Magisterarbeit, 2004
144 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Die Architekturströmungen im faschistischen Italien
III. Grande Venezia
1) Die Idee von der Grande Venezia
2) Die Entstehung der Grande Venezia
Porto Marghera
Mestre und Marghera
Centro storico und Lido
Die Verkehrsstruktur der Grande Venezia
Grande Venezia und Faschismus
IV. Verzögerung und Blütezeit der modernen Architektur in Venedig
1) Die Verzögerung der Moderne
2) Die Blütezeit der Moderne
V. Die Bauten des Rationalismus in Venedig
1) Verkehrsarchitektur
Autorimessa Comunale
Stazione Ferroviaria „Santa Lucia”
Centrale termica
Der Flughafen „Giovanni Nicelli“und der Gruppo Arti Decorative
2) Architektur für die „bonifica morale e materiale della razza”
Die colonie marine
„Campo Sportivo Fascista”
Collegio navale GIL
Fürsorge-Einrichtungen der Firma „Montecatini”
3) Bauten für den mondänen Tourismus
Palazzo della Mostra del Cinema
Palazzo del Casinò
4) Verhaltener Rationalismus abseits der offiziellen Architektur: Wohnungsbau und Gewerbearchitektur
VI. Eine faschistische Moderne: Die faschistische Ideologie im Rationalismus am Beispiel Venedigs
1) Faschistische „Revolution“ und modernità
2) Der neue, faschistische Mensch
3) Die Italianità in der Architektur
4) „Civis romanus sum“. Die Ideologie der romanità
5) Das propagierte Architekturbild
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Architektur des Razionalismo im Venedig der 1930er Jahre zu untersuchen und in den historischen sowie architekturhistorischen Kontext der Zwischenkriegszeit einzuordnen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit die Durchsetzung des Faschismus in Venedig und die Verwirklichung der Idee des „Großvenedigs“ (Grande Venezia) als Voraussetzungen für diese architektonische Strömung dienten und wie sich die faschistische Ideologie in diesen Bauwerken widerspiegelt.
Die colonie marine
In den 1930er Jahren wurde durch das faschistische Regime der Bau von Erholungsheimen, der colonie, vorangetrieben, so dass sie sich bald über das gesamte Italien erstreckten. Auch auf dem Lido wurden colonie marine errichtet.
Die ersten colonie entstanden in Italien in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Bemühungen von Ärzten und Philanthropen. Sie dienten medizinischen, aber auch patriotischen Zielen. Im Kuraufenthalt wurde nicht nur Möglichkeit gesehen, die weitverbreitete Tuberkulose und Unterernährung bei Kindern zu bekämpfen, sondern zugleich die Jugend moralisch und geistlich zu erziehen. Dabei fanden vor allem Kinder aus dem städtischen Arbeiterbezirken Aufnahme.
Vor der Systematisierung und Vereinheitlichung durch die Faschisten gab es ein weites Spektrum ganz unterschiedlicher Einrichtungen, die der Erholung, vor allem aber als Sanatorien der Heilung dienten. Sie waren weder zentral organisiert noch mit einheitlichen Richtlinien versehen. Neben Ferien-, Sommerlagern, Freiluftschulen und heliotherapeutischen Instituten gab es Kolonien in den Bergen und an der Küste. Bis zur Etablierung des Faschismus dominierten kirchliche Einrichtungen. Aber auch philanthropische, gewerkschaftliche oder sozialistische Organisationen, Kommunen, Schüler-Fürsorgewerke sowie später auch das aufgeklärte Unternehmer-Bürgertum initiierten colonie, für die zu Beginn meist vorhandene Bauten umgenutzt wurden.
