Diplomarbeit, 2006
93 Seiten, Note: 1,3
Vorbemerkung
1. Hinführung zur Thematik
2. Die Kindheit – Werdegang eines gesellschaftlichen Konstruktes
2.1. Definitionen des Begriffes Kindheit
2.2. Die Kindheit im Wandel der Zeit
2.2.1. Die Kindheit in der Antike
2.2.2. Die Kindheit im Mittelalter
2.2.3. Die Kindheit in der Neuzeit
2.3. Karrierestart der Kindheit
2.3.1. Entdeckung der Kindheit als eigenständige Lebensphase
2.3.2. Entdecker der Kindheit
2.3.2.1. John Locke
2.3.2.2. Jean Jacques Rousseau
2.3.2.3. Johann Heinrich Pestalozzi
2.3.2.4. Robert Owen
2.4. Die Kindheit heute
2.4.1. Aspekte, Einflüsse und Anforderungen eines modernen Kinderlebens
2.4.2. Gegensätzlichkeiten eines modernen Kinderlebens
2.4.2.1. Verlust oder Zunahme des geschützten Raumes?
2.4.2.2. Die Problematik der steigenden Kinderarmut
2.4.2.3. Die fortschreitende Konsumteilhabe in der Kindheit
2.4.3. Die zeitgenössischen Widerstände und Ausprägungen der einst freiwüchsigen Kindheit
2.4.3.1. Kindheit heute – Organisation von Freizeit und Freundschaften
2.4.3.2. Der Wandel in der Aneignung von symbolischer und materieller Kultur
2.4.3.3. Das veränderte Zeit- und Raumerleben
2.4.4. Die beständige Bedeutsamkeit der Familie
2.4.5. Die gesteigerte Bedeutung der Peer Group
2.4.6. Kindheit und Medien – Neil Postmans These vom Verschwinden der Kindheit
3. Erziehung im Überblick
3.1. Definitionen des Begriffes Erziehung
3.2. Der Erziehungsprozess
3.3. Die Erziehung im Wandel der Zeit
3.3.1. Allgemeine Übersicht
3.3.2. Die Reformpädagogik
3.3.3. Erziehung im Dritten Reich
3.3.4. Erziehung in der DDR - Exkurs zum deutschen Phänomen einer geteilten Kindheitsbiographie
3.3.5. Aspekte des Wandels ab 1945
4. Die gegenwärtige Erziehungssituation in Abhängigkeit zum sozialen Konstrukt der Kindheit
4.1. Die vernachlässigte Kompetenz der Selbsterziehung
4.2. Pro und Contra Erziehung, oder: Alles nur eine Frage der Quantität?
4.3. Es geht auch ohne Erziehung – und keiner vermisst sie
4.4. Warum die Erziehung zu scheitern droht
4.4.1. Kinder und ihre Erziehung als „Projekt“ der Eltern
4.4.2. Die Zunahme der sogenannten Erziehungsunsicherheit
4.4.3. Unrealistische Vorstellungen hinsichtlich der Übernahme elterlicher Verantwortung
4.4.4. Die Wandlung des Erziehungsprozesses zum Sozialisationsprozess
4.5. Die Frage nach der verbleibenden Funktion von Erziehung in der modernen Gesellschaft
4.5.1. Das Verschwinden der Zukunft in die Gegenwart
4.5.2. Bildungsprozesse initiieren
4.5.3. Dialogfähigkeit anregen
4.5.4. Gemeinsam Grenzen neu vermessen
4.5.5. Werte für das Hier und Jetzt – und für alle
4.5.6. Moral und Ethik - Verantwortungsethik als Erziehungsziel
4.6. Keine Verlierer, keine Gewinner – ein Fazit
4.7. Ein neues soziales Phänomen: Die Infantilisierung Erwachsener
4.8. Der neue Generationenzusammenhang
4.9. Der Bezug zur Sozialen Arbeit
Das Buch untersucht die verbleibende Funktion von Erziehung in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft, in der Kindheit als soziales Konstrukt einem stetigen Wandel unterliegt. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, ob und wie Erziehung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Transformationsprozesse noch möglich und notwendig ist, wenn traditionelle Strukturen und Zukunftsvorstellungen an Relevanz verlieren.
