Bachelorarbeit, 2007
48 Seiten, Note: 1,9
1 Einleitung
2 Zeitgeschichtlicher Kontext: Zur Entstehung des Romans
2.1 Neue Sachlichkeit
2.2 Rahmenbedingungen und geistige Situation am Ende der Zwanziger Jahre
2.3 Kästner in den Krisenjahren der Weimarer Republik
2.4 Unverbesserlicher Pessimist mit Neigung zur Hoffnung
3 Moral und Unmoral in allen Bereichen
3.1 Kästner in der Tradition der europäischen Moralisten
3.2 Dr. Jakob Fabian - Moralist, Melancholiker, Nichtschwimmer
3.2.1 Ein ungleicher Freund gibt auf
3.2.2 Liebesmoral und Liebesbeziehungen
3.2.3 Wenig Aussicht auf dem Arbeitsmarkt
3.2.4 Verschiedene Politikauffassungen
3.2.5 Elemente einer unmoralischen Gesellschaft: Medien, Technik und Wissenschaft
3.2.6 Fabians Ende
4 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Moral und Unmoral in Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Krisen der Weimarer Republik. Dabei wird analysiert, wie der Protagonist als moralische Instanz in einer als korrupt und orientierungslos wahrgenommenen Großstadtgesellschaft agiert und an welchen sozialen Rahmenbedingungen sein Streben nach Anstand scheitert.
3.2.5 Elemente einer unmoralischen Gesellschaft: Medien, Technik und Wissenschaft
Kästner übt im Fabian besonders an Zeitung, Werbung und moderner Technik heftige Kritik und belegt seinen Roman so mit einem wichtigen Merkmal der Neuen Sachlichkeit. Interessanterweise sind die einzelnen Kapitel im Roman mit Titeln versehen, die Zeitungsüberschriften sehr ähneln.
Kästner kritisiert jene Branche, in der er selbst einmal seine Karriere begonnen hat. Die Zeitung spielt eine große Rolle im Leben Fabians. Aus ihr erfährt er wichtige Neuigkeiten, er hat Kontakt zu Redakteuren und versucht bei Zeitungen unterzukommen. Kästner zeichnet ein negatives Bild von der Presse, die nicht nur den Sittenverfall der Gesellschaft widerspiegelt, sondern ihn sogar beschleunigt. Es werden Nachrichten gefälscht, Meinungen beeinflusst und so die Objektivität des journalistischen Gewerbes in Frage gestellt. Bereits zu Romanbeginn liest Fabian die Sensationsüberschriften seiner Zeitung:
Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, Neunjähriges Mädchen aus dem Fenster gesprungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl, Der Mord im Lainzer Tiergarten, Skandal im Städtischen Beschaffungsamt [...]Das tägliche Pensum. Nichts Besonderes.95
Die Aneinanderreihung der Überschriften zeigt, dass sie nicht aufgrund ihrer Bedeutung für die Öffentlichkeit ausgesucht werden, sondern durch ihren Sensationscharakter die Auflage steigern sollen. Bei Fabian, und sicher nicht nur bei ihm, führt die Quantität des Negativen unweigerlich zur Abstumpfung. Tragische Ereignisse bewegen ihn nicht mehr.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt Erich Kästner als zeitkritischen Autor vor und erläutert die thematische Fokussierung der Arbeit auf das moralische Scheitern des Individuums in der Weimarer Republik.
2 Zeitgeschichtlicher Kontext: Zur Entstehung des Romans: Dieses Kapitel verortet das Werk in der Neuen Sachlichkeit und beleuchtet die prekären politischen und wirtschaftlichen Bedingungen sowie Kästners biographische Prägung.
3 Moral und Unmoral in allen Bereichen: Der Hauptteil analysiert die moralische Haltung der Hauptfigur Fabian, vergleicht sie mit der Tradition der Moralisten und untersucht verschiedene gesellschaftliche Subthemen wie Arbeit, Politik und Medien.
4 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung reflektiert die zeitgenössische und wissenschaftliche Rezeption des Romans und unterstreicht die bleibende Relevanz von Kästners Gesellschaftskritik.
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Die Arbeit befasst sich mit Erich Kästners Roman „Fabian“ und der Frage, wie der Autor das Verhältnis zwischen moralischem Anspruch und einer durch wirtschaftliche sowie politische Instabilität geprägten Gesellschaft thematisiert.
Die zentralen Felder sind die soziale Desintegration während der Weimarer Zeit, der Wandel der Geschlechterrollen, die Kritik an den Medien sowie der Verlust traditioneller bürgerlicher Werte.
Ziel ist es zu zeigen, dass Kästner den Roman als „negatives Beispiel“ nutzt, um Leser zur moralischen Verantwortung aufzurufen, indem er die zerstörerischen Kräfte des ungezügelten Kapitalismus entlarvt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Basis biographischer Informationen, zeitgeschichtlicher Fakten und literaturtheoretischer Konzepte wie der Neuen Sachlichkeit interpretiert.
Im Hauptteil werden die Figur des Jakob Fabian, seine Interaktionen mit anderen Charakteren (z.B. Labude) und der Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das zwischenmenschliche Handeln detailliert untersucht.
Die wichtigsten Begriffe sind Moral, Unmoral, systembedingte Krise, Großstadtsatire, gesellschaftlicher Verfall und die moralische Position des Autors.
Kästners Erfahrungen im Militär, seine eigene Perspektive als kritischer Beobachter Berlins und seine pazifistische Grundhaltung fließen maßgeblich in die resignative Weltsicht des Protagonisten Fabian ein.
Fabians Passivität dient Kästner als Mittel, um die Lähmung des Intellektuellen in einer als aussichtslos empfundenen gesellschaftlichen Situation darzustellen, in der das aktive Handeln wirkungslos verpufft.
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