Magisterarbeit, 2007
116 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
A. Repräsentation und Symbol – theoretische Grundlagen
1. Der Begriff der Repräsentation
1.1 Repräsentation als Willensbeziehung
1.2 Repräsentation als Symbolbeziehung
2. Das Konzept der Symbolischen Politik – Symbole als Mittel politischer Inszenierung und Manipulation
3. Der Begriff des Symbols
4. Architektur als Bedeutungsträger: Das architektonische Zeichen nach Umberto Eco
B. Die Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland und ihre symbolische Bedeutung
I. Voraussetzungen
1. Transparenz und Öffentlichkeit in der deutschen Parlamentsarchitektur
2. Zur Problematik der Identifizierung einer genuin nationalsozialistischen Architektur
3. Die bundesrepublikanische Parlamentsarchitektur als Gegenbau zur nationalsozialistischen Vergangenheit
4. Zur Regierungsarchitektur der DDR
5. Zwischenfazit
II. Transparentes Bauen: Ausgewählte Bauwerke und die Herkunft der Glassymbolik
1. Der Bonner Kanzlerbungalow
2. Bundesdeutsche Glasarchitektur in der internationalen Öffentlichkeit
2.1 Die Brüsseler Weltausstellungspavillons
2.2 Die Münchner Olympiabauten
3. Der Zusammenhang von Glas, Transparenz und Demokratie
3.1 Das Öffentlichkeitsprinzip und die Symbolik des Öffentlichen
3.2 Die symbolische Bedeutung von Glas
3.3 Die Kritik an der symbolischen Verknüpfung von transparentem Bauen und politischer Transparenz
III. Offene Architektur und öffentliche Debatten – Transparente Parlamentsarchitektur als demokratische Symbolik
1. Der erste Plenarsaal der Bundesrepublik Deutschland – Der Umbau der Pädagogischen Akademie durch Hans Schwippert
2. Der Plenarsaal von Günther Behnisch
3. Das Reichstagsgebäude nach dem Umbau durch Lord Norman Foster
Die Demokratie im Glashaus – die ungebrochene Tradition eines zerbrechlichen Baustoffes (Schlussbetrachtung)
Die Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung der Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern die bevorzugte transparente Glasarchitektur als Ausdruck für demokratische Werte und als bewusste architektonische Abgrenzung gegenüber totalitären Systemen dient.
4. Architektur als Bedeutungsträger: Das architektonische Zeichen nach Umberto Eco
Der Überschuss des Symbols an Sinngehalt gegenüber dem gewöhnlichen Zeichen ist eine wichtige Grundlage, um die Symbolik der Parlamentsarchitektur zu untersuchen. Die Analyse soll sich hierbei an der semiotischen Theorie Umberto Ecos zum architektonischen Zeichen orientieren. Bei Eco besteht auch das architektonische Zeichen aus der kulturell codierten Zuordnung eines Ausdrucks zu einem Inhalt. Der Ausdruck ist dabei das Gebäude oder der architektonische Gegenstand selbst, während der Inhalt dessen Funktion im Sinne einer Nutzungs- oder Gebrauchsfunktion ist. So ist das architektonische Zeichen „Haus“ beispielsweise mit der Funktion „Möglichkeit des Wohnens“ korreliert oder das architektonische Zeichen „Tür“ mit der Funktion „Möglichkeit des Zugangs“.
