Wissenschaftlicher Aufsatz, 2002
10 Seiten, Note: keine - gedruckt publ.
1. Was ist in Deutschland ein „literarisches Chanson”?
2. Zusammenfassung
3. Einleitung zur Chanson-Thematik
4. Definition und Abgrenzung des Begriffs
5. Die Rolle der Musik und des Textes
6. Die Technik des „rhythme fondu”
7. Typologie des Chansons
8. Status Quo und Perspektiven des Chansons
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den in Deutschland geläufigen, aber bisher unzureichend definierten Begriff des „literarischen Chansons“ präzise zu bestimmen und von verwandten Gattungen wie dem Schlager, Pop-Song oder Couplet abzugrenzen. Dabei werden die historischen Wurzeln sowie die wesentlichen Merkmale in Bezug auf Vortragstechnik, Musik und Textstruktur analysiert.
Die Technik des „rhythme fondu”
Für ihre intensive melodramatische Rezitation entwickelte Guilbert eine Art rhythmischer Freiheit, die jetzt zum Gemeinplatz des Cabaret-Gesangs geworden ist, in ihrer Zeit aber absolut neu war. Sie nannte diese Technik „rhythme fondu“, was wir als „aufgeweichten“ oder besser „zeitweilig aufgehobenen“ Rhythmus übersetzen können. Dem Ausdruck zuliebe wird das rhythmische Grundschema eines Gedichtes oder Liedes vorübergehend verlassen, indem die Rezitation voraneilt oder sich verlangsamt.
Hier liegt der Hauptgrund dafür, daß ihre Tonaufnahmen noch immer so außerordentlich wirken. Sie selbst beschreibt ihre neue Technik nur äußerst kurz: „Was ist ‚rhythme fondu’? Es war mein Beitrag zur Kunst des Diseurs. Es war meine ‚Entdeckung’ in meinen Anfängen. Seitdem macht es die ganze Welt nach. Diese Entdeckung besteht darin, den musikalischen Rhythmus aufzugeben und ihn mit dem rhythmischen Wort zu ersetzen, je nach der Akzentuierung und den Notwendigkeiten der Texte.”
Wir sollten hinzufügen, daß nur ein musikalischer Vortragskünstler sich diesen Stil leisten kann, ohne „rauszukommen“. Er/sie muss sozusagen auf zwei Ebenen funktionieren: Während er/sie sich im Vortrag zeitweilig vom „musikalischen Rhythmus“ befreit, darf er/sie ihn doch nie „aus dem Ohr verlieren“. Sonst könnte er/sie in entscheidenden Momenten nicht zurückfinden und die Hörer würden das Gefühl haben zu „schwimmen“.
Was ist in Deutschland ein „literarisches Chanson”?: Einleitende Problemstellung zur Begriffsklärung im deutschen Sprachraum.
Zusammenfassung: Kurze Darlegung des Vorhabens, das Chanson von verwandten Genres abzugrenzen.
Einleitung zur Chanson-Thematik: Historischer Rückblick auf die Anfänge der ersten deutschen Kabaretts im Jahr 1901.
Definition und Abgrenzung des Begriffs: Erörterung der Schwierigkeiten bei der Kategorisierung des Begriffs im Vergleich zu französischen und englischen Pendants.
Die Rolle der Musik und des Textes: Analyse des Verhältnisses zwischen literarischer Vorlage und musikalischer Begleitung im Kontext des Vortrags.
Die Technik des „rhythme fondu”: Detaillierte Untersuchung der von Yvette Guilbert entwickelten rhythmischen Rezitationstechnik.
Typologie des Chansons: Vorstellung der vier Hauptgruppen des Chansons, inklusive Ballade, Selbstdarstellung, Reflexion und lyrischem Chanson.
Status Quo und Perspektiven des Chansons: Betrachtung der gegenwärtigen Relevanz des Genres und dessen Entwicklung unter Einflüssen wie dem „Camp“-Stil.
Literarisches Chanson, Kabarett, Rhythme fondu, Yvette Guilbert, Vortragstechnik, Diseur, Kabarettballade, Bühnencouplet, Camp, Interpretation, Musik, Rezitation, Genreabgrenzung, Deutschland, Aufführungspraxis.
Die Arbeit untersucht den Begriff des „literarischen Chansons“ in Deutschland und den Versuch, diesen präzise von ähnlichen Genres zu unterscheiden.
Im Zentrum stehen die Definition des Chansons, die historische Einordnung der Kabarett-Tradition sowie die Analyse von Vortragsstilen und musikalischen Ausdrucksformen.
Das Ziel ist eine begriffliche Klärung und eine systematische Abgrenzung des Chansons gegenüber verwandten Formen wie dem Schlager oder Pop-Song.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus eigenen Vorarbeiten, die Auswertung bekannter Chanson-Anthologien und die Analyse historischer Aufnahmen sowie zeitgenössischer Dokumente.
Der Hauptteil befasst sich mit der Rolle der Musik im Text, der speziellen Technik des „rhythme fondu“ und einer detaillierten Typologie des Chansons in vier Grundgruppen.
Wichtige Begriffe sind literarisches Chanson, Kabarett, Rhythme fondu, Interpretation, Vortragstechnik und Gattungsabgrenzung.
Guilbert beschreibt ihre Kunst als ein kleines, in wenigen Zeilen kondensiertes Drama, bei dem die Stimme wie die Palette eines Malers genutzt wird, um Nuancen und Atmosphären darzustellen.
Das Dirnenlied gilt als ein beliebter Untertyp des Selbstdarstellungschansons, in dem die Figur des „Vamp“ eingeführt wird, was eine spezifische theatralische Haltung und Interaktion mit dem Publikum erfordert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

