Magisterarbeit, 2006
141 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in erzählender Literatur 1890 – 1930: Ein Überblick
3. Paul Bussons Die Wiedergeburt des Melchior Dronte (1921) als Prototyp für das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“
3.1. Die „Wiedergeburt“ als Element der Gesamtserie
3.2. Das Leben des Titelhelden auf metaphorischer Ebene
3.3. Der Eingang in das jenseitige Leben
3.4. Die Lokalisierung zentraler fantastischer Merkmale des Modells
3.5. Die „Läuterung“ der Seele als zentraler Gedanke
4. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in Hermann Wiedmers Die Verwandlungen des Walter von Tillo (1930)
4.1. „Leben 1“: Der Komplex der „Wiedergeburt“ im biologischen Sinne
4.1.1. Der lange Weg einer Seelenwanderung
4.1.2. Die zwei Typen von biologischen „Nicht-Leben“
4.1.3. Die variantenreiche Manifestation als Folge der „Wiedergeburt“
4.1.4. Die unterschiedliche Darstellung der Größe „Tod“
4.2. „Leben 2“: Die diesseitige metaphorische Variante von „Leben“ innerhalb des Komplexes der Seelenwanderung
4.2.1. Die „neutralen“ Ausgangszustände
4.2.2. Die verschiedenen „gesteigerten“ Leben mit ihren Varianten und Verknüpfungen
4.2.2.1. Typ A: Die erotisch-partnerbezogenen Varianten
4.2.2.2. Typ B: Die asketisch-altruistischen Varianten
4.2.2.3. Typ C: Die mystisch-narzisstischen Varianten
4.2.3. Die Abstufungen in „Nicht-Leben“
4.3. „Leben 2“: Die diesseitige metaphorische Variante von „Leben“ in der absolut letzten Existenz als „Dita“
4.3.1. Der besondere Typus eines „gesteigerten“ Lebens
4.3.2. Die totale Autarkie als anzustrebender Wert
4.3.3. Die erlangte Rolle des „Lehrers“
4.4. „Leben 2“: Helfer – und Gegnerfiguren auf dem Weg zum Ziel
4.4.1. Der Weg zum Ziel durch Helferfiguren
4.4.2. Das Abkommen vom Ziel durch Gegnerfiguren
4.5. „Leben 3“: Die jenseitige metaphorische Variante von „Leben“
4.5.1. Die Erringung des „höchsten eigentlichen Lebens“
4.5.2. Die Lokalisierung einer potentiellen Helferrolle
4.5.3. Der Zustand des „Nicht-Erotikers“
4.5.4. Die Reinkarnation als Rechtfertigung für das „Leid in der Welt“
4.6. Die Lokalisierung zentraler fantastischer Merkmale des Modells
4.6.1. Die metaphysische Instanz als hierarchisch höchste Entität
4.6.2. Die Konservierung und die Wiederbelebung
4.6.3. Die Reinkarnation und der Lebenswechsel
4.6.4. Die Bewusstseinsspaltung und der Doppelgänger
4.7. ZWISCHENFAZIT I
5. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in Franz Spundas Das Ägyptische Totenbuch (1924)
5.1. „Leben 1“: Die Bedeutung des „Lebens“ im biologischen Sinne
5.1.1. Eine Teilserie mit okkultistischer Erfahrung von Realität
5.1.2. Die „Wiedergeburt“ im Kontext der Erzählung
5.1.3. Die Rekonstruierung einer potentiellen ägyptischen Seelenwanderung
5.1.4. Der Zustand eines biologischen „Nicht-Lebens“
5.2. „Leben 2“: Die diesseitige metaphorische Variante von „Leben“
5.2.1. Der „neutrale“ Ausgangszustand
5.2.2. Die verschiedenen „gesteigerten“ Leben mit ihren Varianten und Verknüpfungen
5.2.2.1. Typ A: Die erotisch-partnerbezogenen Varianten
5.2.2.2. Typ B: Die asketisch-altruistischen Varianten
5.2.2.3. Typ C: Die mystisch-narzisstische Variante
5.2.3. Die Abstufungen in „Nicht-Leben“
5.3. „Leben 2“: Helfer – und Gegnerfiguren auf dem Weg zum Ziel
5.3.1. Der Weg zum Ziel durch Helferfiguren
5.3.2. Das Abkommen vom Ziel durch Gegnerfiguren
5.4. Die Nicht-Existenz eines jenseitigen „Lebens 3“
5.4.1. Der Zustand des „Erotikers“ im Diesseits
5.4.2. Der Roman als Rechtfertigung für das „Leid in der Welt“
5.5. Die Lokalisierung zentraler fantastischer Merkmale des Modells
5.5.1. Der Komplex der okkulten Wesenheiten
5.5.2. Die Mumie als zentrale Größe
5.5.3. Der externe okkulte Zugriff
5.6. ZWISCHENFAZIT II
6. ENDFAZIT
Die Arbeit untersucht das spezifische Modell der „Wiedergeburt zu neuem Leben“, das in der fantastischen Literatur der Frühen Moderne (1890–1930) in Deutschland eine zentrale Rolle spielt. Ziel ist es, die epochenspezifische Struktur dieses Modells in den Romanen von Paul Busson, Hermann Wiedmer und Franz Spunda zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese Texte den Reinkarnationsgedanken nutzen, um existenzielle Sinnfragen und eine theodizee-ähnliche Rechtfertigung für menschliches Leid zu konstruieren.
