Magisterarbeit, 2006
140 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Forschungsliteratur
I. Lilie und Halbmond
1.1 Herausbildung der französisch-osmanischen Freundschaft
1.1.1 Franz I. und Süleyman
1.1.2 Fortführung der Allianz unter Heinrich II.
1.1.3 Reaktion der Öffentlichkeit
1.1.4 Die französisch-osmanische Allianz – „une source de bonheur“?
1.2 Gabriel d’Aramon – französischer Botschafter an der Pforte und sein Gefolge
1.2.1 Kurzbiographie der Reisenden
Gabriel d’Aramon
Pierre Belon
Jean Chesneau
Jacques Gassot
Pierre Gilles
Nicolas de Nicolay
Guillaume Postel
André Thevet
1.2.2 1547-1553: Die Tour de Levant
1.3 Der Corpus Aramontin
II. Epistemologie in den französischen Reiseberichten
2.1 Der Reisebericht – Entwicklung einer Gattung und ihre Definitionsproblematik
2.2 Reiseliteratur und ihr Wahrheitsgehalt – das Prinzip der Autopsie
2.3 Alterität und ihre Wahrnehmung
2.4 Eigenes und Fremdes
2.5 Die Neugierde
2.6 Auf den Spuren der Antike
2.7 Strukturierung der Reiseberichte
2.8 Die Reiseberichte im Corpus Aramontin
III. Corpus Aramontin
3.1 Der Staat
3.1.1 Geschichte und Herkunft
3.1.2 Der Staatsapparat
Konstantinopel – Residenz des Sultans
Der Staatsapparat
Der Diwan
Die Justiz
Der Harem
3.1.3 Das Heer
Die Knabenlese
3.2 Die Religion
3.2.1 Der Islam
3.2.2 Die Gebetshäuser
3.2.3 „Des quatre diverses religions des Turcs“
3.2.4 Religiöse Toleranz
3.3 Sitten und Gebräuche
3.3.1 Das Wesen der Türken
3.3.2 Das alltägliche Leben – das antike Erbe
Die türkische Frau
Der Ehestand
Das Hammam
3.3.3 Die Sklavenhaltung
3.4 Das Türkenbild im Corpus Aramontin
Schluss
Die Arbeit untersucht das französische Türkenbild im 16. Jahrhundert anhand von sieben Reiseberichten, die im Umfeld der diplomatischen Missionen von Gabriel d’Aramon zwischen 1547 und 1553 entstanden sind. Das zentrale Ziel ist es, die unterschiedlichen Einflüsse, Wahrnehmungsformen und Darstellungen des "Anderen" herauszuarbeiten und zu analysieren, wie politische Rahmenbedingungen sowie humanistische Ideale das Türkenbild in einer Zeit der französisch-osmanischen Allianz prägten.
Die Perhorreszierung des Türken ist ein Reflex der europäischen Furcht vor einer bis dahin unbekannten Macht, die nicht abgewehrt werden kann. Diese Furcht äussert sich dann auch durch die unbewusste Übertreibung der Grausamkeit des Feindes.
Während im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die Türkengefahr als ein Bedrohungsfaktor in allen gesellschaftlichen Ständen benutzt und instrumentalisiert wird, um damit die Bereitschaft zur Zahlung von Steuern sowie den Gehorsam und das Vertrauen in die Obrigkeit zu fördern und letztlich die Stabilisierung der bestehenden politisch-sozialen Ordnung zu erreichen, ist dies in Frankreich wegen der Kooperation der Krone mit dem Osmanischen Reich nicht möglich und nicht nötig wegen der fehlenden territorialen Bedrohung. Daher gibt es in Frankreich keine gezielte Förderung eines osmanischen Feindbildes durch die Obrigkeit und somit ist der Begriff einer ménace turque in der französischen Forschungsliteratur kaum vorhanden.
