Diplomarbeit, 2001
113 Seiten, Note: 1,0
1 THEORETISCHER RAHMEN
1.1 GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN ZU KRIMINALITÄT UND STRAFVOLLZUG
1.1.1 Definitionen
1.1.2 Ausgewählte Erklärungsmodelle von kriminellem Verhalten
1.1.3 Ziele des Strafvollzugs
1.1.4 Konflikte zwischen den Institutionszielen
1.1.5 Besonderheiten des Jugendstrafvollzugs und aktuelle Entwicklungen
1.1.6 Zusammenfassung
1.2 VERHÄLTNIS DER INSTITUTION GEFÄNGNIS ZUM INDIVIDUUM
1.2.1 Das Gefängnis als totale Institution
1.2.2 Psychische Aspekte von Freiheitsstrafe
1.2.2.1 Entsubjektivierung und Autonomieverlust
1.2.2.2 Verlust von heterosexuellen Beziehungen
1.2.2.3 Frustration und Aggression
1.2.3 Zusammenfassung
1.3 DIE INSASSENSUBKULTUR
1.3.1 Probleme bei der Verwendung der klassischen Subkulturdefinition
1.3.1.1 Definition von Subkultur in den 70er Jahren
1.3.1.2 Exkurs: Gesellschaftliche Veränderungen und Kulturwandel
1.3.2 Die Verwendung des Begriffes der Insassensubkultur in dieser Arbeit
1.3.2.1 Der Begriff der Subkultur des Gefängnisses von HARBORDT
1.3.2.2 Ausgewählte empirische Befunde der 90er Jahre
1.3.3 Merkmale der Insassensubkultur
1.3.3.1 Das Werte- und Normensystem
1.3.3.2 Sozialstrukturen
1.3.4 Zusammenfassung
1.4 THEORIEN UND BEFUNDE ZUR ENTSTEHUNG DER INSASSENSUBKULTUR
1.4.1 Deprivationstheorie
1.4.2 Kulturelle Übertragungstheorie
1.4.3 Ausgewählte Untersuchungsergebnisse
1.4.3.1 Empirische Befunde zur Deprivationstheorie
1.4.3.2 Empirische Befunde zur kulturellen Übertragungstheorie
1.4.3.3 Theorievergleichende Befunde
1.4.4 Übertragbarkeit auf den Jugendstrafvollzug
1.4.5 Zusammenfassung
1.5 FRAGESTELLUNGEN ZUR EMPIRISCHEN STUDIE
2 METHODIK UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG
2.1 QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG
2.2 DIE UNTERSUCHUNGSGRUPPE
2.2.1 Institutionelle Gegebenheiten der Justizvollzugsanstalt
2.2.2 Die Wahl der Untersuchungspersonen
2.3 DATENERHEBUNG
2.3.1 Erhebungsinstrumente
2.3.1.1 Das themenzentrierte Interview zur Haft
2.3.1.2 Das leitfadengestützte biographische Interview
2.3.2 Durchführung der Interviews
2.4 DATENAUFBEREITUNG
2.5 DATENAUSWERTUNG
3 ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG
3.1 EINFÜHRUNG: DIE LEBENSGESCHICHTEN VON TABOR UND CHRISTOPH
3.1.1 Sozialisationsfaktoren
3.1.1.1 Tabor
3.1.1.2 Christoph
3.1.2 Biographische Muster und Strategien
3.1.2.1 Tabor
3.1.2.2 Christoph
3.1.3 „Wie man’s halt macht, wenn man Drogen nimmt“ - Verantwortung und Reflexion
3.1.4 Zusammenfassung
3.2 SUBJEKTIVES HAFTERLEBEN UND BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN
3.2.1 Zugangsphase
3.2.2 „Kopf kaputt“ - Haftalltag
3.2.3 Zusammenfassung
3.3 SUBKULTURELLE PHÄNOMENE
3.3.1 Exkurs: Die Grenzen des Leitfadeninterviews
3.3.2 „Solche Leute haben mich eingesperrt“ - Solidarität gegen den Stab
3.3.3 Teilnahme am ökonomischen Subsystem
3.3.4 „Korrekt“ und „cool drauf“ sein
3.3.5 Drogen und Alkohol
3.3.6 Beziehungen unter den Gefangenen
3.3.7 Beziehungen zum Personal
3.3.8 Zusammenfassung
3.4 PERSPEKTIVE: RÜCKFALL
3.5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Entstehung von Insassensubkulturen im Jugendstrafvollzug und den individuellen Biographien der Inhaftierten. Das primäre Ziel ist es, subjektive Strategien der Haftbewältigung und Selbstpositionierungen der Jugendlichen vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichten zu analysieren und deren Auswirkungen auf das Vollzugsziel der Resozialisierung kritisch zu beleuchten.
