Magisterarbeit, 2005
66 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Einleitung
1 Prägende Erfahrungen der Kindheit
2 Die zerbrochene Einheit: Der Verlust der abendländischen Universalität
3 Grundlegende Thesen für die Entfaltung der Staats- und Gesellschaftsauffassung des J. Görres
4 Zentralisierung und bürgerliches Selbstbewusstsein
5 Kulturpolitische Versuche der Machtmanifestation
6 Die Kirche in Politik und Gesellschaft
7 Die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Existenz
8 Macht und Funktion der Sprache
9 Staatsbildung durch göttlichen Geist
10 Die Besetzung des Rheinlandes
11 Kritik an Gewalttätigkeit und Immoralität
12 Die Notwendigkeit staatlicher Neustrukturierung
13 Die Ablehnung „Republikanischer Despotie“
14 Ausrichtung auf das Geistige und die „allmählige Menschenverbesserung“
15 Das deutsche Bildungsbürgertum und die napoleonische Fremdherrschaft
16 Die Befreiungskriege als Ereignis und Gegenstand der Massenkommunikation
17 Napoleonismus – ein Widerspruch zum guten Geist
18 Befürchtete Folgen der napoleonischen Herrschaft für die Genese Europas
19 Forderung nach besonnener Erfüllung der erkannten Ansprüche
20 Der Wiener Kongress: Inneres Ruhen statt ‚Gleichgewicht der Kräfte‘
21 Innerer Zusammenhalt als staatliche Existenzbedingung
22 Kritik am ‚ungeistigen Liberalismus‘
23 Einbezug aller Kräfte durch Gemeingeist
24 Die studentische Jugend
25 Der Mord an Kotzebue
26 Umgestaltung durch Geist und Tugend – nicht durch Gewalt
27 Die Statusfrage im Kontext von Leistung und sozialer Verantwortung
28 Die Vereinigung der Gegensätze
Die vorliegende Arbeit untersucht die Staats- und Gesellschaftsauffassung von Joseph Görres im Kontext der Epoche von Revolution und Restauration. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Görres seine Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit und staatlicher Einheit kontinuierlich entwickelte und trotz der politischen Umbrüche in einem christlich-metaphysischen Geschichtsverständnis zu harmonisieren suchte.
KAPITEL 2
Das Mittelalter war von der Kraftprobe zwischen Papst- und Kaisertum bestimmt worden. Das kontroverse Nebeneinander der beiden Institutionen, bewirkte eine Schwächung ihrer Autoritäten. Dies erwies sich insofern als problematisch, da weltliche und geistliche Herrschaft ihre Gewalt in der mittelalterlichen Welt ausübten, indem sie ihre Führerschaft nicht primär über Gebietsansprüche, sondern über Personen definierten. Das System der persönlichen Abhängigkeit wurde zunehmend in Frage gestellt, derweil sich die feudalistische Struktur des Personenverbandsstaates aufzulösen begann. Von der Schwächung dieser Machtzentren profitierten in erster Linie diejenigen, die im territorialstaatlichen Rahmen ihre Herrschaft organisierten.
Die Macht des Kaiser schwand, doch auch viele „Vollmachten und Güter der christlichen Kirche [wurden von den] Herrschern des Westens“ an sich gezogen.
Das erstarkende Fürstentum konnte in Deutschland immer mehr Regalien an sich ziehen und für den Ausbau seiner Landeshoheit einsetzen. Schon zur Zeit des Abendländischen Schismas, gelang die Erhöhung des Einflusses auf Kosten kirchlicher Strukturen. „Die Fürsten erhielten fast überall das Recht über Kirchenlehen zu verfügen und von Prälaten Steuern zu fordern.“ Vor allem in Frankreich verfestigte sich die Überzeugung, dass es allein dem König – und nicht dem Papst – zugestanden sein müsse, sich der kirchlichen Verwaltungsstruktur zu bedienen, um weltliche Gewalt auszuüben. Die Grundlage des Gallikanismus, respektive die Begründung einer französischen Nationalkirche war somit gegeben. Die Idee des Staatskirchentums war geboren und sollte sich im Zeitalter des Absolutismus verhängnisvoll auswirken.
