Magisterarbeit, 2005
137 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Ziel und Konzeption der Arbeit
1.1 Forschungsstand
2. Nation und Fußball
2.1 Nation und Nationalismus
2.1.1 Nationalismus und Patriotismus: Kerngedanken und Definitionen
2.1.2 Nationalismus als ‚Politische Religion’
2.1.3 Nationalismus und Patriotismus in Deutschland
2.2 Fußball und (nationale) Identität
2.3 Fußball als quasi-religiöses und rituelles Ereignis
3. Fußball und Fußballkultur in Deutschland 1890-1980
3.1 Vom gentleman´s zum people´s game: Der Ursprung des modernen Fußballs in England
3.2 Vom Gesellschafts- zum Soldatenspiel: Fußball im Kaiserreich
3.3 Berufssport vs. Amateurprinzip: Fußball in der Weimarer Republik
3.4 Staatsamateure und Propagandaspiele: Fußball im Dritten Reich
3.5 Kontinuität und Diskontinuität: Fußball in der BRD bis 1974
4. Untersuchung der Fußballweltmeisterschaften 1954 und 1974
4.1 Art und Auswahl der Printmedien
4.1.1 Frankfurter Allgemeine Zeitung
4.1.2 Frankfurter Rundschau
4.1.3 Bild-Zeitung
4.2 Sport und Sportsprache in den Medien
4.3 Koordinaten der Untersuchung
4.4 Die WM 1954 in der Schweiz
4.4.1 Die WM 1954 und ihre Zeit
4.4.2 BRD – Türkei (17.6.1954)
4.4.3 Ungarn – BRD (20.6.1954)
4.4.4 BRD – Türkei (23.6.1954)
4.4.5 BRD – Jugoslawien (27.6.1954)
4.4.6 BRD – Österreich (30.6.1954)
4.4.7 BRD – Ungarn (4.7.1954)
4.4.8 Zwischenfazit
4.5 Die WM 1974 in der Bundesrepublik Deutschland
4.5.1 Die WM 1974 und ihre Zeit
4.5.2 BRD – Chile (14.6.1974)
4.5.3 Australien – BRD (18.6.1974)
4.5.4 DDR – BRD (22.6.1974)
4.5.5 Jugoslawien – BRD (26.6.1974)
4.5.6 BRD – Schweden (30.6.1974)
4.5.7 Polen – BRD (3.7.1974)
4.5.8 Niederlande – BRD (7.7.1974)
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung von Nationalismus und Patriotismus im Kontext der Fußballweltmeisterschaften 1954 und 1974 in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, anhand einer medienanalytischen Untersuchung der Berichterstattung aufzuzeigen, wie nationale Inhalte im Sport produziert und kommuniziert wurden, um die Rolle des Fußballs als Katalysator kollektiver Identitätsbildung in historisch unterschiedlichen Phasen der jungen Bundesrepublik zu beleuchten.
2.2. Fußball und (nationale) Identität
Ein Fußballspiel ist ein ephemeres Ereignis. Insofern bedarf es einer permanenten Erinnerungsleistung. Diese reicht weit über das simple Festhalten des Ergebnisses und seine Übertragung in eine Tabelle hinaus. Über das im Stadion Erlebte oder am Fernseher Gesehene wird in der Gaststätte, an Arbeitsplätzen, in der Schule, der Familie geredet. Freude und Trauer, Entsetzen und Erstaunen, Häme und Mitleid werden ausgedrückt oder geteilt. Die Medien setzen die Kommunikation und Konservierung des flüchtigen Ereignisses im Bewusstsein so lange fort, bis das nächste Spiel näher rückt. Ist dies ein besonderes, werden die Erinnerungen an vergangene ähnliche Partien, dazugehörige Fotos, Zeitlupen und Interviews herausgeholt, ja die besondere Bedeutung eines Spiels erschließt sich oft mehr aus der Vergangenheit als aus dem gerade aktuellen Tabellenstand. ‚Weißt du noch?‘, fängt dann vielfach ein Gespräch über dieses Spiel oder jenen Spieler an.
