Diplomarbeit, 2006
87 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Neoklassische Kapitalmarkttheorie
2.1 Annahme der Rationalität
2.2 Hypothese des effizienten Marktes
2.3 Capital Asset Pricing Model (CAPM) und Modifikationen
2.3.1 CAPM
2.3.2 Erweiterungen und Weiterentwicklungen des CAPM
2.4 Probleme der Effizienzbestimmung und CAPM-Anomalien
3 Behavioral Finance
3.1 Ursprung und Grundlagen
3.2 Ausgewählte Effekte
4 Noise Trading
4.1 Definition und Charakteristik des Noise Trading
4.1.1 Quasi-Rationalität als Kernelement des Noise Trading
4.1.2 Abgrenzung des Noise Trading
4.2 Ansätze des Noise Trading
4.2.1 Individuell anomales Verhalten
4.2.2 Gruppen-interaktives Verhalten
4.2.2.1 Unbestimmtes Noise Trading-Verhalten
4.2.2.2 Positive Feedback Trading
4.3 Soziale Dimension der Informationstransformation und –interpretation
5 Trader als eine Community of Practice
5.1 Communities of Practice
5.1.1 Definitionen
5.1.1.1 Differenzierungen und Typologien
5.1.1.2 Abgrenzung zu anderen Organisationsformen
5.1.2 Strukturmodelle für Communities
5.1.2.1 Strukturmodell von Wenger
5.1.2.2 Dreidimensionales Community-Modell von McDermott
5.1.3 Lebenszyklus einer Community nach Wenger
5.1.4 Rollen innerhalb einer Community
5.2 Trading Community
5.2.1 Entwicklungsphasen eines Händlers
5.2.1.1 Vorbereitungen und Erwartungen
5.2.1.2 Phase der ersten Begegnung
5.2.1.3 Anpassungsphase
5.2.1.4 Stabilisierungsphase
5.2.2 Der Handelsraum als sozialer Raum
5.2.2.1 Räumliche Anordnung
5.2.2.2 Wissenstransfer
5.2.2.3 Stress und Emotionen
5.2.2.4 Reputation
5.2.2.5 Der Chefhändler
5.2.3 Geschäftsbeziehungen und Freundschaft
6 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhalten von Akteuren auf den Finanzmärkten, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse von Händlern als Gemeinschaft in Handelsräumen liegt. Ziel ist es, unter Verwendung des Konzepts der "Communities of Practice", die Entwicklungsphasen von Händlern sowie die sozialen Dimensionen ihres Handels und ihrer Geschäftsbeziehungen zu beleuchten.
5.2.2.1 Räumliche Anordnung
Als Beispiel für eine räumliche Anordnung soll der Handelsraum einer großen Investment Bank in New York betrachtet werden, der Gegenstand der Untersuchung von Beunza und Stark (2004) ist. Dabei wird dieser Investment Bank das Pseudonym „International Securities“ gegeben. Eine schematische Darstellung des Handelsraumes ist in der Abbildung 5.4 veranschaulicht.
Das Betreten dieses Handelsraumes formulieren Beunza und Stark wie folgt: „Entering the trading room is like entering the lobby of a luxury hotel“. In diesem Handelsraum sind verschiedene Arbeitsplätze (Desks) zu finden, an denen die Teams mit unterschiedlichen Finanzinstrumenten handeln. Dabei ist das Desk als ein „intensely social place“ zu verstehen, an dem die Händler sich unterhalten können, ohne dass sie ihre Arbeit unterbrechen und von ihren Bildschirmen aufblicken müssen, was durch die extreme Nähe der Arbeitsplätze ermöglicht wird.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Grenzen der neoklassischen Theorie dar und führt den "Behavioral Finance" sowie den "Noise Trading"-Ansatz als verhaltenswissenschaftliche Ergänzungen ein, um das Handeln von Finanzmarktakteuren besser zu verstehen.
2 Neoklassische Kapitalmarkttheorie: Das Kapitel erläutert das rationale Modell des "Homo Oeconomicus", die Markteffizienzhypothese und das CAPM, zeigt jedoch anhand von empirischen Anomalien, warum diese Theorien die Realität nur unzureichend erklären können.
3 Behavioral Finance: Hier werden psychologische Einflüsse auf Entscheidungen, wie die "Prospect Theory", die Verlustaversion und Overconfidence, dargelegt, um systematische Abweichungen vom rationalen Verhalten zu erklären.
4 Noise Trading: Das Kapitel behandelt den Noise Trading-Ansatz als Gegenentwurf, der auf quasi-rationalem Verhalten und sozialen Interaktionen basiert, um nicht-fundamentale Kursbildungen und gruppen-interaktives Verhalten zu analysieren.
5 Trader als eine Community of Practice: Dieser Hauptteil überträgt das Konzept der "Communities of Practice" auf den Handelsalltag, analysiert Entwicklungsphasen von Händlern, den Handelsraum als sozialen Raum und die Bedeutung von Reputation und freundschaftlichen Geschäftsbeziehungen.
6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die soziale Einbettung von Händlern eine wesentliche Rolle spielt und dass der Noise Trading-Ansatz in Kombination mit der Community-Theorie ein adäquateres Verständnis des Finanzmarktgeschehens ermöglicht als klassische Modelle.
Kapitalmarkttheorie, Behavioral Finance, Noise Trading, Quasi-Rationalität, Communities of Practice, Finanzmärkte, Händler, Handelsraum, Reputation, Informationstransfer, Sozialität, Börsenpsychologie, Risikomanagement, Investment Banking, Soziale Einbettung.
Die Arbeit analysiert das Verhalten von Finanzmarktakteuren, indem sie die klassische Kapitalmarkttheorie kritisch betrachtet und um psychologische sowie soziale Ansätze (Behavioral Finance und Noise Trading) erweitert.
Zentrale Felder sind die rationale Kapitalmarkttheorie, die verhaltenswissenschaftliche Erklärung von Marktanomalien, der Noise Trading-Ansatz sowie die Anwendung der Community-Theorie auf das professionelle Umfeld von Händlern.
Das primäre Ziel ist es, das Handeln von Händlern in Investmentbanken nicht als isolierte rationale Entscheidung, sondern als sozial eingebettetes Verhalten innerhalb einer "Community of Practice" aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und nutzt ethnographische Untersuchungsansätze, wie sie beispielsweise von Beunza, Stark, Fenton-O’Creevy und Hasselström in der Finanzmarktforschung angewandt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Behavioral Finance und Noise Trading sowie eine detaillierte qualitative Untersuchung der Händlergemeinschaft, inklusive ihrer Entwicklungsphasen und Arbeitsplatzdynamiken.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Quasi-Rationalität, soziale Dimension der Information, Trader-Community, kollektives Wissen und informelle Geschäftsbeziehungen definiert.
Eine Trading Community wird als eine Gemeinschaft verstanden, die durch geteilte Wissensdomänen, gemeinsames Lernen und informelle sowie formale soziale Interaktionen im Handelsraum gekennzeichnet ist.
Das soziale Umfeld reduziert Unsicherheit durch Informationsaustausch und beeinflusst die individuelle Entscheidungsfindung massiv, da Händler auf Feedback und die Reputation innerhalb ihrer Gruppe angewiesen sind.
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