Diplomarbeit, 2003
112 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG: DER SICHERHEITSPOLITISCHE DISKURS UM UMWELTGEFAHREN VOR DEM HINTERGRUND WELTPOLITISCHER UMBRUCHSITUATIONEN
2. GLOBALER WANDEL UND UMWELTGEFAHREN
2.1 DIE ENTDECKUNG EINER WELTUMWELT
2.2 POLITISCHER UMGANG MIT DER WELTUMWELT
3. EIN NEUES SICHERHEITSDENKEN: DIE ERWEITERUNG DES SICHERHEITSBEGRIFFS IM KONZEPT DER ÖKOLOGISCHEN SICHERHEIT
3.1 RÜCKBLICK AUF FRÜHE DISKUSSIONSSTRÄNGE: KALTE-KRIEGS-LOGIK UND ERSTE ANZEICHEN FÜR GLOBALEN WANDEL
3.2 DIE DEBATTE GEWINNT AN KONTUREN: ARGUMENTE FÜR EINE VERBINDUNG VON SICHERHEIT UND UMWELT
3.3 DIE KRITIK ENTFALTET SICH: ARGUMENTE GEGEN DIE EINGLIEDERUNG DER UMWELT IN DAS NEUE SICHERHEITSKONZEPT
3.4 VERSUCH EINER SYNTHESE: DREI GENERATIONEN DER FORSCHUNG ZU ÖKOLOGISCHER SICHERHEIT
4. DIE ROLLE DER UMWELT IN KONFLIKTEN UND KRIEGEN: UNTERSCHIEDLICHE FORSCHUNGSANSÄTZE UND POSITIONEN DER ZWEITEN UND DRITTEN GENERATION
4.1 FOKUS DER ZWEITEN GENERATION: KNAPPHEIT ERNEUERBARER RESSOURCEN UND DARAUS INDUZIERTE KONFLIKTE
4.1.1 Die Arbeit der Toronto Group von Homer-Dixon
4.1.2 Die Ergebnisse des Environment and Conflicts Project (ENCOP)
4.1.3 Forschung der NATO: Syndrome des Globalen Wandels als neues Konfliktvorhersagemuster
4.2 FOKUS DER DRITTEN GENERATION: AUSWIRKUNGEN DER INTERNATIONALEN POLITISCHEN ÖKONOMIE UND VERLAGERUNG AUF BREITERE SOZIALWISSENSCHAFTLICHE ANALYSEN VON KONFLIKTEN
4.2.1 Internationale Dimensionen von Ressourcenkonflikten
4.2.2 Geopolitische Renaissance: Michael Klare und die neuen Ressourcenkriege
4.2.3 ‚Human Security’ als Konzept des Global Environmental Change and Security Project (GECHS)
5. BEARBEITUNG DES ZUSAMMENHANGS VON UMWELTGEFAHREN UND SICHERHEIT IM POLITISCHEN PROZESS DEUTSCHLANDS UND DER WELT
5.1 HISTORISCHE MEILENSTEINE DER HERAUSSTELLUNG EINER POLITISCHEN RELEVANZ DER UMWELTKONFLIKTFORSCHUNG
5.2 DEUTSCHLANDS EINBINDUNG IN DIE WELTPOLITIK: UMWELT UND SICHERHEIT ALS THEMA INTERNATIONALER REGIME UND ORGANISATIONEN
5.2.1 Maßgebliche internationale und regionale Organisationen und ihre Bearbeitung des Themas
5.2.2 Herausforderung Gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik: Die EU vor dem Hintergrund neuer Sicherheitsgefahren
5.3 LEITLINIEN DES UMGANGS MIT EINER VERÄNDERTEN SICHERHEITSLAGE IN DEN MINISTERIEN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
6. FAZIT UND SCHLUSSFOLGERUNGEN VOR DEM HINTERGRUND VON ALTERNATIVEN ZU BISHERIGEN FORSCHUNGS- UND POLITIKANSÄTZEN
6.1 ZUSAMMENFASSENDE BEMERKUNGEN: SECHS ZENTRALE SCHLUSSFOLGERUNGEN AUS DER ANALYSE DER BISHERIGEN FORSCHUNG UND POLITIK
6.2 AUSBLICK UND PERSPEKTIVE: PLÄDOYER FÜR EINE POLITISCHE ÖKOLOGIE ALS ALTERNATIVE
Die Arbeit untersucht den sicherheitspolitischen Diskurs um Umweltgefahren und analysiert, wie internationale Forschungsansätze und ökologische Herausforderungen in die politische Agenda Deutschlands und internationaler Organisationen eingebettet werden. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Umweltveränderungen, Ressourcenknappheit und Konfliktdynamiken kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit ökologische Sicherheit als politisches Handlungskonzept operationalisierbar ist, unter besonderer Berücksichtigung der machtpolitischen Strukturen.
3.1 Rückblick auf frühe Diskussionsstränge: Kalte-Kriegs-Logik und erste Anzeichen für globalen Wandel
Umweltthemen haben eine kurze, marginale, aber nicht unbedeutende Geschichte in der sicherheitspolitischen Diskussion. In den 1970er Jahren stimulierte die Ölkrise und die Diskussion um die These von den ‚Grenzen des Wachstums’ (vgl. Meadows et al. 1972) wachsende Bedenken über Konflikte resultierend aus Ressourcenknappheiten. Wirtschaftliche Sicherheit hatte höchste Priorität in einer Gesellschaft, in der Wirtschaftswachstum und der Grundsatz ‚shop ´til you drop’ maßgebliche Zielsetzungen waren. Das größte direkte Interesse über die Zusammenhänge zwischen Umweltzerstörung, Sicherheit und Krieg galt in dieser Zeit „fast ausschließlich Aspekten der Kriegsführung durch die Manipulation von Natur und Umwelt sowie den ökologischen Kollateralschäden und Folgewirkungen kriegerischer Auseinandersetzungen“ (Bächler et al. 1996: 10).