Die Dimensionen "Kontrolle" und "Ohnmacht" in der kriminellen Karriere von Tabor
Im Prinzip erfüllt Tabor die Rolle des „Siegers“, die von der leistungsorientierten Gesellschaft gefordert wird. Da ihm kaum möglich scheint, dieses Ziel mit legalen Mitteln zu erreichen, verfolgt er eine von der Norm abweichende Karriere als Drogendealer, in der er - in subkulturellen Zusammenhängen - Erfolg erlangt. Die Wurzeln dieser Entwicklung liegen bereits in der Kindheit. In den ersten Erfahrungen mit abweichendem Verhalten wollte Tabor im Vergleich zu den älteren Mitgliedern seiner Bezugsgruppe „nie der Depp sein“ (T2, 23-24) - Statuserwerb spielt für ihn eine große Rolle - was nicht weiter verwunderlich ist, da dies gesamtgesellschaftlich als Norm vorgegeben wird.
In diesem Zusammenhang fällt auf, daß er seine Karriere als Drogendealer in der Reflexion des Interviews in Haft kritisch beleuchtet. Allerdings verwendet er nicht die naheliegenden Dimensionen „Gut“ und „Böse“ im Sinne der gesellschaftlich vorgegebenen Normen, sondern er unterscheidet zwischen „Kontrolle“ und „Ohnmacht“, die er im Zusammenhang mit seinen delinquenten Handlungen empfindet. Verlust der Handlungsautonomie wird als „immer tiefer sinken“ (a.a.O.) - also als schlecht - bewertet. Die Ausprägung eines eigenen (normunkonformen) Wertesystems sollte im Kontext der Theorien von SUTHERLAND bzw. SYKES & MATZA (vgl. Kap.1.1.2) als delinquenzbegünstigender Faktor gesehen werden.
1 THEORETISCHER RAHMEN: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Kriminalität, dem Strafvollzug als Institution und dem Phänomen der Insassensubkultur dargelegt, inklusive der Deprivations- und kulturellen Übertragungstheorie.
2 METHODIK UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel erläutert den qualitativen Forschungsansatz, die Auswahl der Untersuchungsgruppe und die eingesetzten Erhebungsinstrumente (themenzentrierte und biographische Interviews).
3 ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG: Hier werden die Ergebnisse aus den Fallanalysen vorgestellt, welche die Verknüpfungen von subjektivem Hafterleben, Bewältigungsstrategien und subkulturellen Identitäten aufzeigen.
Jugendstrafvollzug, Insassensubkultur, Resozialisierung, Biographieforschung, Deprivationstheorie, totale Institution, Kriminelle Karriere, Identität, Haftbewältigung, Argotrollen, Abweichendes Verhalten, Fallanalyse, Sozialisationsfaktoren, Machtstrukturen.
Die Diplomarbeit untersucht das Phänomen der Insassensubkultur im Kontext der Biographien inhaftierter Jugendlicher und analysiert deren Auswirkungen auf die Resozialisierung.
Die Themen umfassen die soziostrukturellen Bedingungen im Strafvollzug, die Entstehung von kriminellen Subkulturen und die Bedeutung individueller Lebensgeschichten für das Handeln in Haft.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Jugendliche die Haftbedingungen erleben, welche Strategien sie entwickeln und wie sich diese in ihren biographischen Hintergrund einfügen.
Die Arbeit basiert auf der qualitativen Sozialforschung, insbesondere auf zwei Leitfadeninterviews (themenzentriert und biographisch) mit zwei jungen inhaftierten Männern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Kriminalitätsmodellen und eine empirische Analyse der Fallbeispiele von Tabor und Christoph.
Wichtige Begriffe sind Insassensubkultur, totale Institution, Deprivation, Identitätsbildung und Neutralisationstechniken.
Die Arbeit identifiziert eine defekte Herkunftsfamilie als prägenden Sozialisationsfaktor, der die Entwicklung von Selbstkontrolle erschwert und den Einstieg in kriminelle Karrieren begünstigt.
Diese Unterscheidung hilft Tabor, seine Handlungen in Haft zu strukturieren und ein Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten, indem er bestimmte delinquente Aktivitäten als Kontrolle über sein Leben interpretiert.
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