungen im Sozialisationsprozess
2. 3 Biologische Erklärungen für Geschlechterunterschiede
3. Geschlechtsbezogene Sozialisation
3. 2 Geschlechterunterschiede: Sichtweisen verschiedener Disziplinen und Ansätze
3. 2. 1 Erklärung der Geschlechterunterschiede aus psychoanalytischer Sicht
3. 2. 2 Der kognitionspsychologische Ansatz
3. 2. 3 Der lerntheoretische Ansatz von Geschlechterdifferenz
3. 2. 4 Der Ansatz des Symbolischen Interaktionismus
3. 2. 5 Der ethnomethodologische Ansatz
3. 3 Die soziale Konstruktion des Geschlechts
3. 3. 1 ,Doing gender‘
3. 4 Zusammenfassung und Weiterführung der geschlechtsbezogenen Sozialisation
4. Die Grundschule
4. 1 Die strukturfunktionale Sicht von Schule
4. 2 Die interaktionistische Analyse von Schule
4. 3 Die Gruppe der Gleichaltrigen- Kinder als soziale Akteure
4. 4 Grundschulkinder und ihre sozialen Beziehungen
4. 5 Die Schulklasse
5. Doing gender als Dimension sozialer Interaktion in der Grundschule
5. 1 Jungen und Mädchen im Klassenzimmer- Der koedukative Alltag
5. 2 Doing gender unter Gleichaltrigen in der Grundschule
6. Schlussfolgerung
Diese Arbeit untersucht, wie das soziale Konstrukt „Geschlecht“ im schulischen Alltag durch soziale Interaktionen unter Grundschulkindern hergestellt wird (Doing Gender). Die Forschungsfrage zielt darauf ab, in welchen Situationen und durch welche Praktiken Kinder Geschlechtergrenzen aktiv konstruieren, aufrechterhalten oder situativ verändern, anstatt Geschlecht lediglich als biologisch determinierte Eigenschaft zu betrachten.
3. 3. 1 ,Doing gender‘
Die Wurzeln dieser Forschungsrichtung liegen in den Ansätzen des Symbolischen Interaktionismus und der Ethnomethodologie. Stark beeinflusst wurde das Konzept des ,doing gender‘ von Harold Garfinkels ,Agnes-Studie‘ (1967) und weiteren Transsexuellenstudien von Suzanne Kessler und Wendy McKenna (1978) (vgl. GLIDEMEISTER in BECKER/ KORTENDIEK 2004, S. 134).
Garfinkel untersuchte, wie die transsexuelle Agnes lernte, kulturelle Weiblichkeit auf allen Verhaltensebenen darzustellen. Er zeigte damit auf, dass in Interaktionen die Bedeutung von sozialen Tatsachen hergestellt wird.
Das Prinzip des ,doing gender‘ wurde von West und Zimmerman entwickelt und kann als kritische Reaktion auf die ,sex/ gender‘ - Theorie verstanden werden. An dieser kritisierten sie den Ausgangspunkt, der ,sex‘ als etwas Natürliches und Differentes, darstellt. Glidemeister zitiert an dieser Stelle Lorber. Sie schreibt, „erst diese im ,doing gender‘ gebündelten Prozesse machen etwa die Gebärfähigkeit von Frauen zur Grundlage eines separierten und tendenziell benachteiligten Status- und nicht umgekehrt (Lorber 1991: 356)“ (ebd., S. 132).
Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen demnach weder das Geschlecht als eine Eigenschaft noch Geschlechterunterschiede, sondern die sozialen Prozesse. West und Zimmerman weisen darauf hin, dass „gender as a routine, methodical and recurring accomplishment“ (FAULSTICH- WIELAND in GLASER, KLIKA, PRENGEL 2004, S. 176) zu sehen ist.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Alltagsrelevanz von Geschlechtskategorien und führt in das Konzept des „Doing Gender“ ein, indem die Autorin eigene Beobachtungen aus einem Mädcheninternat reflektiert.
2. Sozialisation: Dieses Kapitel definiert Sozialisation als einen aktiven, lebenslangen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in wechselseitiger Abhängigkeit zwischen Individuum und gesellschaftlich vermittelter Umwelt.
3. Geschlechtsbezogene Sozialisation: Hier werden zentrale soziologische und psychologische Theorien zum Erwerb von Geschlechtsidentität dargestellt und die Bedeutung von „Doing Gender“ als soziale Konstruktion erarbeitet.
4. Die Grundschule: Das Kapitel beschreibt die Grundschule als wichtige Sozialisationsinstanz, in der Kinder innerhalb der Schulklasse und der Gleichaltrigengruppe aktiv ihre eigene soziale Welt konstruieren.
5. Doing gender als Dimension sozialer Interaktion in der Grundschule: Auf Basis ethnografischer Studien wird analysiert, wie Kinder im koedukativen Alltag aktiv Geschlecht als soziale Kategorie herstellen, inszenieren und interpretieren.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Geschlecht kein statisches Merkmal ist, sondern ein dynamischer Effekt sozialer Prozesse, der in Interaktionen ständig neu ausgehandelt wird.
Sozialisation, Doing Gender, Geschlechtsidentität, Grundschule, Symbolischer Interaktionismus, Ethnomethodologie, Geschlechterrolle, Stereotype, Gleichaltrigengruppe, Soziale Konstruktion, Interaktion, Erziehung, Kindheitsforschung, Schulkultur, Koedukation.
Die Arbeit analysiert, wie Geschlecht im Grundschulalltag nicht als vorgegebene Eigenschaft existiert, sondern durch alltägliche soziale Interaktionen unter Kindern ständig neu hergestellt wird.
Die Arbeit verknüpft Sozialisationstheorien mit dem konstruktivistischen „Doing Gender“-Ansatz und betrachtet dabei die Schule und die Gleichaltrigengruppe als spezifische Interaktionsräume.
Das Ziel ist es, den Mechanismus der Geschlechterkonstruktion im schulischen Alltag aufzudecken, statt lediglich die (vermeintlichen) Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu beschreiben.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Sozialisationsforschung sowie auf eine Sekundäranalyse ethnografischer Studien, etwa von Barrie Thorne oder Breidenstein/Kelle.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Sozialisation und Geschlechterforschung sowie eine detaillierte Analyse schulischer Interaktionspraktiken, inklusive Rollenspielen, Neckereien und Sexualitätsthemen.
Zu den zentralen Begriffen gehören Doing Gender, Sozialisation, Interaktion, Geschlechtsidentität, Gleichaltrigengruppe und soziale Konstruktion.
Die Schule dient als organisierter Rahmen, der Kinder zur Gruppenbildung (oft nach Geschlecht) animiert und durch schulische Rituale und Lehrkraft-Interaktionen bestehende Geschlechterstereotype weiter institutionalisiert.
Im Gegensatz zu klassischen Sozialisationstheorien, die Kinder als passive Objekte und Geschlecht als biologisch determiniert ansehen, begreift diese Arbeit das Kind als aktiven Akteur, der seine soziale Wirklichkeit selbst mitgestaltet.
Pausenspiele und informelle Interaktionen sind zentral, da sie Räume bieten, in denen Kinder unter sich agieren und dadurch „Doing Gender“-Praktiken ungefiltert von Erwachsenenvorgaben sichtbar werden.
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