Diplomarbeit, 2006
144 Seiten, Note: 1,00
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung
2. Der Islam als Quelle eines Systems der sozialen Sicherung
2.1 Die Entstehung des Koran
2.2 Die soziale Absicherung im Islam
2.2.1 Die Absicherung der Frau
2.2.2 Die Absicherung der Waisen
2.2.3 Erbschaft als Teil der sozialen Sicherung
2.3 Der Zakat als besonderes Element der sozialen Sicherung
2.4 Ein islamischer Modellstaat: soziale Sicherung nach dem Koran
3. Soziale Sicherung in einem armen islamischen Land: das historische Beispiel des Osmanischen Reichs
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Die soziale Absicherung durch den Staat
3.3 Die soziale Absicherung durch Zünfte, Bünde und Stiftungen
3.3.1 Die Zünfte
3.3.2 Die Fütüvvet-Bünde und der Derwischorden
3.3.3 Die frommen Stiftungen
3.4 Die soziale Absicherung durch die Familie
3.5 Die soziale Absicherung durch privatwirtschaftliche Maßnahmen
3.6 Kompatibilität mit dem Islam
4. Soziale Sicherung in einem reichen islamischen Land: das aktuelle Beispiel Saudi Arabien
4.1 Hintergrundinformationen über Saudi-Arabien
4.1.1 Die Entstehung des modernen Saudi-Arabien
4.1.2 Das Herrschaftssystem in Saudi-Arabien
4.1.3 Informationen zur Bevölkerung, Wirtschaft und Religion des Landes
4.2 Die soziale Absicherung auf familiärer Ebene
4.3 Die soziale Absicherung auf religiös-caritativer Ebene
4.4 Die soziale Absicherung durch den Staat
4.4.1 Grundlagen und Gründe der staatlichen Absicherung
4.4.2 Die staatlichen Sozialversicherungen
4.4.2.1 Altersrente, Arbeitsunfähigkeitsrente und Hinterbliebenenrente
4.4.2.2 Berufsunfallversicherung
4.4.2.3 Krankenfürsorge, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bei Mutterschaft, Arbeitslosenversicherung
4.4.2.4 Weitere staatliche Sozialleistungen
4.5 Die soziale Absicherung durch privatwirtschaftliche Maßnahmen
5. Soziale Sicherung in einem islamischen Land mit Trennung von Staat und Kirche: der Fall der modernen Türkei
5.1 Hintergrundinformationen über die Türkei
5.1.1 Die Entstehung der modernen Türkei
5.1.2 Die aktuelle Lage der Türkei
5.2 Die soziale Absicherung auf familiärer Ebene
5.3 Die soziale Absicherung durch Vereine und Stiftungen
5.4 Die soziale Absicherung durch den Staat
5.4.1 Die Verankerung der sozialen Sicherung in der türkischen Verfassung
5.4.2 Die Sozialversicherungsanstalt: Sosyal Sigortalar Kurumu (SSK)
5.4.2.1 Berechtigter Personenkreis, Versicherungsdauer und Beitragsbemessung
5.4.2.2 Kranken- und Mutterschaftsversicherung
5.4.2.3 Altersrente
5.4.2.4 Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente
5.4.2.5 Arbeitsunfall- und Berufskrankheitsversicherung
5.4.3 Die Pensionsversicherungsanstalt: Bag-Kur
5.4.3.1 Anspruchsberechtigter Personenkreis
5.4.3.2 Krankenversicherung
5.4.3.3 Altersrente
5.4.3.4 Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente
5.4.3.5 Kritik und Probleme der Bag-Kur
5.4.4 Die Pensionskasse für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes: Emekli Sandigi
5.4.4.1 Anspruchsberechtigter Personenkreis
5.4.4.2 Altersrente
5.4.4.3 Regelinvaliditäts-, Dienstunfähigkeits- und Kriegsinvalidenrente
5.4.4.4 Hinterbliebenenrente
5.4.4.5 Krankenversicherung
5.4.5 Die Arbeitslosenversicherung
5.4.5.1 Anspruchsberechtigter Personenkreis und Anspruchsvoraussetzungen
5.4.5.2 Leistungen, Bezugsdauer und Finanzierung
5.4.6 Krankenversicherung für Bedürftige: Die Grüne Karte
5.4.7 Probleme und Kritik der staatlichen sozialen Absicherung
5.4.7.1 Generelle Kritik an der Organisation der Sozialversicherungsträger
5.4.7.2 Die Probleme des türkischen Gesundheitssystems
5.4.7.3 Beitragseinbußen durch Schattenwirtschaft und falsche Anmeldung
5.4.8 Reform des Sozialversicherungssystems
5.5 Die soziale Absicherung durch privatwirtschaftliche Maßnahmen
5.5.1 Altersvorsorge
5.5.1.1 Gesetzliche Anforderungen an die privaten Versicherungen
5.5.1.2 Versicherungsfähiger Personenkreis
5.5.1.3 Beiträge und staatliche Förderung
5.5.1.4 Versicherungsleistungen und Leistungsvoraussetzungen
5.5.1.5 Überblick über den Altersvorsorgemarkt
5.5.2 Krankenversicherung
5.6 Beurteilung der Sicherungssysteme und Kompatibilität mit dem Islam
6. Kritische Gesamtbetrachtung
Diese Arbeit untersucht, wie die soziale Sicherung des Individuums im Islam theoretisch geregelt ist und inwiefern diese Regelungen in unterschiedlichen islamisch geprägten Staaten praktisch umgesetzt werden.
