Diplomarbeit, 2007
140 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik und Fragestellung
1.2. Definition zentraler Begriffe
1.2.1. Konzepte der Nähe
1.2.2. Soziales Kapital
1.2.3. Netzwerk
2. Public Affairs Agenturen in der Geographie
2.1. Der Begriff KIBS
2.2. Einordnung von Public Affairs Agenturen in den KIBS-Bereich
2.2.1. Der Begriff Public Affairs Agentur
2.2.2. Typen von Public Affairs Agenturen
2.2.3. Strategien von Public Affairs Agenturen
2.2.4. Historische Entstehung von Public Affairs Agenturen
2.3. Raummuster von KIBS
2.3.1. Erklärungsansätze auf makroanalytischer Ebene
2.3.2. Erklärungsansätze auf mikroanalytischer Ebene
2.3.2.1. Der Faktor Wissen in Netzwerkansätzen
2.3.2.2. Ansätze zum Transfer von Wissen
2.4. Abhängigkeit gegenüber Interaktionspartnern
2.4.1. Interaktionen zwischen Public Affairs Agenturen und der Regierung
2.4.2. Institutionelle Unsicherheit
2.4.3. Transaktionsunsicherheit
2.5. Das Konzept Soziales Kapital
2.5.1. Institutionen der Alltagspraxis
2.5.2. Vertrauen
2.5.3. Reputation
3. Methodik der empirischen Untersuchung
3.1. Das Untersuchungsziel
3.2. Das Untersuchungsgebiet
3.3. Grundgesamtheit
3.4. Datensammlung
3.5. Methodisches Konzept der empirischen Arbeit
3.5.1. Qualitative Erhebungstechnik
3.5.2. Quantitative Erhebungstechnik
4. Die Struktur des PA-Sektors und der Faktor räumlicher Nähe
4.1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Untersuchungsgebietes
4.2. Der deutsche Public-Affairs-Markt
4.2.1. Struktur des deutschen Public-Affairs-Marktes
4.2.2. Räumliche Verteilung in Deutschland
4.3. Der Berliner Public-Affairs-Markt
4.3.1. Struktur des Berliner Public-Affairs-Marktes
4.3.2. Räumliche Verteilung in Berlin
4.4. Der externe Wissensbedarf von PA-Agenturen
4.4.1. Quantität und Qualität von Quellen
4.4.2. Persönliche Informationspartner
4.5. Mechanismen der Informationserschließung
4.5.1. Vertrauen zur Gewinnung von Informationspartnern
4.5.1.1. Merkmale der Vertrauensbeziehungen
4.5.1.2. Folgen der Vertrauensbeziehungen
4.5.2. Ausbreitung von Vertrauen
4.5.2.1. Netzwerkreputation
4.5.2.2. Öffentliche Reputation
4.5.2.3. Zugang durch Konventionen und Regeln
4.5.2.4. Tendenzen in den Zugangsmechanismen zu Informationspartnern
4.6. Räumliche Nähe und Informationsbeschaffung
4.6.1. Kommunikationsmittel der Austauschbeziehungen
4.6.2. Herkunft der Informationspartner
4.7. Räumliche Nähe und Soziales Kapital
4.7.1. Räumliche Nähe und persönliche Beziehungen
4.7.1.1. Räumliche Nähe und persönliches Vertrauen
4.7.1.2. Netzwerke
4.7.1.3. Markteintritt und etablierte Stellung am Markt
4.7.1.4. Räumliche Nähe vs. internationale Reichweite
4.7.5. Räumliche Nähe und Konventionen und Regeln
4.7.6. Weitere vertrauensfördernde Faktoren
4.8. Kleinräumige Wirkung räumlicher Nähe
5. Bewertung der Ergebnisse
5.1. Auswertung der Thesen
5.2. Empirische Schlussfolgerungen
5.3. Theoretische Schlussfolgerungen
5.4. Forschungsperspektiven
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der räumlichen Nähe als Erfolgsfaktor für Public Affairs Agenturen, die als wissensintensive unternehmensorientierte Dienstleister (KIBS) agieren. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie die Ansiedlung von PA-Agenturen in Berlin – in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Regierung – die Qualität ihrer Dienstleistungen durch einen erleichterten Wissenstransfer und den Aufbau von Sozialem Kapital beeinflusst.
2.2.1. Der Begriff Public Affairs Agentur
Gemeinsam ist den Definitionen, dass sie die politischen Dienstleistungsunternehmen dem unternehmensorientierten Bereich zuordnen. Die Definition nach Althaus (vgl. 2005b, S.2), dass PA auf hoher Kompetenz beruht, weist PA den KIBS zu. Da sie ihre Kunden in politstrategischen Fragen beraten, lassen sich PA-Agenturen von anderen KIBS und technischen und betriebswirtschaftlichen Beratungsunternehmen abgrenzen. Die Definition reicht als Arbeitsgrundlage aber nicht aus, da sich innerhalb der PA-Branche sehr heterogene Anbieter tummeln. Im Folgenden wird eine Arbeitsdefinition anhand der Tätigkeiten aufgestellt.
