Examensarbeit, 2007
103 Seiten, Note: 1,00
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
I. Einleitung
II. Erziehung und Bildung vor 1945
1. Schulorganisation und Bildungsinhalte während der Weimarer Republik
2. Schulorganisation und Bildungsinhalte während der NS-Zeit
2.1 Programmatische Grundlagen
a.) Das Parteiprogramm von 1920
b.) Hitlers Ausführungen in „Mein Kampf“
2.2 Schulorganisation und Bildungsinhalte
a.) Das Schulwesen
b.) Die Lehrerausbildung
c.) Außerschulische Erziehung
d.) Diktatur im Bildungswesens
3. Kritisches Resümee
III. Die Vorstellungen der Alliierten bezüglich des deutschen Schul- und Bildungswesens vor Kriegsende
1. Die Vorbereitungen der einzelnen Besatzungsmächte
a.) USA
b.) Großbritannien
c.) Frankreich
d.) Sowjetunion
2. Die Koordinierung der Vorbereitungen der Alliierten: Ansätze einer gemeinsamen Deutschlandpolitik
3. Kritisches Resümee
IV. Schulpolitische Maßnahmen in der Anfangszeit der Besatzung
1. Die Situation in den letzten Tagen vor Kriegsende und in der unmittelbaren Zeit danach
a.) in den Schulen
b.) im ganzen Land
2. Die Stellung des Erziehungs- und Bildungswesens in den Militärregierungen der Besatzungsmächte
3. Entnazifizierung und Umerziehung der Lehrerschaft
4. Die Revision der Lehrpläne und der Schulbücher
5. Die Wiedereröffnung der Schulen
6. Kritisches Resümee
V. Bildungspolitik in den Jahren 1946 und 1947
1. Die Rahmenbedingungen politischen Handelns in den Jahren 1946 bis 1948
2. Die Kontrollratsdirektive Nr. 38 und der Übergang der Entnazifizierung an deutsche Stellen
3. Bildungspolitische Vorstellungen auf Deutscher Seite
a.) CDU/CSU
b.) SPD
c.) Gesellschaftliche Gruppen: Gewerkschaften, Lehrerverbände und Kirchen
d.) Die Situation in der sowjetisch besetzten Zone
4. Bildungspolitische Vorstellungen auf alliierter Seite
a.) In der amerikanischen Besatzungszone
b.) In der britischen Besatzungszone
c.) In der französischen Zone
d.) In der sowjetischen Besatzungszone
5. Gemeinsame bildungspolitische Vorstellungen der Alliierten: Die Kontrollratsdirektive Nr. 54
6. Schulischer Alltag in den ersten Jahren
7. Kritisches Resümee
VI. Bildungspolitik in deutschen Händen: Die Auseinandersetzungen zwischen den Länderregierungen und den Besatzungsmächten
1. In der amerikanischen Zone
2. In der britischen Zone
3. In der französischen Zone
4. In der sowjetischen Zone
5. Kritisches Resümee
VII. Das Schulwesen in der BRD und der DDR nach 1949 – Spurensuche alliierten Einflusses
1. In den westlichen Zonen und der BRD
a.) Einheitsschulen
b.) Lehrplanreform
c.) Partizipation
d.) Schulgeld- und Lehrmittelfreiheit
2. In der SBZ und der DDR
VII. Schluss
VIII. Literatur
Die vorliegende Arbeit analysiert die Veränderungen im deutschen Schulwesen nach dem Zweiten Weltkrieg, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, ob das Jahr 1945 eine tatsächliche „Stunde Null“ für das Bildungssystem darstellte oder ob weitreichende Kontinuitäten fortbestanden.
2. Schulorganisation und Bildungsinhalte während der NS-Zeit
Erstmals konkret fassbare erziehungs- und bildungspolitische Vorstellungen entwickelte die NSDAP in ihrem ersten Parteiprogramm aus dem Jahre 1920. „Höhere Bildung“, so ist dort zu lesen, soll „jedem fähigen und fleißigen Deutschen“ zukommen um „damit das Einrücken in führende Stellen zu ermöglichen“. Zur Erreichung dieses Zieles „hat der Staat für einen gründlichen Ausbau unseres gesamten Volksbildungswesens zu sorgen“. Wer als Deutscher zu verstehen ist und welche Personengruppen im Umkehrschluss von Bildung auszuschließen sind, kann ebenfalls dem Parteiprogramm entnommen werden: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer Deutscher ist […] Kein Jude kann daher Volksgenosse sein“.
