Examensarbeit, 2006
89 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
I. Migration und deutsch-türkische Migrationsliteratur
A. Zur Situation von Migrantinnen türkischer Herkunft in Deutschland
B. Theoretische Überlegungen zu den Begriffen Kultur, Identität und den Modi des Fremderlebens
1. Zum Wandel des Kultur- und Identitätsverständnisses im Zuge weltweiter Migrationen
2. Deutungsmuster im Umgang mit Fremdheit
C. Migrationsliteratur – Begriffsbestimmung, Phasen und Potential des Gegenstandes
II. Analyse ausgewählter deutschsprachiger Migrationsliteratur
A. Saliha Scheinhardt „Drei Zypressen“ (1984)
1. Zur Autorin und dem Inhalt und Aufbau des Werkes
2. ‚Orientalismus’, demonstriert an der Erzählung über das Schicksal von Gülnaz K.
3. Kritik an der Kolportageliteratur Scheinhardts
B. Aysel Özakin „Die Leidenschaft der Anderen“ (1983)
1. Aysel Özakin – eine herausragende Autorin auf dem Weg kultureller Grenzüberschreitung
2. Die Protagonistin und ihre Auseinandersetzung mit Fremd- und Selbstzuschreibungen
3. Zum Wirkungspotential der Erzählung
C. Emine Sevgi Özdamar „Die Brücke vom goldenen Horn“ (1998)
1. Vita und Werk der Autorin Emine Sevgi Özdamar
2. Inhalt und zeitliche Konstruktion des Romans
3. Überlegungen zur Erzählstruktur, -strategie und Sprache
3.1. Die spezifische Architektur des Romans
3.2. Das Ineinander von Spiel und Ernst
4. Zum Identitäts- und Integritätsbildungsprozess der Protagonistin
4.1. Abnabelung von der ‚Heimat’, ausgelöst durch die Sehnsucht nach der Schauspielerei
4.2. Das ‚Wonaym’, Telefunken und die Großstadt Berlin - neue Lebensräume der Protagonistin und ihr Umgang mit Fremderfahrungen
4.3. Erwachen als Frau, politischer Aufbruch und die Theaterarbeit als Lebensprojekt der Romanheldin
5. Abschließende Überlegungen und Vergleich des Romans mit den Werken Scheinhardts und Özakins
Schlusskapitel
Diese Arbeit analysiert ausgewählte Werke der deutschsprachigen Migrationsliteratur von Autorinnen türkischer Herkunft seit 1980, wobei der Schwerpunkt auf der literaturwissenschaftlichen Darstellung türkischer Frauenfiguren liegt. Das Ziel besteht darin, die Konstruktion von Identität und die Erfahrung von Fremdheit kritisch zu untersuchen und zu erörtern, wie sich die Darstellung dieser Figuren im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat.
Die spezifische Architektur des Romans
„Der beleidigte Bahnhof“ – die Umschreibung für den Anhalter Bahnhof in Berlin – und „Die Brücke vom Goldenen Horn“ sind geschichtlich bekannte Bauwerke, die mit ihrem historischen Symbolcharakter den Grad der Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie im Leben einzelner Menschen eine Rolle gespielt haben oder spielen können. Die Technik, dass besondere Orte in literarische Texte eingebunden werden bewirkt, dass persönlich Erlebtes umso historischer und Fiktionalität umso authentischer wirken.
Die Überschrift ‚Der beleidigte Bahnhof’ verweist auf Özdamars bildhafte Sprache, die den Berliner Anhalter Bahnhof in einer modifizierten Form erscheinen lässt: „Wir nannten ihn den zerbrochenen Bahnhof. Das türkische Wort für ‚zerbrochen’ bedeutet gleichzeitig auch beleidigt. So heißt er auch ‚der beleidigte Bahnhof’.“ (S. 25) Durch die unmittelbare Übersetzung des türkisch Gedachten ins Deutsche reduziert die Protagonistin das wahrgenommene ‚Fremde’, um es sich auf diese Weise besser anzueignen. Reduktion und Abstraktion der Sprache bewirken, dass das Wahrgenommene verfremdet wird.
Einleitung: Vorstellung des Gegenstands der Arbeit, die sich auf die Analyse türkischer Frauenfiguren in der Migrationsliteratur seit 1980 konzentriert, sowie die theoretische Verortung.
I. Migration und deutsch-türkische Migrationsliteratur: Theoretische Grundlagen zu Migration, Kulturverständnis, Fremdheitsdeutungsmustern und der Definition von Migrationsliteratur.
II. Analyse ausgewählter deutschsprachiger Migrationsliteratur: Literaturwissenschaftliche Untersuchung der Werke von Saliha Scheinhardt, Aysel Özakin und Emine Sevgi Özdamar hinsichtlich Identitätsbildung und Darstellung türkischer Frauen.
Schlusskapitel: Zusammenfassende Darstellung der Entwicklung von essentialisierenden Opferrollen hin zu hybriden Identitätskonzepten in der modernen Migrationsliteratur.
Migrationsliteratur, türkische Frauenfiguren, Identitätsbildung, Fremderfahrung, Hybridität, Orientalismus, Deutsch-türkische Literatur, Saliha Scheinhardt, Aysel Özakin, Emine Sevgi Özdamar, Kultur, Selbstreflexion, Integrationsprozesse, literarische Analyse, Stereotypisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse von Werken deutschsprachiger Autorinnen türkischer Herkunft, wobei der Fokus auf der Darstellung türkischer Frauenfiguren und deren Identitätsfindungsprozessen liegt.
Die zentralen Themen sind die Konstruktion von Identität, die Auseinandersetzung mit Fremdheit, die Rolle kultureller Zuschreibungen sowie die kritische Reflexion des „Orientalismus“ und stereotypisierender Opferdarstellungen.
Ziel ist es, herauszustellen, wie die Themen Identitätsfindung und Fremderfahrung in den ausgewählten Werken bearbeitet werden und wie sich die Darstellung der Frauenfiguren von den 80er Jahren bis heute gewandelt hat.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze zu Hybridität und Fremdheit (u.a. nach Said und Bhabha) mit einer textnahen Untersuchung der ausgewählten Romane verknüpft.
Im Hauptteil werden Werke von Saliha Scheinhardt, Aysel Özakin und Emine Sevgi Özdamar detailliert analysiert, um die Entwicklung der Migrationsliteratur und der darin entworfenen Frauenbilder aufzuzeigen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Migrationsliteratur, Identitätsbildung, Hybridität, Fremderfahrung, Cultural Studies und die Analyse türkischer Frauenfiguren charakterisiert.
Der Roman „Die Brücke vom goldenen Horn“ wird als aktuell eingestuft, da er über die ältere Phase der „Betroffenheitsliteratur“ hinausgeht und den Prozess der Identitätsbildung auf eine Weise reflektiert, die aktuellen Rezeptionsgewohnheiten entspricht.
Während Scheinhardt ihre Figuren oft einseitig in der Opferrolle darstellt und stereotype „Suleika“-Bilder reproduziert, gestaltet Özdamar ihre Protagonistin als waches, hybrides Individuum und nutzt ironische sowie satirische Mittel zur Infragestellung starrer Normsysteme.
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