So wirkt der Fußball bedeutungsvoll in den Alltag seiner Anhänger hinein und verankert sich durch Kommunikation im Bewusstsein. Er wird zum Gegenstand einer Generationen übergreifenden kollektiven Erinnerung. Diese setzt die Annahme von Identität voraus, denn die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit wird durch die Kontinuität der eigenen Person oder Gruppe erfahren. Der französische Anthropologe Marc Augé sieht im Fußball augenscheinlich einen ausgezeichneten Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Mehr als jeder andere Sport schleicht sich der Fußball in unsere Erinnerung ein: Er besitzt die höchste Macht über das Gedächtnis und reaktualisiert sich zugleich permanent selbst. Sein spezielles Bouquet ruft Rauschzustände hervor, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart vermengen, Mythos und Ritual zusammenfallen.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Verbindung von Nationalismus und Fußball in der Bundesrepublik Deutschland zu untersuchen, und begründet die Wahl der Weltmeisterschaften 1954 und 1974 als Untersuchungsgegenstand.
2. Nation und Fußball: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Nationalismus und Patriotismus und analysiert die Funktion des Fußballs bei der Konstruktion und Bestätigung kollektiver (nationaler) Identität.
3. Fußball und Fußballkultur in Deutschland 1890-1980: Das Kapitel dokumentiert die historische Entwicklung des Fußballs in Deutschland, wobei insbesondere die soziokulturellen Rahmenbedingungen und der Einfluss nationalistischer Strömungen auf die Fußballkultur beleuchtet werden.
4. Untersuchung der Fußballweltmeisterschaften 1954 und 1974: Der Hauptteil der Arbeit bietet eine detaillierte medienanalytische Untersuchung der Berichterstattung über die Weltmeisterschaften 1954 und 1974 in ausgewählten Printmedien (FAZ, Frankfurter Rundschau, Bild-Zeitung).
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass der Fußball sowohl 1954 als auch 1974 als Repräsentant Deutschlands diente und national geprägte Identitätsmuster transportierte, die jedoch den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext widerspiegelten.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Fußball, Nationalismus, Patriotismus, Bundesrepublik Deutschland, Weltmeisterschaft 1954, Weltmeisterschaft 1974, Medienanalyse, Identitätsbildung, Sportgeschichte, Erinnerungskultur, Fußballkultur, Nationale Identität, Berichterstattung, Sport und Politik, Kollektives Gedächtnis.
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Fußball, Nationalismus und Patriotismus in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, fokussiert auf die Weltmeisterschaften 1954 und 1974.
Neben der theoretischen Einbettung der Begriffe Nationalismus und Patriotismus steht die historische Entwicklung der deutschen Fußballkultur sowie die mediale Inszenierung sportlicher Erfolge als nationale Ereignisse im Mittelpunkt.
Ziel ist es zu analysieren, auf welche Weise im Kontext der Fußballweltmeisterschaften nationale Inhalte produziert und kommuniziert wurden, um die Bedeutung des Sports für die Identitätsstiftung zu ergründen.
Der Autor führt eine Inhaltsanalyse der Berichterstattung in führenden Printmedien (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Bild-Zeitung) durch, um Stereotype und nationale Identitätsmuster zu dekonstruieren.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften 1954 und 1974 sowie der Reflexion über die medialen Darstellungsweisen und die verwendeten Begriffe und Metaphern.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nationalismus, Patriotismus, kollektive Identität, mediale Inszenierung, Fußballkultur und erinnerungskulturelle Bedeutung des Sports.
Den Medien kommt eine entscheidende Rolle als Konstrukteure einer „vorgestellten Gemeinschaft“ zu, in der durch die Berichterstattung über die Nationalmannschaft nationale Werte, Tugenden und ein „Wir-Gefühl“ vermittelt wurden.
Während 1954 eher ein Bedürfnis nach Altvertrautem und eine soldatisch geprägte Sprache dominierten, spiegeln sich 1974 gesellschaftliche Umbrüche und ein differenzierteres, teils kritischeres Bewusstsein in der medialen Inszenierung wider.
Es wird als identitätsstiftendes Ereignis interpretiert, das der jungen Bundesrepublik ein nationales Erfolgserlebnis vermittelte, welches in der Erinnerungskultur nachhaltig als „eigentliches Gründungsdatum“ verankert wurde.
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