2.2.1 Die Absicherung der Frau
Entgegen dem manchmal im Westen vorherrschenden Bild, Frauen hätten im Islam keine Rechte, sind die Rechte der Frau explizit im Koran festgeschrieben. Im Folgenden wird die soziale Absicherung der Frau als Waise, in der Ehe und bei der Scheidung betrachtet. Die Absicherung der Frau im Erbschaftsfalle wird in dem Kapitel „Erbschaft als Teil der sozialen Absicherung“ behandelt.
Die soziale Sicherung von Waisen, wobei in dieser Sure weibliche Waisen gemeint sind, ist in Sure 4,3 geregelt:
Sure 4,3:
Und wenn ihr fürchtet, dass ihr die Waisen nicht gerecht behandelt, dann heiratet, was euch gut dünkt an Frauen [von diesen Waisen], zwei, drei oder vier; doch wenn ihr fürchtet, nicht gerecht zu sein, dann eine, oder eine Sklavin; […] das ist passender, damit ihr nicht Unrecht tut.
Die Interpretation dieser Sure wirft ein paar Probleme auf. Wird aufgrund dieser Sure die Polygynie allgemein erlaubt, oder bezieht sich diese Sure hauptsächlich auf die Waisen, die nach der Schlacht am Uhud in großer Anzahl angefallen waren. Islamische Modernisten haben aufgrund der in dieser Sure gestellten Forderung, alle Frauen gleichmäßig zu behandeln, die Forderung nach der Einehe aufgestellt. Prinzipiell können aber aus dieser Sure mehrere Elemente der sozialen Absicherung geschlossen werden: Um die Versorgung von weiblichen Waisen sicherzustellen, sollen sie geheiratet werden. Allerdings sollen nur so viele Frauen geheiratet werden, wie der Ehemann ihnen gerecht werden kann. Daraus kann abgeleitet werden, dass jede Frau gleich behandelt und gleich versorgt werden soll.
2. Der Islam als Quelle eines Systems der sozialen Sicherung: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen sozialer Sicherung im Islam, insbesondere durch den Koran, und beleuchtet das Zakat-System sowie das islamische Erbrecht.
3. Soziale Sicherung in einem armen islamischen Land: das historische Beispiel des Osmanischen Reichs: Hier wird untersucht, wie soziale Absicherung vor den Reformen durch zivilgesellschaftliche Institutionen wie Stiftungen und Zünfte in einer historisch armen Region organisiert war.
4. Soziale Sicherung in einem reichen islamischen Land: das aktuelle Beispiel Saudi Arabien: Dieses Kapitel beschreibt ein System, das durch staatliche Allverpflegung und Erdölreichtum geprägt ist und analysiert die staatlichen Sozialversicherungsstrukturen.
5. Soziale Sicherung in einem islamischen Land mit Trennung von Staat und Kirche: der Fall der modernen Türkei: Diese Analyse widmet sich einem säkularen Staat und untersucht dessen komplexe, in Anstalten organisierte Sozialversicherungssysteme.
6. Kritische Gesamtbetrachtung: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Unterschiede der sozialen Sicherungssysteme in Abhängigkeit von Reichtum, Staatsform und Religiosität.
Soziale Sicherung, Islam, Koran, Zakat, Osmanisches Reich, Saudi-Arabien, Türkei, Sozialversicherung, Stiftungen, Zünfte, Erbrecht, Scharia, Sozialpolitik, Umverteilung, Versicherungswirtschaft.
Die Arbeit analysiert die Konzepte und Umsetzungen der sozialen Sicherung in der islamischen Welt, von den koranischen Vorgaben bis hin zu modernen staatlichen Systemen.
Zentrale Felder sind das Erbrecht, die Zakat-Abgabe, die Rolle der Familie sowie die Organisation sozialer Sicherung durch den Staat und private Träger.
Es soll geklärt werden, wie der Islam die soziale Absicherung regelt und wie diese Normen in unterschiedlichen politischen Kontexten (historisches Osmanisches Reich, modernes Saudi-Arabien, laizistische Türkei) zur Anwendung kommen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die historische und aktuelle Quellen zum islamischen Recht und den Sozialsystemen der betrachteten Länder vergleichend auswertet.
Der Hauptteil ist in drei Länderbeispiele unterteilt: das Osmanische Reich als historisches Beispiel, Saudi-Arabien als moderner reicher Staat und die Türkei als moderner laizistischer Staat.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sozialstaatlichkeit, islamische Wirtschaftsordnung, Stiftungsrecht, Sozialversicherungsträger und interkulturelle Vergleiche geprägt.
In allen drei Ländern wird die Familie als wichtiges soziales Netzwerk beschrieben, wobei ihre Rolle durch staatliche Maßnahmen (wie in Saudi-Arabien) oder soziale Veränderungen (wie in der Türkei) variiert.
Während Saudi-Arabien ein staatlich finanziertes Allumfassungsmodell (oft verdeckt durch Subventionen) verfolgt, hat die Türkei komplexe, bürokratisch organisierte Sozialversicherungsträger, die sich teilweise an westlichen Vorbildern orientieren.
Versicherungen, insbesondere solche mit Kapitaldeckungsverfahren oder Zinsanteilen, sind im strengen islamischen Rechtsverständnis oft problematisch und werden teils abgelehnt, was in den untersuchten Ländern zu unterschiedlichen pragmatischen Lösungen geführt hat.
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