2.2.1. Die Kindheit in der Antike
Über die Einstellung zum Kind in der Antike wissen wir sehr wenig, aber schon die alten Griechen hatten eine Vorstellung von Kindheit mit einer besonderen Behandlung von Kindern im Unterschied zu den Erwachsenen. Kinderspielzeug beispielsweise war keine Erfindung der Neuzeit, sondern wurde bereits in der Antike aus Ton oder Holz gefertigt. Jedoch hatte die antike Auslegung der Kindheit nur wenig gemein mit unserer heutigen Vorstellung, da die damaligen Kleinen noch keinen besonderen Schutz, Pflege oder Einfühlungsvermögen genossen. „Obgleich sich keines ihrer Gemälde erhalten hat, ist es unwahrscheinlich, dass es die Griechen der Mühe wert erachteten, Kinder auf ihnen darzustellen. Aber immerhin wissen wir, dass sich unter ihren erhalten gebliebenen Statuen keine einzige Darstellung eines Kindes befindet“21. Anhaltspunkte zur Unterstützung dieser These finden sich beim Thema Schule – welche von den alten Griechen ins Leben gerufen wurde. Die Schulen im antiken Griechenland waren keine öffentlichen Gebäude, wie wir sie heute kennen. Stattdessen wurden die Kinder (bzw. nur die Knaben) reicher Eltern von den Haussklaven in das Privathaus des Lehrers gebracht. Schulbildung genoss also nur derjenige, der (bzw. dessen Eltern) es sich leisten konnte (ein Gedanke, der in Deutschland übrigens ansatzweise auch heute wieder aufgegriffen zu werden scheint).
1. Hinführung zur Thematik: Einführung in die Problematik, dass historische Vorstellungen von Kindheit und Erziehung veraltet sind und eine Neubestimmung in Zeiten gesellschaftlichen Wandels erfordern.
2. Die Kindheit – Werdegang eines gesellschaftlichen Konstruktes: Analyse der historischen Entwicklung von Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt, von der Antike über das Mittelalter bis zur heutigen, von Konsum und Medien geprägten Lebenswelt.
3. Erziehung im Überblick: Begriffsbestimmung von Erziehung sowie historische Analyse pädagogischer Ansätze vom Wandel der Zeit, inklusive spezieller Exkurse zur Reformpädagogik, dem Dritten Reich und der DDR.
4. Die gegenwärtige Erziehungssituation in Abhängigkeit zum sozialen Konstrukt der Kindheit: Untersuchung der aktuellen Krise der Erziehung, geprägt von Leistungsdruck, Erziehungsunsicherheit und der Tendenz zum Sozialisationsprozess, mit einem Ausblick auf die Rolle der Sozialen Arbeit.
Erziehung, Kindheit, Sozialisation, gesellschaftlicher Wandel, Erziehungsunsicherheit, Pädagogik, Peer Group, Kindheitskonstrukt, Generationenzusammenhang, Mündigkeit, Reformpädagogik, Medienkompetenz, soziale Arbeit, Wertevermittlung, Identitätsfindung.
Es geht um die Frage, welche Funktionen Erziehung in der modernen Gesellschaft noch hat, nachdem sich das gesellschaftliche Bild von Kindheit und die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen fundamental verändert haben.
Zu den zentralen Feldern zählen die historische Entwicklung der Kindheit, der Einfluss von Konsum und Medien, die Rolle der Familie und der Peer-Group sowie die Krisensymptome der Erziehung.
Das Ziel ist es, für die modernen Probleme von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie Erziehung angesichts gesellschaftlicher Wandlungsprozesse neu definiert werden kann.
Die Autorin beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven, darunter anthropologische, soziologische, pädagogische, kulturelle und historische Ansätze, um eine umfassende Analyse zu ermöglichen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung von Kindheit als soziales Konstrukt, der Geschichte der Erziehung und einer tiefgehenden Analyse der aktuellen Erziehungssituation und deren Scheitern.
Wichtige Begriffe sind Erziehung, Kindheit, Sozialisation, Erziehungsunsicherheit, Mündigkeit und Generationenzusammenhang.
Dieses Kapitel dient als Exkurs, um anhand einer geteilten Kindheitsbiographie aufzuzeigen, wie das staatliche Interesse an der Erziehung die Kindheit beeinflussen und instrumentalisieren kann.
Dies bezieht sich auf die These von Neil Postman, die besagt, dass durch den Einfluss von Massenmedien die Grenze zwischen der Welt der Kinder und der Erwachsenen verschwimmt und somit das geschützte Aufwachsen gefährdet wird.
Die Sozialarbeit wird als Institution begriffen, die mit den neuen Herausforderungen der Erziehung und Pädagogisierung umgehen muss, um das Recht auf Selbstbestimmung des Kindes zu wahren.
Das Buch bietet keine fertige Lösung, sondern plädiert für einen Perspektivenwechsel: Weg vom erziehenden Erzieher hin zum lernenden Kind, welches in einer partnerschaftlichen Beziehung begleitet werden sollte.
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