PA-Agenturen agieren vor allem als Vertreter von Interessen, direkt durch Lobbying bei der Regierung oder indirekt über Meinungsbildner (vgl. Althaus 2005a, S.262). Der Begriff Lobbying ist nach Speth (vgl. 2004, S.28) allerdings negativ besetzt und wird von den ausübenden Akteuren vermieden. Hier wird Lobbying nach Schendelen (vgl. 2006, S.132) definiert: als die Anwendung spezieller Methoden durch Interessengruppen mit dem Ziel von der Regierung ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Es ist eines von drei Tätigkeitsfeldern der PA Agenturen. Neben Lobbying beschaffen die Agenturen nicht öffentlich zugängliche Informationen, zum Beispiel den Stand eines Gesetzgebungsverfahrens (Monitoring). Ein drittes Arbeitsfeld ist das Entwerfen von Kommunikationsstrategien, die nicht öffentlich zugängliche Regierungsinformationen benötigen (Strategisches Management) (vgl. Althaus 2005a, S.263-264; Degepol 2003, S.9-10; Sebaldt 2004, S.269). Auf die einzelnen Begriffe wird noch eingegangen. Für die Arbeitsdefinition genügt die Feststellung, dass es für alle Dienstleistungen nötig ist, an Regierungsinformationen zu gelangen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Public Affairs Agenturen als "fünfte Gewalt" ein und skizziert die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss räumlicher Nähe auf deren Arbeit.
2. Public Affairs Agenturen in der Geographie: Dieses Kapitel verortet PA-Agenturen theoretisch im Dienstleistungssektor als KIBS und diskutiert Erklärungsansätze für Standortmuster sowie die Bedeutung von Sozialem Kapital und Vertrauen.
3. Methodik der empirischen Untersuchung: Hier wird das explorative Forschungsdesign vorgestellt, das auf einer Kombination aus Experteninterviews und einer schriftlichen Befragung von Berliner PA-Agenturen basiert.
4. Die Struktur des PA-Sektors und der Faktor räumlicher Nähe: Das Kapitel präsentiert die empirischen Befunde zur Marktstruktur und räumlichen Konzentration von PA-Agenturen in Berlin sowie die Mechanismen der Informationsbeschaffung.
5. Bewertung der Ergebnisse: Abschließend werden die Thesen anhand der gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet und theoretische sowie forschungspraktische Schlussfolgerungen gezogen.
Public Affairs, Lobbying, Monitoring, Räumliche Nähe, KIBS, Soziales Kapital, Wissenstransfer, Netzwerk, Vertrauen, Reputation, Standortwahl, Berlin, Politikberatung, Informationsbeschaffung, Governance.
Die Diplomarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der räumlichen Ansiedlung von Public Affairs (PA) Agenturen in Berlin und deren Erfolg bei der Informationsbeschaffung und Dienstleistungserbringung.
Die zentralen Felder sind die Wirtschaftsgeographie wissensintensiver Dienstleistungen (KIBS), die Bedeutung von Vertrauen und Sozialem Kapital sowie die spezifischen Mechanismen des Lobbyings und Monitorings.
Das Ziel ist zu klären, ob räumliche Nähe zur Regierung tatsächlich ein standortkritischer Faktor ist, der die Beratungsqualität von PA-Agenturen durch besseren Zugang zu exklusivem Wissen erhöht.
Es wird ein explorativer Ansatz mit einer qualitativen (Experteninterviews) und einer quantitativen (schriftliche Befragung) Komponente angewandt, um die Marktstruktur in Berlin detailliert zu erfassen.
Der Hauptteil analysiert die Struktur des PA-Marktes, die strategische Bedeutung von Informationspartnern und die spezifische Rolle von Netzwerken und Vertrauensbeziehungen beim Aufbau von Sozialem Kapital.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Public Affairs, Räumliche Nähe, Soziales Kapital, KIBS, Lobbying und Netzwerkreputation.
Während explizites Wissen leicht digital übertragbar ist, ist implizites Wissen an Personen und Kontexte gebunden, was häufig den direkten, persönlichen Kontakt ("face-to-face") zwischen Berater und Regierungsakteur erforderlich macht.
Berlin fungiert als politisches Zentrum und "Knotenpunkt" für soziale Netzwerke, wobei die räumliche Nähe besonders für den Markteintritt und den Aufbau von Vertrauen zu neuen Akteuren kritisch ist, während etablierte Akteure flexibler agieren können.
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