Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie
2.1 Nase und Geruch
2.1.1 Aufbau und Funktion der Nase
2.1.2 Das olfaktorische System
2.1.3 Riechhirn und Gedächtnis
2.1.4 Geruch und Geschmack
2.2 Sinnesphysiologie und Ansätze der Wahrnehmungspsychologie
2.3 Mensch und Geruch
2.3.1 Riechleistung der menschlichen Nase
2.3.2 Geruch und Gedächtnis
2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen
2.3.3 Die Kraft der Düfte: soziologische und psychologische Aspekte des Geruchs
2.3.3.1 Geruch und Emotion
2.3.3.2 Individualgeruch und Attraktivität
2.3.3.3 Geruch als Indikator zur Entwicklung der Ich-Identität
3 Geschichte der Parfümerie
3.1 Geschichte des Geruchs
3.1.1 Die Nase, das primitive Sinnensorgan
3.1.2 Olfaktorische Wahrnehmung in der Philosophie
3.1.3 Klassifikationen von Gerüchen
3.1.4 Frankreich im 18. Jahrhundert
3.1.4.1 Pariser Zustände
3.1.4.2 Medizin und Wissenschaft
3.1.4.3 Geruchsentwicklung bis hin zur Desodorisierung
3.2 Geschichte des Parfums
3.2.1 Duftgebrauch – Zeittafel und Entwicklung
3.2.2 Duftmode
3.2.3 Parfum und Düfte aus dem Tierreich
3.2.4 Der menschliche Duftpass
4 Der Roman
4.1 Patrick Süskind
4.2 Stilformen der Erzählung
4.3 Gattungslehre und Romantypen
4.3.1 Das Märchen
4.3.2 Der Bildungsroman
4.3.3 Der Schelmenroman
4.3.4 Der Kriminalroman
4.3.5 Der Künstlerroman
4.3.6 Versuch einer literarischen Einordnung des Romans Das Parfum
4.4 Motive und Konstellationen
4.4.1 Alles nur Theater – Illusion und Desillusionierung
4.4.2 Das parodistisch-ironische Moment der Aufklärungskritik
4.4.3 Der Geniemythos
4.5 Figurenkonstellation
4.5.1 Die monströsen Mütter
4.5.2 Der Gerber Grimal
4.5.3 Giuseppe Baldini
4.5.4 Marquis de la Taillade-Espinasse
4.5.5 Antoine Richis
5 Die Figur Grenouille
5.1 Autismus
5.1.1 Soziales Verhalten
5.1.2 Kommunikation und Sprache
5.1.3 Intelligenz
5.1.4 Wahrnehmung und Motorik
5.2 Schizophrenie
5.2.1 Halluzinationen
5.2.2 Wahnvorstellungen
5.2.3 Soziale Isolation
5.2.4 Emotionales und motorisches Verhalten
5.3 Diagnose
5.4 Animal oder Mensch?
5.4.1 Die Person Grenouille
5.4.1.1 Inadäquate Affektivität
5.4.1.2 Narzissmus
5.4.1.3 Die Metapher des Zeck
5.4.2 Grenouille, das Animal
5.4.3 Menschwerdung
5.4.3.1 Entdeckung der eigenen Geruchlosigkeit
5.4.3.2 Äußerliche Metamorphose
5.4.3.3 Innerliche Metamorphose
5.4.3.4 Persönlichkeit und Individualisierung: Grenouille der (Ver)Führer
5.5 Grenouilles Scheitern
6 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Psychogramm der Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Roman "Das Parfum". Im Zentrum steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung Grenouilles, wobei insbesondere die Fragestellung verfolgt wird, ob sich seine animalische Struktur durch psychologische Konzepte wie Autismus oder Schizophrenie erklären lässt und inwieweit seine Entwicklung vom "Animal zum Künstler" als gescheiterte Menschwerdung zu verstehen ist.
2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen
„Mit sechs Jahren hatte er seine Umgebung olfaktorisch vollständig erfasst. Es gab im Hause der Madame Gaillard keinen Gegenstand, in der nördlichen Rue de Charonne keinen Ort, keinen Menschen, keinen Stein, Baum, Strauch oder Lattenzaun, keinen noch so kleinen Flecken, den er nicht geruchlich kannte, wiedererkannte und in der jeweiligen Einmaligkeit fest im Gedächtnis verwahrte. Zehntausend, hunderttausend spezifische Eigengerüche hatte er gesammelt und hielt sie zu seiner Verfügung, so deutlich, so beliebig, daß er sich nicht nur ihrer erinnerte, wenn er sie wiederroch, sondern daß er sie tatsächlich roch, wenn er sich ihrer wiedererinnerte; ja, mehr noch, daß er sie sogar in seiner bloßen Phantasie untereinander neu zu kombinieren verstand und dergestalt in sich Gerüche erschuf, die es in der wirklichen Welt gar nicht gab“ (P 34).
