Forschungsarbeit, 2006
45 Seiten, Note: 1,0
I.) Einleitung
II.) Begriffsbestimmung und Forschungsstand
III.) Historische und theoretische Überlegungen
a. Ehe, Liebe und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
b. Bildungsexpansion und „neue Autonomie“ der Frau
c. Theoretisches Modell
IV.) Die Datengrundlage: Der Familiensurvey
V.) Datenanalyse
a. Verteilung partnerschaftlicher Lebensformen
b. Partnerschaften in kalenderzeitlicher Entwicklung
c. Partnerschaften mit getrennten Haushalten
d. Frauen in Partnerschaften mit getrennten Haushalten
VI.) Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht die Partnerschaft mit getrennten Haushalten als alternative Lebensform für berufstätige Frauen in der modernen Gesellschaft. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob diese Lebensform ein tragfähiges Idealmodell zur Vereinbarkeit von individueller Autonomie, beruflicher Mobilität und Paarbeziehung darstellt oder eher als eine durch arbeitsmarktbedingte oder soziale Zwänge entstandene Notlösung zu bewerten ist.
I. Einleitung
Wer kennt sie nicht, die unglückliche Liebesgeschichte von Romeo und Julia aus dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare. Ihre Liebe ist von einer derartigen Intensität, dass sie sich weder von Feindschaft noch Familienfehde aufhalten lässt und sogar den Tod nicht scheut.
Was aber wäre aus dem berühmtesten Liebespaar der Welt geworden, wenn sie nicht gestorben wären? Was, wenn sie ihre Ehe hätten leben können – jeden Tag und bis in alle Ewigkeit? Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim malen ein düsteres Bild: „Die Köstlichkeit, die Symbolkraft, das Verführerische, erlösende der Liebe wächst mit ihrer Unmöglichkeit. [...] Im Binnenverhältnis von Männern und Frauen dagegen verkehrt die Haushaltsgemeinschaft der Gegensätze alles ins Persönlich-Ätzende.“1 Armer Romeo, arme Julia.
Ein Lösungsmodell, das u.a. von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gelebt wurde, war die Partnerschaft mit getrennten Haushalten, in der sie die angenehmen Seiten ihrer Partnerschaft genießen konnten ohne dabei ihre unangenehmen Seiten ertragen zu müssen. Doch bis in die 70er Jahre hinein wurde diese Form der Partnerschaft moralisch geahndet. Erst seitdem die Ehe ihre Monopolstellung als Partnerschaftsform verloren hatte und Alternativformen als „normal“ angesehen wurden, nahm die Partnerschaft mit getrennten Haushalten in der Diskussion um die Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen eine besondere Stellung als mögliches Zukunftsmodell unter den alternativen Lebensformen ein. Sie „entlehnt ihre Werte dem romantischen Liebesideal“2, und erlaubt es, „das Bedürfnis nach persönlicher Autonomie und Selbstentfaltung mit dem Bedürfnis nach emotionaler Erfüllung und Absicherung in einer festen Paarbeziehung zu vereinbaren, ohne die emotionalen Beziehungen übermäßig zu strapazieren“.
I.) Einleitung: Hinführung zur Thematik des Wandels von Lebensformen und die Positionierung der Partnerschaft mit getrennten Haushalten als potenzielles Zukunftsmodell im Kontext der Individualisierung.
II.) Begriffsbestimmung und Forschungsstand: Erläuterung verschiedener Definitionsansätze, insbesondere unter Bezugnahme auf das Konzept des „living apart together“ und dessen Einordnung in die (Post-)Moderne.
III.) Historische und theoretische Überlegungen: Analyse des geschichtlichen Wandels der Ehe, der Rolle der Frau und Entwicklung eines theoretischen Modells zur Wahl von Partnerschaftsformen.
IV.) Die Datengrundlage: Der Familiensurvey: Beschreibung der methodischen Basis der Untersuchung, insbesondere der dritten Welle des Familiensurveys aus dem Jahr 2000.
V.) Datenanalyse: Präsentation der empirischen Ergebnisse mittels Häufigkeitsauszählungen, Mittelwertvergleichen und einer logistischen Regression zu den Merkmalen von Frauen in getrennten Partnerschaften.
VI.) Diskussion: Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf den Individualisierungsprozess und die Frage, ob die Partnerschaft mit getrennten Haushalten ein Idealmodell oder eine Notlösung darstellt.
Partnerschaft mit getrennten Haushalten, Familiensurvey, Individualisierung, Berufstätige Frau, Lebensform, Vereinbarkeit, Autonomie, Paarbeziehung, Geschlechterrollen, Arbeitsmarkt, Modernisierung, Haushaltsgemeinschaft, Lebensstile, Soziodemographie, Empirische Sozialforschung
Die Arbeit analysiert die Partnerschaft mit getrennten Haushalten als eine spezifische Lebensform im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und der Individualisierung.
Die zentralen Themen umfassen den Wandel von Familienformen, den Einfluss von Bildung und Erwerbstätigkeit auf die Lebensgestaltung von Frauen sowie die Spannung zwischen Autonomie und Paarbindung.
Ziel ist es herauszufinden, ob die Lebensform der getrennten Haushalte als selbstgewähltes Idealmodell für moderne, berufstätige Frauen fungiert oder als Kompromiss bzw. Notlösung aufgrund äußerer Anforderungen verstanden werden muss.
Es handelt sich um eine empirische Untersuchung auf Basis der Daten des Familiensurveys 2000, bei der unter anderem Häufigkeitsauszählungen, Mittelwertvergleiche und eine logistische Regression zur Anwendung kommen.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Hintergründe, die Datengrundlage und eine detaillierte Datenanalyse, die nach soziodemographischen Merkmalen wie Bildung, Alter und Einkommen differenziert.
Begriffe wie „individualisierte Partnerschaft“, „Doppelbelastung“, „Autonomie“ und „Vereinbarkeit von Kind und Karriere“ sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Die Analyse identifiziert die gebildete, erwerbstätige, kinderlose und unverheiratete Städterin als das Profil, das mit der höchsten Wahrscheinlichkeit in dieser Partnerschaftsform lebt.
Aufgrund der unterschiedlichen historischen Bedingungen bezüglich Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit von Müttern in der ehemaligen DDR und der BRD ist eine methodische Vergleichbarkeit in den Analysen oft nicht gegeben, weshalb die Berechnungen teilweise auf Westdeutschland beschränkt wurden.
Ja, die Analyse zeigt signifikante Unterschiede im Nettoeinkommen auf, wobei berufstätige Frauen in unabhängigeren Beziehungsformen tendenziell ein höheres Einkommen erzielen als verheiratete Frauen.
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