Magisterarbeit, 2005
156 Seiten, Note: 1,0
I. Vorhang auf!
1. Die Anfänge des Films
1.1. Wegbereiter der Filmkunst. Lumière und Méliès
1.2. Konstitution einer emanzipierten Filmsprache. D.W. Griffith
2. Film ist nicht Theater?
2.1. Raum im Theater und Film
2.2. Drehbuch und Drama
2.3. Filmsprache und Filmsemiotik
2.4. Gegenwart, Körper und Schauspielkunst
2.5. Rezeption
2.6. Ton
II. Auf- und Abgänge
1. Kitano: DOLLS
1.1. Das Bunraku Puppenspiel
1.2. Stilistik und Realismus: Kitanos Prolog und Überblendung
1.3. Die Etablierung des Bunraku im filmischen Gewand
1.3.1. Menschliche Puppen
1.3.2. Übersteigerte Realität und stilisiertes Tableau
1.4. Fazit: Die Negation einer authentischen Wirklichkeit
2. Baz Luhrmann: MOULIN ROUGE
2.1. Traditionslinien
2.1.1. Musicals
2.1.2. Melodrama
2.1.3. Französische Filmfarce
2.2. Spiel im Spiel
2.3. Larger than life
2.4. Fazit: Negation einer authentischen Wirklichkeit
3. Lars von Trier: DOGVILLE
3.1. Cinemascope Kino durch Imagination
3.2. Einheit und Bewegung im Raum
3.3. Bigger than Brecht?
3.4. Fazit: Die Negation einer authentischen Wirklichkeit
III. Vorhang zu!
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Film und Theater und analysiert, wie sich zeitgenössische Regisseure theatrale Mittel zunutze machen, um filmische Ästhetiken zu erweitern oder kritisch zu hinterfragen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, auf welche Weise die spezifischen Gesetzmäßigkeiten des Theaters innerhalb des filmischen Rahmens eingesetzt werden und inwieweit diese die Illusion von Wirklichkeit beeinflussen oder negieren.
2. Film ist nicht Theater?
„Die Arbeit für das Theater ist kontinuierlich, aber vergänglich. Die Arbeit für den Film ist diskontinuierlich, aber dauerhaft“. Das Verhältnis zwischen Theater und Film hat seit der Entstehung des Kinos zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder kontroverse Diskussionen hervorgebracht, die letztlich durch den technischen Fortschritt des Kinos verworfen und revidiert wurden. Wie bereits das vorangestellte Kapitel erläuterte, war die Betrachtung des Films als selbständige Kunst von Beginn an nicht selbstverständlich und wurde immer in Relation zur Theaterkunst gesehen. Doch bei all der polarisierenden Denkweise zwischen beiden Medien, die in der Gegenwart keineswegs abgenommen hat, werden in der Regel die engen Zusammenhänge zwischen Theater und Film untergraben. Film und Theater können beide zunächst als Handlungskünste betrachtet werden, die zu dem textlichen Substrat auf fiktionaler Ebene das entsprechende Bild produzieren. Beide Medien sind eine Synthese von anderen Künsten, in der Musik, Literatur, Darstellung und Bildende Kunst zu einem Schaffungsprozess vereinigt sind. Es ist eine Zusammenarbeit von Dramatiker, Musiker, Bühnenbildner, Schauspieler und letztlich auch Zuschauern.
Doch bei all diesen Gemeinsamkeiten wird zugleich deutlich, wie schmal dieser Grat verläuft und wie offensichtlich die Unterscheidungsmerkmale zu Tage treten. Das vorliegende Kapitel widmet sich vorrangig diesen differenten Wesensmerkmalen, ohne die Abhandlung als Wettstreit der Künste zu begreifen oder eine Wertung vorzunehmen. Betrachtet werden allein prototypische Abgrenzungen, die eine Basis für die nachfolgende Analyse im tatsächlichen Grenzbereich zwischen Theater und Film bilden sollen. Besonders wichtig erscheinen mir vor allem die Kategorien Raum im Theater und Film, Drama und Drehbuch, Filmsprache und Filmsemiotik, Gegenwart, Körper und Schauspielkunst, die Rezeption, sowie der Ton.
