Diplomarbeit, 2007
161 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Einführende theoretische Überlegungen zu Schulabsentismus
2.1 Definition und Abgrenzung der Begriffe
2.2 Weiterführende Erläuterungen der Begriffe
2.2.1 Schulschwänzen
2.2.2 Schulverweigerung
2.2.3 Fernhalten
2.3 Risikofaktoren für schulabstinentes Verhalten – Das Ursachen-Quintett
2.3.1 Schulische Risikofaktoren
2.3.2 Risikofaktor Familie
2.3.3 Problemlagen des Schüler-Daseins
2.3.4 Risikofaktor Jugendkultur und Peer-group
2.3.5 Gesellschaftliche Risikofaktoren als Überbau
2.3.6 Alternative Erklärungstheorien
3 Exkurs: Schulabsentismus vor dem Hintergrund der aktuellen Schulpolitik und Bildungskritik – Aufgaben von Schule
4 Diskurs der Erklärungsmodelle von Schulabsentismus im familialen Kontext
4.1 Vorbetrachtung: Struktureller Wandel des Mikrosystems Familie – Auswirkungen auf Bildung und Erziehung
4.2 Zusammenhänge im Spannungsfeld Familie und Schule
4.2.1 Schule und Familie zwischen Erwartung und Ablehnung
4.3 Zusammenhänge zwischen Schulabsentismus und innerfamilialen Psycho und Interaktionsdynamiken
4.3.1 Schulabsentismus als Ausstoßungsthema
4.3.2 Schulabsentismus als Thema von Bindung-, Ablösung- und Verstrickung
4.3.3 Schulabsentismus als Wiederholung und Übertragung
4.3.4 Schulabsentismus als Konsequenz kritischer Lebensereignisse
4.3.5 Modell der Trennungsangst bei Schulphobie
4.4 Armutsentwicklung – Schulabsentismus im Kontext sozialer Ungleichheit
4.4.1 Der sozioökonomische Ansatz
4.4.1.1 Der sozioökonomische Ansatz von Bildungsprozessen
4.4.1.2 Folgen familialer Marginalisierung: Schulabsentismus
4.4.2 Die Anomie-Theorie als Deutungsmuster milieuspezifischer Entwicklungen von Schulabsentismus
4.4.3 Weitere Delinquenztheorien: Kontrolltheorie, Subkulturtheorie und Theorie des Sozialen Kapitals
4.5 Fazit
5 Empirische Befunde zu Schulabsentismus bei Jugendlichen in Deutschland
5.1 Häufigkeit und Verteilung von schulabstinentem Verhalten
5.2 Empirische Befunde zum Zusammenhang von Schulabsentismus und familialen Einflüssen
5.2.1 Ergebnisse einer Metaanalyse nach Ricking
5.2.2 Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung des Deutschen Jugendinstituts (DJI)
5.2.2.1 Ergebnisse der Schüler-Befragung
5.2.2.2 Ergebnisse der Experten-Befragung
5.2.3 Überblick zu Ergebnissen weiterer deutscher Untersuchungen zu Schulabsentismus im familialen Kontext
5.3 Fazit
6 Untersuchung familialer Bedingungsfaktoren für Schulabsentismus am Beispiel eines Schulverweigerer-Projektes in Sachsen-Anhalt
6.1 Untersuchungsdesign
6.2 Entwicklung der Untersuchungsinstrumente
6.2.1 Der Eltern-Fragebogen
6.2.2 Der Schüler-Fragebogen
6.3 Durchführung der Untersuchung
6.4 Ergebnisse der Befragungen
6.4.1 Beschreibung der Untersuchungsteilnehmer
6.4.2 Ausgewählte Einzelergebnisse der Befragungen
6.4.2.1 Ausgewählte Einzelergebnisse der Eltern-Befragungen
6.4.2.2 Ausgewählte Einzelergebnisse der Schüler-Befragungen
6.5 Diskussion der Ergebnisse
6.6 Hypothesenprüfung
7 Zum pädagogischen Umgang mit Schulabsentismus
7.1 Präventive pädagogische Konzepte
7.2 Interventive pädagogische Konzepte
7.3 Reintegrative bzw. rehabilitative pädagogische Konzepte
7.4 Ersatzbeschulung
7.5 Fall- und Systemkooperation von Schule und Jugendhilfe
8 Konsequenzen
8.1 Elternarbeit in der Prävention und Intervention von Schulabsentismus
8.1.1 Empirische Hinweise
8.2 Aktivierung der Elternpartizipation
8.2.1 Methodik und Rahmenbedingungen für Elterngespräche
8.2.2 Empowermentorientierte Konzepte für eine Elternkooperation bei Schulabsentismus
8.2.3 Praktizierte Elternarbeit in Schulverweigerer-Projekten
Ziel der Arbeit ist es, den Stellenwert familialer Risikofaktoren im Gesamtgefüge des Schulabsentismus zu untersuchen und zu bewerten. Dabei soll analysiert werden, wie innerfamiliale Psychodynamiken und sozioökonomische Rahmenbedingungen die Entstehung, Verfestigung oder Aufrechterhaltung von schulverweigerndem Verhalten begünstigen, um daraus Ansatzpunkte für eine effektive pädagogische Elternarbeit abzuleiten.