Die Zuordnung von Zeichenausdruck und Inhalt, also von architektonischem Objekt und Nutzungsfunktion trifft natürlich auch dann zu, wenn von der praktischen Funktion des architektonischen Gegenstandes de facto gar kein Gebrauch gemacht wird oder gemacht werden kann. Auf diese Weise ist es etwa möglich, dass ein Architekt lediglich angedeutete Fenster konstruiert, deren Funktion realiter nicht existiert, die aber dennoch als Fenster im architektonischen Kontext funktionieren und als solche erfahren werden. Es kann also eine Gebrauchsfunktion mitgeteilt werden, ohne diese auch tatsächlich möglich zu machen, der kommunikative Wert des architektonischen Gegenstandes bleibt trotzdem erhalten: „Das heißt: das, was mir den Gebrauch der Architektur erlaubt […], sind nicht nur die möglichen Funktionen, sondern vor allem die damit verbundenen Bedeutungen, die mich für den funktionalen Gebrauch disponieren. Auch wenn es sich um Formen von trompe l´œil handelt, bin ich für den Gebrauch disponiert, auch wenn die Funktion gar nicht möglich ist.“
Dass ein architektonisches Zeichen also immer seine erste Funktion mitteilt, selbst wenn davon faktisch kein Gebrauch gemacht wird bzw. gemacht werden kann, wird insbesondere im Hinblick auf die Analyse des symbolischen Gehalts von Glas als demokratischem Baumaterial eine wichtige Rolle spielen. Auch in diesem Kontext wird zu zeigen sein, dass Glas im architektonischen Kontext auf Grund seiner physischen Beschaffenheit stets die Funktion des „Hindurchblickens“ denotiert, selbst wenn diese Nutzfunktion nicht tatsächlich zur Anwendung kommt.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und begründet die Notwendigkeit, staatliche Symbolik politikwissenschaftlich zu untersuchen, um deren stabilisierende Funktion für die Demokratie aufzuzeigen.
A. Repräsentation und Symbol – theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe der Repräsentation und des Symbols sowie die semiotische Theorie nach Umberto Eco, um ein Analyseinstrumentarium für die Architektur bereitzustellen.
B. Die Parlamentsarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland und ihre symbolische Bedeutung: Dieser Teil widmet sich der konkreten Analyse der deutschen Parlamentsbauten, wobei die bewusste Abgrenzung zur nationalsozialistischen Architektur und die ständige Konkurrenz mit der DDR als zentrale Motive identifiziert werden.
Die Demokratie im Glashaus – die ungebrochene Tradition eines zerbrechlichen Baustoffes (Schlussbetrachtung): Das Fazit resümiert die identifizierte architektonische Tradition der Transparenz und bekräftigt die Bedeutung der Symbolik für die demokratische Selbstvergewisserung.
Parlamentsarchitektur, Bundesrepublik Deutschland, Symbolik, Repräsentation, Transparenz, Glasarchitektur, Demokratie, Staatliche Selbstdarstellung, Architektursemiotik, Umberto Eco, Hans Schwippert, Günther Behnisch, Reichstag, Politische Symbolik, Gegenbau.
Die Arbeit analysiert, welche symbolische Bedeutung staatliche Bauten, insbesondere Parlamentsgebäude, in der Bundesrepublik Deutschland haben und wie sie demokratische Werte kommunizieren.
Die zentralen Felder sind die Politikwissenschaft, Architekturtheorie, Semiotik (Zeichenlehre) sowie die deutsche Zeitgeschichte und die politische Kultur der Bundesrepublik.
Das Ziel ist der Nachweis, dass staatliche Symbolik keine "reine Symbolpolitik" zur Manipulation ist, sondern eine notwendige, stabilisierende Funktion für das demokratische System erfüllt.
Die Autorin wendet eine hermeneutische Analyse an, die sowohl Literaturquellen interpretiert als auch eine architektursemiotische Untersuchung (nach Umberto Eco) der betrachteten Gebäude durchführt.
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese der transparenten Glasarchitektur in der Bundesrepublik, den Einflüssen der Zeitgeschichte (Abgrenzung zum NS-Regime und Konkurrenz zur DDR) sowie der Analyse spezifischer Schlüsselbauten wie dem Kanzlerbungalow und den Plenarsälen in Bonn und Berlin.
Die wichtigsten Schlagworte sind Transparenz, Symbolische Repräsentation, Demokratisches Bauen, Architektursemiotik und die Auseinandersetzung mit historisch belasteter Architektur.
Der Kanzlerbungalow dient als Beispiel für die Anwendung des "Internationalen Stils" und der modernen Transparenz-Symbolik in einem staatlichen Repräsentationsprojekt, das sich demonstrativ von monumentaler NS-Architektur absetzt.
Er dient als Vergleichsobjekt, um die "Konkurrenz der Systeme" in der Architekturgeschichte zu beleuchten und aufzuzeigen, wie auch im Osten die Architektur als Mittel zur symbolischen Identitätsstiftung genutzt wurde.
Die Autorin sieht darin eine gelungene Fortführung der transparenten Tradition der Bundesrepublik, die den historischen Bestand (Altbau) mit modernen Elementen (Kuppel) zu einer "Symbiose von Neuanfang und historischem Vermächtnis" verbindet.
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