Mit der Festigung des Regimes kamen auch die Kolonien allmählich unter dessen Kontrolle. Ab 1926 übernahmen die lokalen Bünde des Partito Nazionale Fascisto (PNF) und ihre Casse provinciali di previdenza per le opere di beneficenza die Führung. Eine Zusammenfassung auf nationaler Ebene fand 1931 mit der Gründung der Ente Opere Assistenziali (E.O.A.) statt, die jedoch nur jene Einrichtungen verwaltete, die Organisationen des Regimes gehörten, darunter die Opera Nazionale Maternità e Infanzia (ONMI) und die Opera Nazionale Balilla (ONB).
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Forschungsstand zur Moderne in Venedig und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die moderne Architektur der Zwischenkriegszeit im stadtgeschichtlichen Kontext zu analysieren.
II. Die Architekturströmungen im faschistischen Italien: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die verschiedenen künstlerischen und architektonischen Strömungen im faschistischen Italien, insbesondere den Novecento und die Scuola Romana.
III. Grande Venezia: Hier wird die städtebauliche Vision der „Grande Venezia“ beleuchtet, einschließlich der Entstehung des Industriehafens Porto Marghera und der infrastrukturellen Vernetzung von Festland und Inselstadt.
IV. Verzögerung und Blütezeit der modernen Architektur in Venedig: Der Text beschreibt die zeitversetzte Ankunft der modernen Architektur in Venedig, begründet durch konservative Baupolitik, sowie ihre spätere, durch das faschistische Regime geförderte Blütezeit.
V. Die Bauten des Rationalismus in Venedig: Eine detaillierte Untersuchung der bedeutendsten rationalistischen Bauten Venedigs, unterteilt in Verkehrsarchitektur, Fürsorge-Einrichtungen und Tourismusbauten.
VI. Eine faschistische Moderne: Die faschistische Ideologie im Rationalismus am Beispiel Venedigs: Dieses zentrale Kapitel analysiert, wie sich faschistische Ideologien – von der „Revolution“ über den neuen Menschen bis hin zur romanità – in der rationalistischen Architektur manifestierten.
Razionalismo, Venedig, Faschismus, Moderne, Architektur, Grande Venezia, Porto Marghera, Scuola Romana, Giuseppe Volpi, Rationalisten, Monumentalität, Urbanistik, Wohnungsbau, Propaganda, Zwischenkriegszeit.
Die Arbeit befasst sich mit der Architektur des Rationalismus im Venedig der 1930er Jahre unter Berücksichtigung des politisch-ideologischen Einflusses des faschistischen Regimes.
Zu den zentralen Themen gehören die städtebauliche Expansion Venedigs zum „Großvenedig“, die Rolle der Architektur als politisches Instrument des Faschismus und die Analyse spezifischer funktionaler Bauten.
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen politischer Ideologie, städtischer Modernisierung und der architektonischen Ausgestaltung rationalistischer Gebäude in Venedig aufzudecken.
Die Arbeit stützt sich auf eine architekturhistorische Analyse, die den Baubestand der 1930er Jahre mit zeitgenössischen Quellen, Zeitschriftenartikeln und städtebaulichen Planungen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die infrastrukturelle Einbettung der Bauten (Grande Venezia), deren zeitliche Einordnung sowie die detaillierte Vorstellung rationalistischer Projekte wie Verkehrs-, Fürsorge- und Tourismusbauten.
Razionalismo, Venedig, Faschismus, Moderne Architektur, Grande Venezia, romanità und Monumentalität sind wesentliche Begriffe für das Verständnis dieser Untersuchung.
Volpi agierte als eine zentrale, „dogenähnliche“ Figur, die durch ihre wirtschaftliche Macht und ihre enge Verbindung zum faschistischen Regime maßgeblich die Realisierung der „Grande Venezia“ und damit die Voraussetzungen für moderne Bauprojekte schuf.
Die Kolonien dienen als Beispiel für eine Architektur, die durch ihre nüchterne, hierarchische Gestaltung und die strikte funktionale Trennung eine „totale Kontrolle“ und Disziplinierung der Jugend gemäß den faschistischen Erziehungsidealen unterstützen sollte.
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