I. Vorhang auf!: Diese Einleitung skizziert die historische Entwicklung und die wechselseitige Beeinflussung von Film und Theater seit den Anfängen des Kinos.
1. Die Anfänge des Films: Kapitel 1 befasst sich mit den Pionieren der Filmkunst wie Lumière und Méliès und der allmählichen Emanzipation des Films von theatralen Nachahmungszwängen.
2. Film ist nicht Theater?: Kapitel 2 definiert die wesentlichen theoretischen Unterschiede zwischen den Medien, insbesondere in Bezug auf Raumkonzepte, Dramaturgie und die Rolle des Zuschauers.
II. Auf- und Abgänge: Dieser Teil leitet die praktische Analyse ein, in der drei spezifische Regie-Ansätze hinsichtlich ihrer theatralen Bezüge untersucht werden.
1. Kitano: DOLLS: Analysiert wird, wie Kitano die Ästhetik und Künstlichkeit des traditionellen Bunraku-Puppentheaters als strukturelle Grundlage für seinen Film nutzt.
2. Baz Luhrmann: MOULIN ROUGE: Untersucht wird die postmoderne Collage, das "Spiel im Spiel" und die Kombination aus Musical-Traditionen und Melodramatik.
3. Lars von Trier: DOGVILLE: Das Kapitel beleuchtet Triers radikale anti-illusionistische Inszenierung, die durch ihre extreme Reduktion eine neue Form theatraler Ästhetik im Film schafft.
III. Vorhang zu!: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Möglichkeiten sowie Grenzen der Verschränkung von Film und Theater.
Film, Theater, Theatralität, Inszenierung, Filmsemiotik, Bunraku, Musical, Melodrama, Dogville, Lars von Trier, Baz Luhrmann, Takeshi Kitano, Verfremdungseffekt, Realismus, Spiel im Spiel.
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis und die Korrespondenz zwischen Film und Theater und analysiert, wie filmische Erzählweisen durch theatrale Konzepte beeinflusst werden.
Die Schwerpunkte liegen auf der prototypischen Abgrenzung der beiden Medien, dem Einsatz von Stilisierung, der Bedeutung von Künstlichkeit sowie der aktiven Rolle des Zuschauers.
Die Forschungsfrage lautet, in welcher Form Regisseure theatrale Mittel einsetzen, um die filmische Ästhetik zu gestalten und die Suggestion einer rein naturalistischen Wirklichkeit zu durchbrechen.
Es wird eine film- und theaterwissenschaftliche Analyse angewandt, die theoretische Konzepte (wie die von Brecht oder Pfister) mit der Untersuchung ausgewählter Filmbeispiele (Dolls, Moulin Rouge, Dogville) verknüpft.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Film- und Theaterraums und der Schauspielkunst erörtert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Regie-Stile von Kitano, Luhrmann und von Trier.
Wichtige Begriffe sind Theatralität, Verfremdungseffekt, Spiel im Spiel, Künstlichkeit, Medialität und Inszenierungsanalyse.
Kitano nutzt das Bunraku primär als ästhetische Inspiration für die Charakterisierung seiner Figuren und die visuelle Stilisierung, bleibt dabei aber in einem stärker filmisch-narrativen Rahmen als beispielsweise Trier.
Luhrmann verwendet das Spiel im Spiel als konstitutives Element seines Plots, um die Ebenen von Fiktion und Realität gezielt zu verwischen und die Artifizialität seines cineastischen Universums zu unterstreichen.
Trier reduziert die Filmkulisse auf ein Minimum und nutzt lediglich Kreidezeichnungen am Boden, wodurch er die filmische Illusion fast vollständig zerstört und den Zuschauer zur aktiven Imagination zwingt.
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