Diese Fähigkeit, die Süskind seinem Helden zuschreibt, ist in der Realität nur eingeschränkt zu finden. Die Erinnerung an einen Geruch kann nicht so einfach vor der „inneren Nase“ heraufbeschworen werden, wie das z. B. mit dem Bild eines Gebäudes möglich ist. Gerüche werden meist erst dann erinnert, wenn der Geruch neuerlich mit der Nase aufgenommen wird. „Jeder kennt den Geruch von Tannennadeln, aber so detailliert, wie man eine Tanne vor seinem geistigen Auge entstehen lassen und eventuell zeichnen kann, so ausdrucks- oder wesenlos bleibt in unserer Vorstellung der dazugehörige Duft. Wir werden uns den Baum ins Haus holen müssen, wollen wir seinen Geruch richtig wahrnehmen.“17 Gerüche können also nicht einfach „vorgestellt“ werden, die Anwesenheit der tatsächlichen Geruchsquelle ist nötig, um sich an den Geruch und den zugehörigen Kontext zu erinnern, wann man den Geruch schon einmal wahrgenommen hat.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die historische Geringschätzung des Geruchssinns in der Wissenschaft und führt in Patrick Süskinds literarische Auseinandersetzung mit olfaktorischer Wahrnehmung ein.
2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen Grundlagen der Geruchswahrnehmung, die Verbindung von Geruch und Gedächtnis sowie soziologische Aspekte des Riechens.
3 Geschichte der Parfümerie: Hier wird die historische Entwicklung von Gerüchen und Düften nachgezeichnet, inklusive der hygienischen Zustände im 18. Jahrhundert und der Entstehung des Parfums als Kultur- und Luxusgut.
4 Der Roman: Dieser Abschnitt analysiert das Werk von Patrick Süskind hinsichtlich stilistischer Mittel, der literarischen Gattungszugehörigkeit sowie der zentralen Motive und Figurenkonstellationen.
5 Die Figur Grenouille: Das umfangreichste Kapitel widmet sich der psychologischen Analyse von Jean-Baptiste Grenouille unter Berücksichtigung autistischer und schizophrener Symptome sowie seiner animalischen Entwicklung.
6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Grenouille als narzisstischer Antiheld an seiner eigenen Individualisierung und der Unmöglichkeit wahrer zwischenmenschlicher Liebe scheitert.
Jean-Baptiste Grenouille, Das Parfum, Patrick Süskind, Geruchssinn, Wahrnehmungspsychologie, olfaktorische Wahrnehmung, Autismus, Schizophrenie, Narzissmus, Individuation, Parfümerie, Literaturwissenschaft, Identitätskrise, Zeckenmetapher, Literaturkritik
Die Magisterarbeit untersucht den Roman "Das Parfum" von Patrick Süskind aus literaturwissenschaftlicher und psychologischer Perspektive, um die Entwicklung der Hauptfigur Grenouille zu beleuchten.
Zentrale Themen sind die Rolle des Geruchssinns in Psychologie und Geschichte, die literarische Einordnung des Romans sowie eine detaillierte psychologische Profilierung von Jean-Baptiste Grenouille.
Ziel ist es zu ergründen, ob die "Menschwerdung" Grenouilles vom animalischen Außenseiter zum "Künstler" als authentische Entwicklung oder als manipulativen Schein zu werten ist.
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse mit psychologischen Erkenntnissen über Autismus, Schizophrenie und soziale Identität, um das Handeln der Figur zu erklären.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Olfaktion, eine historische Geruchsgeschichte, eine literarische Analyse des Romans und ein psychologisches Psychogramm der Hauptfigur.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Grenouille, olfaktorische Wahrnehmung, Autismus, Schizophrenie, Narzissmus, Identitätsbildung und die spezifische Zeckenmetapher.
Der Autor nutzt die Zeckenmetapher, um Grenouilles parasitäre Existenz zu verdeutlichen, bei der er seine Umgebung und seine Mitmenschen als Wirte nutzt, um seine Ziele zu erreichen.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Grenouilles Menschwerdung scheitert, da sie auf künstlicher Maskerade und Manipulation beruht und nicht auf echter zwischenmenschlicher Identität.
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