Magisterarbeit, 1999
77 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1 Historische Analyse
1.1 Martin Luther
1.1.1 Das Allgemeine Priestertum in der Anthropologie Luthers
1.1.1.1 Der innere Mensch
1.1.1.2 Das allgemeine Priestertum
1.1.1.3 Der äußere Mensch
1.1.2 Luthers Lehre von den Ämtern
1.1.2.1 Amt und Dienst
1.1.2.2. Amt und Beruf
1.1.2.3. Amt und Gehorsam
1.1.2.4. Amt und mortificatio
1.1.3 Allgemeines Priestertum und Weltperson
1.1.3.1 Die Ämter des Allgemeinen Priestertums
1.1.3.2 Das ministerium verbi
1.1.3.3 Die Beschränkung zum ministerium verbi
1.1.4 Das ordinierte Amt
1.1.4.1 Das ordinierte Amt als Amt der Welt
1.1.4.2 Die Bedeutung der Ordination
1.1.5 Allgemeines Priestertum und ordiniertes Amt
1.2 Das Allgemeine Priestertum in der Theologie der Reformation
1.2.1 Melanchthons Confessio Augustana
1.2.1.1 Artikel V – Vom Predigtamt
1.2.1.2 Artikel XIV – Die kirchliche Ordination
1.2.1.3 Das Allgemeine Priestertum bei Melanchthon
1.2.1.4 Wortverkündigung und Allgemeines Priestertum
1.2.1.5 Artikel VII (und VIII) – Congregatio Sanctorum
1.3 Amtskritische Ansätze im Pietismus – P. J. Spener
1.4 Amt und Allgemeines Priestertum im 19. Jahrhundert
1.4.1 Friedrich Julius Stahl – Stiftungstheorie
1.4.2 Johann Wilhelm Friedrich Höfling – Übertragungstheorie
1.4.3 Friedrich Schleiermacher
1.4.4 Carl Immanuel Nitzsch
1.5 Amt und Allgemeines Priestertum im 20. Jahrhundert
1.5.1 Das Allgemeine Priestertum in der Kirchenverfassungsdebatte
1.5.1.1 Martin Schian
1.5.1.2 Martin Rade
1.5.2 Lutherforschung im 20. Jahrhundert
1.5.2.1 Werner Elert
1.5.2.2 Hans Storck
1.5.3 Befreiungstheologische Ekklesiologie als Konzept des Allgemeinen Priestertums
1.5.3.1 Das Modell der Basisgemeinde
1.5.3.2 Die Gemeinde als ganze ist priesterlich
1.5.3.3 Die Einbeziehung der Charismen
1.5.4 Das Konzept von Hans-Martin Barth
1.5.4.1 Das allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum aller Glaubenden
1.5.4.2 Das ordinierte Amt und das Allgemeine Priestertum
1.5.4.3 Aufgaben des Amtes
1.5.4.4 Die charismatische Begründung des Allgemeinen Priestertums
1.5.4.5 Problemfelder und Herausforderungen
1.6 Zwischenbilanz
2 Praktisch-theologische Aspekte unserer Zeit
2.1 „Die Einführung in das Leben“ von Manfred Josuttis
2.2 Das Amtsverständnis in der Ordination
2.3 Selbstdarstellung der Kirche in ihren Handlungsfeldern
2.3.1 Das Spannungsfeld zwischen Experten und Laien
2.3.2 Der Gottesdienst
2.3.3 Die Praxis der Taufe
2.3.4 Verpflichtung aller zum seelsorgerlichen Handeln
3 Zusammenfassung und Stellungnahme
4 Anhang: Ordinationsvorhalt der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
5 Literaturliste
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem „Priestertum aller Gläubigen“ und dem geistlichen Leitungsamt innerhalb der evangelischen Kirche. Das primäre Ziel ist es, dieses ekklesiologische Problemfeld historisch-systematisch zu durchleuchten, um für die gegenwärtige praktisch-theologische Diskussion eine glaubwürdige Position zu erarbeiten, die sowohl die Gemeinde als auch das ordinierte Amt angemessen integriert.
1.1.1.2 Das allgemeine Priestertum
Der Aspekt der „unio cum christo“ findet sich auch in der Taufe wieder. Die Taufe ist Ausdruck für die Gemeinschaft mit Gott. Luthers Auffassung vom neuen Sein der Glaubenden in der Gemeinschaft mit Christus hat ihren umfassenden Ausdruck in der Lehre vom Allgemeinen Priestertum. Es ist der Inbegriff des neuen Seins vor Gott. Luther faßt den Priesterbegriff als geistlichen, inneren Begriff auf, der unmittelbar an das Geschehen der Rechtfertigung anknüpft. Seine Wurzel liegt im inneren Vorgang.