Sicherheit orientierte sich bis 1989 ganz am Ost-West-Gegensatz der Kalten-Kriegs-Logik. Es wurde im Sinne zeitgenössischer Konzeptionen von Sicherheit gedacht, in denen sich Sicherheit auf die staatliche Verteidigung souveräner Interessen mit militärischen Mitteln bezog. Sicherheit meinte, die Bemühungen gegen andere organisierte Kräfte zum Schutz der eigenen Bevölkerung und des eigenen Territoriums und wurde beschrieben als: „(...) the defense of territorial and political integrity, which was understood as the fundamental, the immutable, objective of states in the international system“ (Krasner 1990: 7).
1. EINLEITUNG: DER SICHERHEITSPOLITISCHE DISKURS UM UMWELTGEFAHREN VOR DEM HINTERGRUND WELTPOLITISCHER UMBRUCHSITUATIONEN: Die Einleitung skizziert den sicherheitspolitischen Rahmen nach 1989 und die zunehmende Bedeutung von Umweltfragen als globale Bedrohung, die eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs erforderlich machen.
2. GLOBALER WANDEL UND UMWELTGEFAHREN: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Prozess der Entdeckung der "Weltumwelt" und die darauf folgende Entstehung einer internationalen Umweltpolitik als Reaktion auf die zunehmende ökologische Krise.
3. EIN NEUES SICHERHEITSDENKEN: DIE ERWEITERUNG DES SICHERHEITSBEGRIFFS IM KONZEPT DER ÖKOLOGISCHEN SICHERHEIT: Es wird die Debatte um die Ausweitung des Sicherheitsbegriffs auf ökologische Risiken nachgezeichnet, wobei sowohl Befürworter als auch Kritiker dieser Konzeptionalisierung beleuchtet werden.
4. DIE ROLLE DER UMWELT IN KONFLIKTEN UND KRIEGEN: UNTERSCHIEDLICHE FORSCHUNGSANSÄTZE UND POSITIONEN DER ZWEITEN UND DRITTEN GENERATION: Eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Generationen der Konfliktforschung, die den Fokus von Ressourcenknappheit hin zu komplexeren sozioökonomischen Faktoren verschieben.
5. BEARBEITUNG DES ZUSAMMENHANGS VON UMWELTGEFAHREN UND SICHERHEIT IM POLITISCHEN PROZESS DEUTSCHLANDS UND DER WELT: Hier wird analysiert, wie internationale Institutionen und die deutsche Politik mit dem Wissen um ökologische Sicherheitsgefahren umgehen und welche Handlungskonzepte daraus entstehen.
6. FAZIT UND SCHLUSSFOLGERUNGEN VOR DEM HINTERGRUND VON ALTERNATIVEN ZU BISHERIGEN FORSCHUNGS- UND POLITIKANSÄTZEN: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und plädiert für die "Politische Ökologie" als angemesseneren analytischen Rahmen für die zukünftige Sicherheitsforschung.
Ökologische Sicherheit, Umweltkonflikte, Internationale Politische Ökonomie, Ressourcenknappheit, Ressourcenreichtum, Krisenprävention, Geopolitik, Klimawandel, Nachhaltige Entwicklung, Sicherheitspolitik, Globale Umweltpolitik, Nord-Süd-Konflikte, Politische Ökologie, Ressourcenaneignung, Weltumwelt.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen ökologischen Umweltgefahren und dem sicherheitspolitischen Diskurs, wobei der Fokus auf internationalen Forschungsansätzen und deren Umsetzung in politischen Leitbildern, insbesondere in Deutschland, liegt.
Zu den Kernbereichen gehören das neue Sicherheitsdenken ("ökologische Sicherheit"), die Rolle von Ressourcen in Kriegen, der Wandel der internationalen Politischen Ökonomie sowie die Herausforderungen der Krisenprävention auf nationaler und internationaler Ebene.
Ziel ist es zu klären, wie wissenschaftliche Ansätze zur Umwelt- und Konfliktforschung von politischen Entscheidungsträgern aufgenommen werden und ob das Konzept der ökologischen Sicherheit als Analyseinstrument für die Weltpolitik im 21. Jahrhundert taugt.
Der Autor führt eine interdisziplinäre Diskurs- und Literaturanalyse durch, die Erkenntnisse der Geographie mit politikwissenschaftlichen Theorien verknüpft, um die Evolution des Begriffs der ökologischen Sicherheit nachzuzeichnen.
Der Hauptteil gliedert die Forschung in drei Generationen: von der anfänglichen konzeptionellen Debatte über die empirische Arbeit der "Toronto Group" (Fokus auf Knappheit) bis zur neueren Analyse der internationalen Politischen Ökonomie (Fokus auf Ressourcenreichtum).
Die zentralen Begriffe sind "Ökologische Sicherheit", "Politische Ökonomie", "Ressourcenkriege", "Krisenprävention" und das Konzept der "Politischen Ökologie".
Er würdigt ihre empirische Pionierarbeit zur Identifizierung kausaler Zusammenhänge, kritisiert jedoch, dass ihr Fokus auf Ressourcenknappheit als Konfliktursache zu deterministisch ist und machtpolitische Verteilungsfragen vernachlässigt.
Die Politische Ökologie überwindet den Umweltdeterminismus, indem sie Umweltprobleme nicht als neutral, sondern als historisch gewachsene soziale Konstruktionen begreift, die untrennbar mit machtpolitischen Strukturen verknüpft sind.
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