2.3 Risikofaktoren für schulabstinentes Verhalten – Das Ursachen-Quintett
Hintergründe und Motive für Schulabsentismus sind höchst unterschiedlich. Bei Schulabsentismus ist „von einem komplexen Bedingungsgeflecht mit einer Verschränkung von soziokulturellen, lebensweltlichen, institutionellen Struktur- und familialen, schulischen, interaktiven und situativen Prozessfaktoren auszugehen.“ (Thimm 2000, 140) Kausalzusammenhänge gibt es nicht. Das in den bisherigen empirischen und theoretischen Abhandlungen zumeist monokausal isolierte Erklärungsmuster ist als problematisch zu betrachten. Vielmehr ist eine multiperspektivische, systemische und dynamische Betrachtungsweise erforderlich, um das Phänomen Schulabsentismus zu erklären. (vgl. Thimm 2000, 141)
Die in der Abbildung (Abb. 1) genannten Risikofaktoren bilden ein ursächlich multifaktorielles Spannungsfeld. Dabei stehen die Faktoren immer miteinander in Verbindung und wirken kumulativ. (vgl. Simon 2002, 14) Der Interaktionsrahmen, in dem sich Schulabsentismus entwickelt, sein Bestehen aufrecht erhält oder Interventionen entgegen steht, lässt sich wie folgt definieren:
Die Risikofaktoren können entweder direkt schulausstiegsspezifisch (z. B. Angst vor Bedrohung durch Mitschüler) oder indirekt, nicht gezwungenermaßen schulaversiv, (z. B. Scheidung der Eltern, sexueller Missbrauch) wirken. Es kann nicht immer genau definiert werden, ob es sich dabei um ursächliche, auslösende, verstärkende oder aufrechterhaltende Risikofaktoren handelt. Zu unterscheiden sind vergangenheitsgerichtete Strukturen (z. B. Scheidung der Eltern) und gegenwartsorientiertes Prozessverstehen (z. B. Gefühl der Ausgrenzung aus der Klasse). (vgl. Thimm 1998, 69) Dementsprechend sind auch Präventions- und Interventionsmaßnahmen unterschiedlich anzusetzen.
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die zunehmende Relevanz von Schulabsentismus in Deutschland und skizziert die methodische sowie theoretische Herangehensweise, um den Einfluss familialer Strukturen auf dieses Phänomen zu untersuchen.
Einführende theoretische Überlegungen zu Schulabsentismus: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Schulschwänzen und Schulverweigerung und identifiziert ein komplexes Ursachen-Quintett von Risikofaktoren.
Exkurs: Schulabsentismus vor dem Hintergrund der aktuellen Schulpolitik und Bildungskritik – Aufgaben von Schule: Es wird analysiert, inwiefern das deutsche Schulsystem durch Selektion und mangelnde Chancengleichheit selbst zur Entstehung von Schulabsentismus beitragen kann.
Diskurs der Erklärungsmodelle von Schulabsentismus im familialen Kontext: Hier werden zentrale Erklärungsmodelle beleuchtet, die den Zusammenhang zwischen innerfamilialen Dynamiken, sozioökonomischem Status und dem schulischen Rückzugsverhalten der Kinder aufzeigen.
Empirische Befunde zu Schulabsentismus bei Jugendlichen in Deutschland: Auf Basis regionaler und überregionaler Studien werden statistische Häufungen und Korrelate für schulabstinentes Verhalten in unterschiedlichen Familienkonstellationen dargestellt.
Untersuchung familialer Bedingungsfaktoren für Schulabsentismus am Beispiel eines Schulverweigerer-Projektes in Sachsen-Anhalt: Die Autorin präsentiert eigene empirische Daten aus einem Projekt in Schönebeck und diskutiert diese im Kontext ihrer theoretischen Hypothesen.
Zum pädagogischen Umgang mit Schulabsentismus: Dieses Kapitel stellt verschiedene pädagogische Konzepte vor, von präventiven Ansätzen bis hin zu rehabilitativen Maßnahmen, und betont die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe.
Konsequenzen: Abschließend werden Strategien für eine gelingende Elternarbeit entwickelt, die auf Empowerment-Konzepten basieren und die Eltern als Partner in den Reintegrationsprozess einbinden.
Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulschwänzen, Familie, sozioökonomischer Status, Bildungsbenachteiligung, Elternarbeit, Kooperation, Schulerfolg, Interaktionsdynamik, Empowerment, Prävention, Intervention, Jugendhilfe, Schulsyste
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen von Schulabsentismus unter besonderer Berücksichtigung des familialen Kontextes und analysiert, wie diese Faktoren mit schulischen und gesellschaftlichen Bedingungen interagieren.
Die Arbeit behandelt Themen wie Begriffsabgrenzungen, schulpolitische Rahmenbedingungen, die Rolle familialer Psychodynamiken, sozioökonomische Faktoren sowie Strategien zur Prävention und Intervention.
Das Ziel ist es, das Bedingungsgefüge von Schulabsentismus zu durchdringen, um Ansatzpunkte für eine effektive, kooperative Elternarbeit zu gewinnen und so zur Reintegration schulaversiver Jugendlicher beizutragen.
Neben einer umfassenden theoretischen Aufarbeitung verwendet die Autorin eine qualitative Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung von Schülern und Eltern in einem Schulverweigerer-Projekt in Sachsen-Anhalt.
Der Fokus liegt auf der Analyse familialer Interaktionsdynamiken und der sozioökonomischen Marginalisierung, die als fundamentale Risikofaktoren für einen schulischen Rückzug identifiziert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schulabsentismus, sozioökonomische Lage, familiale Einflüsse, Elternarbeit, Schulerfolg, Bildungsgerechtigkeit und Kooperationsmodelle.
Die Arbeit zeigt auf, dass der sozioökonomische Status eng mit dem schulischen Erfolg verknüpft ist, da benachteiligte Familien oft weniger Ressourcen zur Unterstützung bildungsförderlicher Prozesse zur Verfügung haben.
Die Autorin bewertet die Kooperation als oft mangelhaft und von gegenseitiger Schuldzuweisung geprägt, und fordert stattdessen einen partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe.
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