Einleitung: Einführung in das Leben und Wirken von Joseph Görres sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und der zentralen Thesen der Abhandlung.
1 Prägende Erfahrungen der Kindheit: Untersuchung der familiären Herkunft und der schulischen Prägung in Koblenz, die Görres' frühes Weltbild maßgeblich beeinflussten.
2 Die zerbrochene Einheit: Der Verlust der abendländischen Universalität: Analyse der Schwächung päpstlicher und kaiserlicher Macht im Mittelalter sowie des Aufstiegs territorialstaatlicher Strukturen.
3 Grundlegende Thesen für die Entfaltung der Staats- und Gesellschaftsauffassung des J. Görres: Erörterung von Görres' Kritik am Zerfall des mittelalterlichen Ordnungssystems und seinem Erklärungsmodell für Herrschaft.
4 Zentralisierung und bürgerliches Selbstbewusstsein: Reflexion über die Konzentration staatlicher Macht und die damit einhergehende Emanzipation des Bürgertums.
5 Kulturpolitische Versuche der Machtmanifestation: Darstellung der Rolle von Architektur und Kunst bei der Repräsentation und Festigung absolutistischer Herrschaftsansprüche.
6 Die Kirche in Politik und Gesellschaft: Diskussion über die sich wandelnde gesellschaftliche Bedeutung der Kirche im Zeitalter der Aufklärung.
7 Die Rechtmäßigkeit der kirchlichen Existenz: Begründung für die Daseinsberechtigung der Kirche als moralische Instanz unabhängig vom staatlichen Zugriff.
8 Macht und Funktion der Sprache: Betrachtung der Sprache als wesentliches Medium zur Bildung einer Identität und als Instrument der gesellschaftlichen Einigung.
9 Staatsbildung durch göttlichen Geist: Herleitung der staatlichen Existenz aus einer metaphysischen Idee, die in einer gerechten gesellschaftlichen Ordnung münden soll.
Joseph Görres, Aufklärung, Restauration, Napoleonismus, Staatsauffassung, Gesellschaftsvertrag, Kirche, Nationalbewusstsein, Liberalismus, Metaphysik, Bildungsbürgertum, Rheinland, Freiheitskriege, Moralität, Macht.
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Staats- und Gesellschaftstheorie von Joseph Görres und zeigt auf, wie er die politischen Umbrüche seiner Zeit (Revolution und Restauration) in ein christlich-metaphysisches Geschichtsbild integrierte.
Zentral sind die Rolle der Religion im modernen Staat, die Entwicklung eines deutschen Nationalbewusstseins, das Verhältnis von individueller Freiheit zu staatlicher Autorität und die Kritik an einer rein rationalistischen Machtpolitik.
Ziel ist es, das „Gleichbleibende“ in Görres' Denken aufzuzeigen und zu belegen, dass er bereits in jungen Jahren einen konsequenten Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und geistige Erneuerung verfolgte.
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Görres' Schriften, insbesondere der Schrift „Teutschland und die Revolution“, und setzt diese in den Kontext historischer Entwicklungen der Aufklärung und der Restauration.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische und thematische Aufarbeitung von Görres' Leben, von seiner Kindheit in Koblenz bis hin zu seiner Rolle als Publizist während der Freiheitskriege.
Wichtige Begriffe sind „Geistige Regeneration“, „organisches Staatsverständnis“, „christliche Staatsphilosophie“, „Bürgerliche Emanzipation“ und „Kritik der Macht“.
Görres betrachtet Napoleon als „vorübergehendes Übel“ und Werkzeug von Gewalt und Egoismus, das eine wahre geistige Ordnung verhindert und die natürliche Entwicklung der Völker unterdrückt.
Görres kritisierte am Liberalismus seiner Zeit, dass er häufig demokratische Ziele vorgab, dabei jedoch die religiöse und kulturelle Basis (das „Geistige“) vernachlässigte und sich oft in oberflächlichen Redensarten verlor, anstatt echte Identität zu stiften.
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