Wissenschaftlicher Aufsatz, 2000
12 Seiten
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einführung: Literaturterminologien im Blickpunkt interkultureller Forschung
2 Unterschiede zwischen literaturwissenschaftlichen und anderen Fachterminologien
3 Gründe für die „Unwissenschaftlichkeit“ literarischer Sachbegriffe
4 Die Zusammensetzung des Begriffsschatzes verschiedener Literaturterminologien
5 Zum Problem eines (computergespeicherten) internationalen Thesaurus
6 Zur internationalen Akzeptanz einer Normung der Literaturterminologie
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Probleme beim Vergleich von Literaturterminologien aus interkultureller Perspektive und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Etablierung eines international normierten, computergestützten Thesaurus.
3 Gründe für die „Unwissenschaftlichkeit“ literarischer Sachbegriffe
In dem oben erwähnten Sammelband werden mancherlei Gründe für die „Unwissenschaftlichkeit“ litw. Begriffe genannt, die hier, in aller Kürze und durch eigene Beobachtungen ergänzt, zusammengestellt werden sollen:
1. Die Anwendbarkeit vieler litw. Begriffe auf mehr als ein Untersuchungsfeld, z.B. „Realismus“ als Stil- sowie Epochenbegriff. 2. Die (noch) unscharfe zeitliche Abgrenzung vieler Epochenbegriffe, wie z.B. von „Moderne“ und „Postmoderne“ oder des „Barock“. 3. Die allzugroße Nähe vieler litw. Begriffe zu solchen der Umgangssprache, wie etwa „Tragik“ und „Tragisches“. 4. Ihre häufig (wort)spielerische Verwendung („Ideologische Tragödie und Tragödie der Ideologie“), manchmal auch ihre „persuasive“ Anwendung (wie im Modebegriff „Paradigma“) oder ihre „programmtragende“ Funktion (z.B. Wolfgang Isers Begriff des „Implizierten Lesers“ oder Hans-Robert Jauß‘ Begriff „Erwartungshorizont“). 5. Der absichtlich „evokative“ und quasi-dichterische Sprachgebrauch vieler Literaturwissenschaftler, die eine „Verwissenschaftlichung“ ihrer Disziplin und deren Terminologie (im Sinne einer Angleichung an die der exakten Naturwissenschaften) als „Vergewaltigung“ ablehnen und ihre Hauptaufgabe darin sehen, dem Leser ihrer Arbeiten Erlebnisse zu verschaffen, „etwas in ihm auszulösen“, ihn empfänglich für die Wirkung von Dichtung zu machen.
1 Einführung: Literaturterminologien im Blickpunkt interkultureller Forschung: Der Autor plädiert dafür, den eurozentrischen Blick auf die Literaturterminologie durch einen interkulturellen Vergleich mit asiatischen Literaturen zu erweitern.
2 Unterschiede zwischen literaturwissenschaftlichen und anderen Fachterminologien: Es wird dargelegt, dass Literaturterminologien im Gegensatz zu exakten Wissenschaften stärker an nationale Sprachen und kulturelle Hintergründe gebunden sind.
3 Gründe für die „Unwissenschaftlichkeit“ literarischer Sachbegriffe: Das Kapitel katalogisiert verschiedene Faktoren, von semantischer Unschärfe bis hin zum bewusst evokativen Sprachgebrauch, welche die wissenschaftliche Standardisierung erschweren.
4 Die Zusammensetzung des Begriffsschatzes verschiedener Literaturterminologien: Der Autor analysiert die Probleme beim quantitativen Vergleich, insbesondere durch Homonyme, Synonyme und die unterschiedliche Auffächerung von Fachbegriffen.
5 Zum Problem eines (computergespeicherten) internationalen Thesaurus: Es wird erörtert, inwiefern eine Datenbank für literarische Fachbegriffe zur Systematisierung beitragen könnte, wobei die Grenzen der computergestützten Verarbeitung komplexer Begriffe aufgezeigt werden.
6 Zur internationalen Akzeptanz einer Normung der Literaturterminologie: Der abschließende Teil untersucht die Akzeptanzschwierigkeiten einer westlich geprägten, wissenschaftlichen Normierung in außereuropäischen Kulturräumen.
Literaturterminologie, interkulturelle Forschung, Fachbegriffe, Eurozentrismus, Thesaurus, Literaturwissenschaft, Begriffsschatz, Normung, Sprachwissenschaft, Komparatistik, Begriffsgeschichte, Datenbank, Semantik, Literaturtheorie, kultureller Kontext
Die Arbeit untersucht die strukturellen Probleme und methodischen Schwierigkeiten, die beim Vergleich und der Normierung von literaturwissenschaftlichen Fachterminologien über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg auftreten.
Zentral sind der interkulturelle Vergleich von Literaturterminologien, die Abgrenzung zu exakten Wissenschaften, die Problematik der Begriffsbildung sowie die Möglichkeiten und Grenzen einer computergestützten Erfassung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass eine internationale Normung literaturwissenschaftlicher Begriffe aufgrund der engen kulturellen und sprachlichen Bindung dieser Konzepte nur schwer realisierbar ist.
Der Autor stützt sich auf eine vergleichende Analyse literaturwissenschaftlicher Nachschlagewerke, die Auswertung von Expertenmeinungen sowie die kritische Reflexion des wissenschaftssprachlichen Gebrauchs.
Der Hauptteil befasst sich mit den Gründen für die mangelnde wissenschaftliche Präzision literarischer Begriffe, der quantitativen Zusammensetzung von Begriffsschätzen sowie den Herausforderungen für einen potenziellen internationalen Thesaurus.
Die Analyse wird durch Begriffe wie Interkulturalität, Unwissenschaftlichkeit, Begriffsimport, Thesaurus und die Unterscheidung zwischen universalen und kulturspezifischen Terminologien geprägt.
Der Autor thematisiert dies, weil die mangelnde Präzision und der evokative Sprachgebrauch der Literaturwissenschaft eine Angleichung an exaktere Disziplinen und eine computergestützte Systematisierung massiv erschweren.
Der Autor bleibt skeptisch; er sieht zwar Potenziale für die Kooperation, warnt jedoch davor, dass die kontextuelle Vielschichtigkeit und die stetigen Wandlungsprozesse literarischer Begriffe die Kapazitäten einer bloßen Datenbank-Struktur übersteigen.
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