Magisterarbeit, 2007
86 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Überlegungen zum Identitätsbegriff
2.1.1 Persönliche Identität
2.1.2 Soziale Identität
2.1.3 Politisch-gesellschaftliche Identität
2.1.4 Weltanschauliche Identität
2.1.5 Identitätskrisen
2.2 Identität im Exilschriftstellerleben und in der Exilliteratur
2.2.1 Belastungen des Privatlebens
2.2.2 Soziale Isolierung
2.2.3 Politik und Gesellschaft
2.2.4 Weltanschauung
3. Zur Identitätsproblematik in Transit
3.1. Identitätskrise
3.2 Versuche zur Wiedergewinnung von Identität
3.2.1 Persönliche Identität
3.2.1.1 Rezeption
3.2.1.2 Erzählen als Identitätsrettung
3.2.2 Soziale Identität
3.2.2.1 Liebe
3.2.2.2 Freundschaften
3.2.2.3 Flüchtige Begegnungen
3.2.2.4 Solidarische Gemeinschaft
3.2.3 Politisch-gesellschaftliche Identität
3.2.4 Weltanschauliche Identität
4. Fazit
Die Arbeit untersucht, auf welchen Ebenen der Identitätserfahrung im Roman Transit von Anna Seghers der Ich-Erzähler versucht, die mit der Exilsituation verbundene Gefahr des Identitätsverlusts zu überwinden, wobei sie der These nachgeht, dass ihm die Schaffung und Festigung seiner Identität weitgehend gelingt.
3.1. Identitätskrise
Die Erfahrung einer Identitätskrise kann als Auslöser für die Selbstreflexion und Neubildung des eigenen Selbst angesehen werden. Bei der Untersuchung der Identitätsproblematik in Anna Seghers’ Exilroman Transit (1943/44) soll das Hauptaugenmerk vor allem auf den Ich-Erzähler gerichtet werden. Zunächst einmal kann festgehalten werden, dass sich dieser in einer Identitätskrise befindet oder wie er im Zusammenhang mit dem Gefühl des Verlorenseins in der Masse von Flüchtlingen selber formuliert: „Irgend etwas war mir verlorengegangen, so verloren, daß ich nicht einmal mehr genau wußte, was es gewesen war, daß ich es nach und nach nicht einmal mehr richtig vermißte, so gründlich war es verlorengegangen in all dem Durcheinander.“ (S. 41)76 Nicht nur der Identitätsverlust wird hier angedeutet.
Es wird auch der Grund für den Verlust, nämlich das „Durcheinander“, zweifelsohne auf die Situation des Exils zu beziehen, angegeben. Die Krisenhaftigkeit der Identität des Ich-Erzählers ist also nicht aus der persönlichen Verfassung heraus motiviert, sondern auf die äußeren Umstände des Exils, auf die „Schockwirkung der Krisenzeiten und Kriege“77 und auf die Zerstörung vertrauter Lebensgewohnheiten, zurückzuführen. Der zeitgeschichtliche Kontext lässt sich problemlos erschließen: eine Vielzahl deutscher Emigranten flüchtet 1940 vor den Nationalsozialisten aus allen Teilen Frankreichs in das noch unbesetzte Marseille. Dies ist auch der Weg des Erzählers.78 Seine „siebenundzwanzig vertanen, in fremde Länder verschütteten Jahre“ (S. 89), seine andauernde Flucht- und Exilsituation als identitätsbedrohendes Moment findet ihren metaphorischen Ausdruck im Romantitel. So verweist ‚Transit’ neben einem generellen Wechsel von einem Zustand in einen anderen auch auf die durch den Krieg ausgelöste, andauernde ‚transitäre’ Existenzform der Exilierten zwischen verlorenem Leben und erhoffter Rettung, zwischen Flucht und erneuter Flucht.79
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Identitätsproblematik im Exilroman Transit von Anna Seghers ein und legt die methodische Herangehensweise der Arbeit dar.
2. Grundlagen: Hier werden theoretische Konzepte von Identität entwickelt und die spezifische Identitätsproblematik im Exilschriftstellerleben sowie der Exilliteratur dargelegt.
3. Zur Identitätsproblematik in Transit: Dieser Hauptteil analysiert die Identitätskrise des Ich-Erzählers und untersucht detailliert seine Versuche zur Wiedergewinnung von Identität auf vier verschiedenen Ebenen.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt die These, dass dem Ich-Erzähler die Schaffung und Festigung seiner Identität im Romanverlauf weitgehend gelingt und fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.
Anna Seghers, Transit, Exil, Identität, Identitätskrise, Identitätsfindung, Exilliteratur, Identitätstheorie, Erzählen, soziale Identität, persönliche Identität, politisch-gesellschaftliche Identität, weltanschauliche Identität, Flucht, Exilantendasein
Die Arbeit analysiert die Identitätsproblematik in Anna Seghers’ Exilroman Transit und untersucht, wie der Ich-Erzähler trotz der bedrohlichen Exilsituation versucht, seine Identität zu bewahren oder neu zu finden.
Zentrale Themen sind die Identitätskrise im Exil, die Bedeutung des Erzählens für die Selbstfindung, die Rolle sozialer Bindungen und Freundschaften sowie die Möglichkeiten einer politisch-gesellschaftlichen Identitätsbildung.
Die Forschungsfrage lautet: Auf welchen Ebenen der Identitätserfahrung in Transit versucht der Ich-Erzähler, die Gefahr des Identitätsverlusts zu überwinden, und gelingt ihm diese Schaffung und Festigung seiner Identität?
Die Arbeit basiert auf einem sozialpsychologischen Identitätskonzept (orientiert an William James) und differenziert zwischen vier Ebenen: persönliche, soziale, politisch-gesellschaftliche und weltanschauliche Identität.
Der Hauptteil ist in zwei Bereiche gegliedert: Zuerst wird die krisenhafte Erfahrung des drohenden Identitätsverlusts untersucht, anschließend werden ausführlich mögliche Versuche zur Wiedergewinnung von Identität analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Exilliteratur, Identitätskrise, Identitätsfindung, Transit, soziale Identität, Erzählen und Solidarität charakterisiert.
Das Erzählen fungiert als „epische Krisenbewältigung“ und therapeutischer Akt. Es ordnet das Chaos der Exilerlebnisse, ermöglicht eine narrative Selbstverortung und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Schicksalsgemeinschaft der Flüchtlinge.
Er empfindet den bürokratischen Exilapparat als künstlich, absurd und entmenschlichend. Er sieht sich in einem „Dschungel der Bürokratie“ gefangen, der sein Leben auf eine „formale Papierexistenz“ reduziert und den Identitätsverlust weiter vorantreibt.
Die Familie Binnet bietet dem Ich-Erzähler ein Gegenbild zur transitären Existenz. Durch ihre Beständigkeit, gelebte Solidarität und ihre Verwurzelung im Alltag ermöglichen sie ihm erste Schritte zur Entwicklung einer neuen, sozialen Identität.
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