Magisterarbeit, 2003
98 Seiten, Note: 1,5
1 EINLEITUNG
1.1 Makel und Möglichkeiten
1.2 Die Ambiguität der Biographie
1.3 Konzept
2 PARADIGMENWECHSEL IN GESCHLECHTS- UND AUTORKONZEPTION SEIT DEM 18. JAHRHUNDERT
2.1 Öffentlichkeit und privater Raum
2.1.1 Gesellschaftliche Heterogenisierung
2.1.2 Die Relevanz der Kategorie ‚Geschlecht’
2.1.3 Johann Gottfried Herder
2.1.4 Die Frau als Mutter und Muse
2.2 Literarischer Kanon und Geschlechterhierarchie
2.3 Biographie – Konstruktion vs. Repräsentation von Identität
2.4 Biographische Annäherung an die Autorin
2.4.1 Erhebung der ‚Fakten’ in drei Schritten
2.4.2 Vierter Schritt: Die Bewegung der ‚Fakten’
2.5 Biographie und Wissenschaft
2.5.1 Biographie als Lieferant der Geschichtsschreibung
2.5.2 Verhältnis von Geschichte und Biographie zu Mythos und Legende
2.5.3 Die Wirklichkeit der ‚Fakten’ – Zur Relativität von Bedeutung
3 19. JAHRHUNDERT – BIOGRAPHIE ALS RETTUNGSANKER
3.1 Die Kategorie der Größe
3.2 Biographie und Bildungsroman
3.3 Diltheys Biographie-Konzept contra Scherers Positivismus?
3.4 Biographismus – Vorschläge einer Differenzierung
4. 20. JAHRHUNDERT – BIOGRAPHIE ALS GRENZRAUM KONKURRIERENDER ANSPRÜCHE
4.1 Wertung und Wahrheit - Autorisierungsprozesse
4.2 Biographik nach 1920
4.2.1 Biographik der ‚Historischen Belletristik’ und des George-Kreises
4.2.2 Kritik an der zeitgenössischen Biographik
4.3 Biographik nach 1945 – Stagnation und Distanz bis ca. 1970
4.3.1 Fortsetzung des alten historischen Paradigmas
4.3.2 Werkimmanente Methode und New Criticism
4.4 Biographik nach 1970
4.4.1 Sozial- und Alltagsgeschichte
4.4.2 Frauenforschung und Gender Studies
4.5 Verabschiedung und Wiederkehr des Autors – Rückkehr der Biographie?
4.5.1 ‚Die Geburt des Lesers’
4.5.2 Kümmert’s, wer spricht?
4.5.3 Die Interferenz von Leben und Werk
5 DIE VIELEN LEBEN DER MARIELUISE FLEIßER?
5.1 Untersuchungsaspekte
5.2 Sissi Tax (1984) – Feministischer Versuch?
5.2.1 Biographische Konstruktion verhinderter Kreativität
5.2.2 Reduzierung des Stücks – Reduzierung der Autorin
5.2.3 Die Relevanz der Textinterpretation
5.3 Moray McGowan – Leben und „Gesamtwerk“
5.3.1 Welches Werk?
5.3.2 Biographische Konstruktion von Naivität und Theorielosigkeit
5.3.3 Fleißers Werk – „Welt ohne Mütterlichkeit“?
5.3.4 Der Tiefseefisch – Literarische Stilisierung als Fälschung der Wirklichkeit?
5.3.5 Die Relevanz von Strukturanalysen
5.4 Günter Lutz – Im Leben gescheitert, im Schreiben gelebt?
5.4.1 Der schmale Grat des Biographen
5.4.2 Der Tiefseefisch – Flucht vor der Wirklichkeit?
6 BIOGRAPHISCHE (RE-)KONSTRUKTIONEN – AUSBLICK
Die Arbeit untersucht die theoretischen Konzepte, Autormodelle und Identitätsmodelle, die die moderne Biographie seit dem 18. Jahrhundert maßgeblich geprägt haben. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Biographie als Genre zwischen Literatur und Wissenschaft verortet werden kann und inwiefern traditionelle Deutungsmuster – insbesondere unter dem Aspekt der Kategorie ‚Geschlecht’ – die Wahrnehmung und Darstellung von Autorinnen beeinflussen. Anhand von Analysen zu Marieluise Fleißer wird aufgezeigt, wie traditionelle biographische Verfahren die literarische Produktivität von Frauen tendenziell verdecken statt sichtbar machen.
1.1 Makel und Möglichkeiten
Im Schatten der eigenen, außeruniversitären Popularität fristet die Biographie in akademi schen Kreisen ein zerrissenes Dasein. Geringschätzung durch die fachlichen Kreise erfährt, wer als Wissenschaftler Biographien verfasst. Theoreme wie der „Tod des Autors“ und der „Tod des Subjekts“ oder auch das „Ende der Geschichte“ machen den, der Leben und Wirken eines Individuums zu erzählen beabsichtigt, der theoretischen Ignoranz oder Naivi tät sowie des Biographismus verdächtig. Ausnahmen zeigen aber, dass biographisches For schen nicht ins Abseits führen muss. Zur Zeit lässt sich, was im Folgenden nachzuweisen sein wird, im Rückblick auf die vergangenen Jahre gar von einem Trend der wissenschaft lichen Neuaneignung des Genres sprechen. In der theoretischen Auseinandersetzung ist ein frischer Wind zu bemerken. Die Spurensuche in den Geisteswissenschaften macht deutlich, dass die einst als Mangel aufgefasste Schwierigkeit, das Genre einem Fach oder einer Gat tung eindeutig zuzuordnen, als dessen Chance begriffen werden kann.