Da sich diese Arbeit auf das Türkenbild in Frankreich bezieht und dort die Türkengefahr nicht instrumentalisiert wird – abgesehen von den Kreuzzugsappellen, Türkenpredigten und Prozessionen zu Beginn der Herrschaft Franz’ I. (1515-1547) – kann im französischen Kontext nur von Türkengefahr gesprochen werden, wenn man sie als eine gefühlte Bedrohung – Türkenfurcht – definiert, die aus einer nicht-christlichen expandierenden Übermacht resultiert, jedoch keine reelle territoriale Bedrohung darstellt.
Somit bestimmen drei Faktoren das Türkenbild: die expandierende und siegreiche Übermacht, der religiöse Gegensatz und das kulturelle Unverständnis sowie Unkenntnis.
Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Situation der französisch-osmanischen Allianz ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des Türkenbildes in der zeitgenössischen Reiseliteratur.
I. Lilie und Halbmond: Dieses Kapitel analysiert die politischen Rahmenbedingungen der Allianz zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich sowie die Kurzbiographien der involvierten Reisenden im Kontext der diplomatischen Mission.
II. Epistemologie in den französischen Reiseberichten: Es wird die Entwicklung der Gattung Reisebericht, das Prinzip der Autopsie und die theoretischen Grundlagen der Fremdwahrnehmung und Alterität im 16. Jahrhundert diskutiert.
III. Corpus Aramontin: Das Hauptkapitel untersucht das Türkenbild anhand spezifischer Themenfelder wie Staat, Religion sowie Sitten und Gebräuche und beleuchtet die Rolle der Reisenden als privilegierte Zeugen.
Schluss: Die Arbeit resümiert, dass das Türkenbild im Corpus Aramontin ambivalent bleibt und primär als Spiegel für französische politische Ambitionen und als didaktisches Instrument für die christliche Gesellschaft fungiert.
Französisch-osmanische Allianz, Reiseberichte, Türkenbild, Alterität, Corpus Aramontin, Gabriel d’Aramon, Renaissance-Humanismus, Wissensvermittlung, Osmanisches Reich, Religionswahrnehmung, Diplomatie, Reisende, Epistemologie, Autopsie, Türkengefahr
Die Arbeit analysiert das Bild des "Türken" in französischen Reiseberichten des 16. Jahrhunderts, die im Umfeld der diplomatischen Gesandtschaft von Gabriel d'Aramon entstanden sind.
Die Arbeit behandelt die politischen Hintergründe der Allianz, die Wahrnehmung von Fremdheit (Alterität), sowie die Darstellung osmanischer Staatlichkeit, Religion und Sitten.
Ziel ist es, die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen und Darstellungen der Osmanen durch die französischen Reisenden herauszuarbeiten und zu ergründen, wie diese das politische Denken und die französische Identität widerspiegeln.
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung historischer Quellen, die literaturwissenschaftliche Methoden zur Gattungsanalyse und kulturwissenschaftliche Ansätze zur Fremdwahrnehmung kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des politischen Rahmens, die theoretische Auseinandersetzung mit der Reiseliteratur (Epistemologie) sowie die inhaltliche Analyse der Reiseberichte hinsichtlich Staat, Religion und Lebensweise.
Zentrale Begriffe sind neben "Corpus Aramontin" und "Türkenbild" auch "Allianz", "Diplomatie", "Alterität", "Humanismus" und "Reisebericht".
Als französischer Botschafter an der Pforte fungierte d'Aramon als Schirmherr und Vermittler, dessen Mission den materiellen und politischen Rahmen für die französischen Reisenden und ihre Berichte erst ermöglichte.
Die Knabenlese (Devschirme) wird von den Reisenden ambivalent betrachtet: Einerseits als barbarischer Akt der Sklavenhaltung kritisiert, andererseits als zentrales Instrument osmanischer Macht und Aufstiegsmöglichkeit gewürdigt.
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