Auch bezüglich der Lehrinhalte werden Beschlüsse gefasst. So wurde gefordert alle „Bildungsanstalten […] den Erfordernissen des praktischen Lebens anzupassen“, was wohl vor allem als Stärkung der Naturwissenschaften und modernen Fremdsprachen zu verstehen ist. Deutlich ist hier der zweckrationale Aspekt von Bildung zu sehen. Besondere Bedeutung soll auch der politisch-staatsbürgerlichen Erziehung zukommen. „Das Erfassen des Staatsgedankens muss bereits mit dem Beginn des Verständnisses durch die Schule (Staatsbürgerkunde) erzielt werden.“ Auch wenn keine weiteren Ausführungen über die inhaltliche Ausgestaltung des Begriffes „Staatsgedankens“ gemacht werden, so besteht dennoch kein Zweifel daran, dass damit keine demokratischen oder humanistischen Ideale gemeint sein können. Bildung und Erziehung sollte darüber hinaus allen Deutschen zugänglich gemacht werden und „besonders veranlagte Kinder armer Eltern ohne Rücksicht auf deren Stand oder Beruf auf Staatskosten“ ausgebildet werden.
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Schulwesens als gesellschaftliches Subsystem dar und führt in die Fragestellung ein, ob das Jahr 1945 einen Bruch („Stunde Null“) oder eine Kontinuität in der Bildungspolitik bedeutete.
II. Erziehung und Bildung vor 1945: Dieses Kapitel skizziert die bildungspolitischen Verhältnisse der Weimarer Republik, geprägt durch demokratische Reformversuche, sowie die radikale Zentralisierung und Ideologisierung unter dem Nationalsozialismus.
III. Die Vorstellungen der Alliierten bezüglich des deutschen Schul- und Bildungswesens vor Kriegsende: Hier wird die alliierte Planungsphase analysiert, in der unterschiedliche Konzepte der Besatzungsmächte (USA, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion) für das deutsche Bildungssystem nach dem Krieg aufeinandertrafen.
IV. Schulpolitische Maßnahmen in der Anfangszeit der Besatzung: Das Kapitel befasst sich mit der unmittelbaren Nachkriegssituation, dem Lehrermangel, der Entnazifizierung des Personals sowie der katastrophalen materiellen Lage an den Schulen.
V. Bildungspolitik in den Jahren 1946 und 1947: Hier werden die bildungspolitischen Differenzen zwischen den Besatzungsmächten und der wachsende politische Gegensatz in den Jahren 1946/1947 behandelt, die in unterschiedlichen nationalen Reformansätzen resultierten.
VI. Bildungspolitik in deutschen Händen: Die Auseinandersetzungen zwischen den Länderregierungen und den Besatzungsmächten: Dieses Kapitel beleuchtet den Machtkampf zwischen den neu entstehenden deutschen Regierungen und den Militärverwaltungen in den jeweiligen Besatzungszonen.
VII. Das Schulwesen in der BRD und der DDR nach 1949 – Spurensuche alliierten Einflusses: Abschließend wird untersucht, welche Reformimpulse der Alliierten in den beiden neu gegründeten deutschen Staaten nach 1949 tatsächlich nachwirkten.
Schulwesen, Bildungspolitik, Stunde Null, Alliierte Besatzung, Entnazifizierung, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Re-education, Einheitsschule, Demokratisierung, Schulreform, Bildungsgeschichte, Besatzungszonen, Lehrplanreform, politische Erziehung.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des deutschen Schulwesens in der Dekade zwischen 1945 und 1955 und fragt, ob durch die Besatzung eine Zäsur stattgefunden hat oder ob konservative Kontinuitätslinien überwogen.
Zentrale Themen sind die Bildungspolitik während der Weimarer Republik und der NS-Zeit, die alliierte Besatzungspolitik und die späteren bildungspolitischen Auseinandersetzungen zwischen deutschen Ländern und Siegermächten.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das deutsche Schulwesen 1945 eine echte „Stunde Null“ erlebte oder ob eine tiefgreifende Kontinuität über die Epochengrenze hinaus fortbestand.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Richtlinien und bildungspolitischer Analysen basiert.
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Reformkonzepte der vier Besatzungsmächte, die Prozesse der Entnazifizierung der Lehrerschaft sowie die späteren bildungspolitischen Entwicklungen in der entstehenden BRD und der DDR.
Die zentralen Schlagworte umfassen Schulreform, Entnazifizierung, Re-education, Besatzungspolitik, Bildungssystem und Demokratisierung.
Während die USA und Frankreich versuchten, das Schulsystem aktiv umzugestalten, verhielt sich Großbritannien eher passiv und überließ die Reformarbeit den Deutschen, während die Sowjetunion eine ideologisch strikte Umgestaltung zur sozialistischen Einheitsschule forderte.
Der Rückgriff ist essenziell, da die Akteure der ersten Nachkriegsjahre in der Weimarer Republik sozialisiert wurden und die Schulsysteme nach 1945 in weiten Teilen auf die alten Strukturen dieser Zeit zurückgriffen.
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