Die Biographie ist der wissenschaftlichen Beschäftigung wert, weil sie die Kernpunkte lite raturwissenschaftlichen Fragens berührt und ein Spiegel wissenschaftsgeschichtlicher Pro zesse ist. Hans-Martin Kruckis hat nachgewiesen, dass die Biographie, da sie in verschie denen Wissenschaften, in der Kunst und ebenso im populärwissenschaftlichen, journalis tischen und publizistischen Bereich beheimatet ist, „sich eignet, wissenschaftsintern über die eigene Praxis zu reflektieren.“ Ihre Problemzonen offenbaren, gerade weil sich diese an den Eckpfeilern der Wissenschaftlichkeit reiben, die Baupläne des akademischen Regel werks. Die Randlage der Biographie provoziert Auseinandersetzungen darüber, ob Darstel lungen als wissenschaftlich gelten können oder, so sie für nicht wahrheitsfähig befunden werden, anderen Bereichen zuzuordnen sind. In Diskussionen um die Wissenschaftlichkeit, d.h. um den Erkenntnischarakter von Biographien dienen Kategorien wie Objektivität, Authentizität, Fiktionalität und Wirklichkeit als Grenzsteine, an denen über die Legitimität des Genres als wissenschaftliche Darstellungsform entschieden wird.
1 EINLEITUNG: Das Kapitel thematisiert die Randstellung der Biographie in der Wissenschaft und skizziert das theoretische Konzept, das Genre als Brücke zwischen Lebensbeschreibung und Werkanalyse zu untersuchen.
2 PARADIGMENWECHSEL IN GESCHLECHTS- UND AUTORKONZEPTION SEIT DEM 18. JAHRHUNDERT: Hier werden die Ursprünge der modernen Biographie im 18. Jahrhundert analysiert, wobei besonders die Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit sowie die geschlechtsspezifische Polarisierung der Autorkonzeption beleuchtet werden.
3 19. JAHRHUNDERT – BIOGRAPHIE ALS RETTUNGSANKER: Das Kapitel untersucht den Wandel der Biographie zur „Kategorie der Größe“ im 19. Jahrhundert und die Parallelen zwischen biographischen Mustern und dem Bildungsroman.
4. 20. JAHRHUNDERT – BIOGRAPHIE ALS GRENZRAUM KONKURRIERENDER ANSPRÜCHE: Es wird die Entwicklung der Biographik im 20. Jahrhundert nachgezeichnet, geprägt durch Krisenbewusstsein, den Einfluss von Psychoanalyse und New Criticism bis hin zur Wiederkehr der Biographie nach 1970.
5 DIE VIELEN LEBEN DER MARIELUISE FLEIßER?: Im Hauptteil werden exemplarisch drei Biographien über Marieluise Fleißer analysiert, um aufzuzeigen, wie traditionelle Deutungsmuster die Sicht auf die Autorin prägen.
6 BIOGRAPHISCHE (RE-)KONSTRUKTIONEN – AUSBLICK: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit einer reflexiven Biographik, die Konstruktionsprozesse offenlegt.
7 LITERATUR: Umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Biographie, Biographik, Marieluise Fleißer, Autorschaft, Geschlecht, Identitätskonstruktion, Literarischer Kanon, Werkbegriff, Literaturwissenschaft, Gender Studies, Theoriegeschichte, Lebensbeschreibung, biographische Methode, Rezeptionsästhetik, Diskursanalyse
Die Arbeit untersucht das Genre der Biographie als wissenschaftliche Darstellungsform und beleuchtet kritisch, wie die Konstruktion von Identität und die Autorschaft in Biographien verhandelt werden.
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Biographik, die Verknüpfung von Leben und Werk, sowie die Untersuchung, wie genderrelevante Aspekte und Wertungsstrukturen den Zugang zu Autorinnen in Biographien beeinflussen.
Das Ziel ist es, durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Biographieforschung aufzuzeigen, dass herkömmliche Deutungsmuster oft zu einer einseitigen und unzulänglichen Darstellung von Autorinnen führen, und Ansätze für eine differenziertere, selbstreflexive Biographik zu formulieren.
Die Arbeit nutzt Ansätze aus der Diskursanalyse, den Gender Studies und der Dekonstruktion, um die untersuchten Biographien hinsichtlich ihrer Konstruktionsweisen und theoretischen Vorannahmen zu analysieren.
Der Hauptteil widmet sich intensiv der historischen Entwicklung der Biographik vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und führt eine detaillierte Fallstudie an drei Biographien über Marieluise Fleißer durch.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Biographie, Autorschaft, Geschlecht, Identitätskonstruktion und Literaturwissenschaft charakterisieren.
Die Autorin argumentiert, dass gerade durch die kritische Revision traditioneller Autorkonzepte, wie sie mit dem „Tod des Autors“ einherging, eine moderne Wiederbelebung und Neufundierung der wissenschaftlichen Biographie möglich wurde.
Fleißer dient als Beispiel, da in den Biographien über sie die komplizierte Beziehung zwischen Literatur und Leben besonders häufig auf ein reduktives Entsprechungsverhältnis mit selbsttherapeutischer Funktion verkürzt wurde.
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