4.1.1. Der lange Weg einer Seelenwanderung
Der ersten Modellebene liegt bei Hermann Wiedmer die okkultistische Erfahrung von Realität zugrunde. In diese wird das Phänomen der Reinkarnation eingeführt, die alle Glieder der Begriffsserie der ersten Ebene umfasst. Eine Seele wird aus der heimatlichen Gottheit heraustransportiert, wünscht sich so wie ihr eigener Schöpfer zu sein und beginnt eine Reise der Seelenwanderung. Dabei manifestiert sie sich zunächst in „niedere“ Existenzen (Zellenwesen, Tiere) und gelangt anschließend in verschiedene menschliche Körper mit wechselndem Geschlecht, wobei auch die Verkörperung in ein geschlechtsloses und in ein hermaphroditisches Wesen realisierbar ist. Nach einem Akt der Selbstbefruchtung in der letzten Existenz als Hermaphrodit tritt die Seele als Frau auf und entschwindet nach dieser Manifestation wieder in die Gottheit. De facto durchläuft die Seele die Gesamtserie „Leben 1 – Tod 1 – Zustand Nicht-Leben 1 – Wiedergeburt 1 – Neues Leben 1“, wobei diese aufgrund der Komplexität der langen Seelenreise erweitert werden muss. Diese Struktur soll hier nun expliziter betrachtet werden (vgl. S. 136: Abbildung 3).
Zu Beginn der Seelenwanderung befindet sich die Seele in einem jenseitigen externen Raum, ein für sie biologisches „Nicht-Leben 1.0“, welcher innerhalb der höchsten Gottheit zu lokalisieren ist. Dieser Status weicht jedoch von der Norm des Modells der „Wiedergeburt“ ab, da sich die Seele in einer jenseitigen göttlichen Ordnung noch vollkommen integriert fühlt (hierzu mehr in 4.1.2.). Um nun die lange Seelenreise antreten zu können, muss sie ihren Platz im Absoluten verlassen: „Aus dem Schoße Gottes löste sich eine Seele …“. Genau in dieser Situation lässt sich ein markantes Charakteristikum des „Nicht-Lebens 1.0“ feststellen, da Wiedmer seinem Gott die Fähigkeit zuschreibt, Wünsche zu erfüllen. So äußert auch die Seele nach Visualisierung der Gottheit ihr Verlangen: „Und am Glanz des Ewigen entzündete sich der erste Wunsch: »Werden wie Er – sein, was der Ewige ist«…“.
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Reinkarnation und Relevanz der Reinkarnationslehre in der Literatur der Frühen Moderne.
2. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in erzählender Literatur 1890 – 1930: Ein Überblick: Darstellung der Drei-Ebenen-Struktur des Modells und semantische Neudefinition des Lebensbegriffs.
3. Paul Bussons Die Wiedergeburt des Melchior Dronte (1921) als Prototyp für das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“: Analyse der Reinkarnationsthematik bei Busson als prototypisches Beispiel, insbesondere durch die Darstellung des „Ewli“.
4. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in Hermann Wiedmers Die Verwandlungen des Walter von Tillo (1930): Untersuchung der komplexen Seelenwanderung und Hermaphroditismus-Motivik als Mittel zur Erreichung göttlicher Autarkie.
5. Das Modell der „Wiedergeburt“ zu „neuem Leben“ in Franz Spundas Das Ägyptische Totenbuch (1924): Interpretation einer Struktur, die ohne explizite Reinkarnation auskommt und den Fokus auf nekromantische und okkulte Prozesse zur Bewusstwerdung legt.
6. ENDFAZIT: Synthese der Ergebnisse, die zeigt, wie das Reinkarnationsmodell als Mittel der Sinnstiftung und Theodizee in der Literatur der Frühen Moderne fungiert.
Reinkarnation, Seelenwanderung, Frühe Moderne, Metempsychose, fantastische Literatur, Hermaphroditismus, Théodicée, Selbstfindung, Jenseits, Okkultismus, neues Leben, Wiedergeburt, Identitätsspaltung, Autarkie.
Die Arbeit untersucht das „Modell der Wiedergeburt“ in ausgewählten fantastischen Erzähltexten der Frühen Moderne (1890–1930) und wie dieses zur Bewältigung existentieller Sinnkrisen genutzt wurde.
Die zentralen Themen umfassen die literarische Umsetzung von Reinkarnation, die Bedeutung des Lebens- und Todesbegriffs in dieser Epoche sowie die Konzeption von Selbstfindung durch okkulte Erfahrungen.
Die Forschungsarbeit abstrahiert ein epochenspezifisches „Modell der Wiedergeburt“ und prüft, inwiefern fantastische Texte dieses System nutzen, um eine Rechtfertigung für menschliches Leid (Théodicée) anzubieten.
Der Autor nutzt die vergleichende Literaturanalyse, um anhand einer Drei-Ebenen-Struktur Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Modellumsetzung bei Busson, Wiedmer und Spunda herauszuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert die Romane Die Wiedergeburt des Melchior Dronte, Die Verwandlungen des Walter von Tillo und Das Ägyptische Totenbuch hinsichtlich ihrer spezifischen Ebenen- und Figurenkonstellationen.
Schlüsselbegriffe sind Reinkarnation, Seelenwanderung, Frühe Moderne, Hermaphroditismus, Théodicée, okkulte Selbstfindung und das Modell der Wiedergeburt.
Der Hermaphroditismus dient als biologische und symbolische Abnormität, die den Helden zwingt, sich von traditionellen Rollenbildern zu lösen und eine göttliche Autarkie zu erreichen, indem er sich als „Schöpfer“ und „Geschöpf“ in einem vereint.
Spunda verzichtet als einziger der untersuchten Autoren auf eine explizite Darstellung einer physischen Reinkarnation, nutzt das Modell aber als strukturelle Basis, um die psychologischen Prozesse seiner Figuren zu analysieren.
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