Der Zusammenhang zwischen Allgemeinem Priestertum und Rechtfertigung ist durch den gemeinsamen Bezug zum Glauben gegeben. Sachlich besteht diese Verknüpfung für Luther in dem Priestertum Jesu und seiner das Priestertum der Menschen begründenden Heilstat. Der Glaube an Christus impliziert den Glauben an das stellvertretende Priestertum. Der Glaube ist das Bindeglied zwischen dem Hohenpriester Christus und dem Priestertum der Menschen. „So ich nun glaub, so bin ich auch ein prister“.
Historische Analyse: Dieses Kapitel untersucht die Entwicklung des Priestertum-Verständnisses bei Luther und dessen Auswirkungen auf die Lehre von den Ämtern sowie die Einordnung in die Zwei-Reiche-Lehre.
Das Allgemeine Priestertum in der Theologie der Reformation: Hier wird die Rezeption des Konzepts in der Confessio Augustana und die zunehmende institutionelle Abgrenzung des Priestertums gegenüber dem ordinierten Amt analysiert.
Amtskritische Ansätze im Pietismus – P. J. Spener: Dieses Kapitel widmet sich der dynamischen Erneuerung des geistlichen Priestertums durch Spener und dessen Forderung nach einer aktiven Beteiligung der Laien.
Amt und Allgemeines Priestertum im 19. Jahrhundert: Hier werden die Stiftungs- und die Übertragungstheorie gegenübergestellt, die als Reaktionen auf kirchenpolitische Umbrüche entstanden.
Amt und Allgemeines Priestertum im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel bietet eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Kirchenverfassungsdebatte, der Lutherforschung und neuen befreiungstheologischen Ansätzen.
Praktisch-theologische Aspekte unserer Zeit: In diesem Teil werden aktuelle pastoraltheologische Ansätze und die Bedeutung der Ordinationspraxis anhand konkreter Beispiele untersucht.
Zusammenfassung und Stellungnahme: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und plädiert für ein neues Verständnis, das die Trennung zwischen Amt und Gemeinde überwindet.
Allgemeines Priestertum, Ordiniertes Amt, Pfarramt, Ekklesiologie, Martin Luther, Rechtfertigung, Ordination, Pietismus, Basisgemeinde, Seelsorge, Laien, Fachkompetenz, Kommunikation, Gemeindeaufbau, Kirchenverfassung.
Die Arbeit analysiert das komplexe und oft spannungsgeladene Verhältnis zwischen dem „Priestertum aller Gläubigen“ und dem ordinierten kirchlichen Amt aus praktisch-theologischer Perspektive.
Die Themen umfassen die historische Entwicklung des Amtsbegriffs seit Luther, ekklesiologische Reformbewegungen (Pietismus, Befreiungstheologie) sowie die heutige Rollenverteilung zwischen Hauptamtlichen und Laien.
Das Ziel ist es, eine Position zu entwickeln, die das Allgemeine Priestertum nicht nur als theologisches Ideal betrachtet, sondern als eine handlungsleitende Größe für die Gestaltung kirchlicher Strukturen und der Gemeindepraxis etabliert.
Es handelt sich um eine historisch-systematische Analyse, die theologiegeschichtliche Quellen mit pastoraltheologischen Fragestellungen der Gegenwart verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte historische Untersuchung (von Luther bis ins 20. Jahrhundert) und einen zweiten Teil, der die Anwendung in gegenwärtigen Handlungsfeldern wie Gottesdienst, Taufe und Seelsorge beleuchtet.
Wesentliche Begriffe sind „Allgemeines Priestertum“, „Ordinierung“, „Ekklesiologie“, „Laienkritik“ und „Gemeindekommunikation“.
Der Autor schätzt Barths Entwurf als überzeugenden theoretischen Beitrag, der die Kommunikation als entscheidendes neues Element einführt, merkt jedoch kritisch an, dass soziologische Realitäten der heutigen Kirche zu wenig berücksichtigt werden.
Die Kritik besteht darin, dass der Ordinationsvorhalt zu stark auf das ordinierte Amt fixiert bleibt und die in der Taufe grundgelegte Vollmacht des Allgemeinen Priestertums nur rudimentär oder gar nicht zur Geltung bringt.
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