Bachelorarbeit, 2007
65 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Der Kulturbegriff
2.1.1.Sprache und Kultur
2.2. Migration
2.2.1. Definition "Migration"
2.2.2. Migrationshintergrund
2.2.3. Fluchtmigration
2.2.4. Arbeitsmigration
3. Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland
3.1. Einwanderungsland Deutschland
3.2. Die Geschichte der italienischen Arbeitsmigration nach Deutschland
3.2.1. Die „Transalpini“ - Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg
3.2.2. Vom Fremdarbeiter zum Zwangsarbeiter - Italienische Arbeitsmigranten im Dritten Reich
3.2.3. Gastarbeiter für das Wirtschaftswunder
4. Integration oder Segregation- Die Situation von Migranten und ihren Kindern in Deutschland
4.1. Misslungene Integration?
4.2. Pizza, Pasta und Espresso - Das Bild der Italiener in Deutschland
4.2.1. Daten und Fakten
4.3. Die Bildungssituation der Migrantenkinder
4.3.1. Schüler italienischer Herkunft im deutschen Schulsystem
4.3.2. Warum so schlecht?
5. Bilingualismus und Identität
5.1. Versuch einer Definition
5.2. Identität und Kultur
5.2.1. Zum Begriff der Identität
6. Empirischer Teil
6.1. Auswertung der Ergebnisse
6.1.1. Interview mit Jill C.
6.2. Fragebogen
6.2.1. Internetumfragen
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die Lebenssituation sowie die Identitäts- und Bilingualitätsentwicklung der italienischen Gastarbeiterkinder der zweiten und dritten Generation in Deutschland. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich der Migrationshintergrund auf die schulischen Bildungschancen und die Selbstdefinition dieser Kinder auswirkt, insbesondere im Kontext von Integration und Segregation.
3.2.3. Gastarbeiter für das Wirtschaftswunder
Wie bereits in Kapitel 2.2 erwähnt, erfuhr Deutschland mit Beginn des Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren die größte und am längsten anhaltende Migrationswelle. Der Arbeitskräftemangel veranlasste den Staat umgehend eine Lösung zum weiteren Antrieb des Wirtschaftswachstums zu finden. Den ersten Anwerbevertrag um ausländische Arbeitskräfte ins Land zu holen schloss Deutschland mit Italien am 22. Dezember 1955 (vgl. ÖZDEMIR, C. 2000: 70). Es waren vor allem Süditaliener, die ihre Chance nutzten und vor der Armut flohen um in Deutschland ein Abenteuer einzugehen. In Süditalien, Sizilien und Sardinien war die Arbeitslosigkeit, und damit auch die Armut, sehr hoch, weshalb die italienische Regierung schon vor 1955 versucht hatte, Arbeitskräfte nach Deutschland zu vermitteln (vgl. RÖNNEBURG, C. 2005: 11). Hunderttausende Italiener machten sich auf, um unter anderem in Zechen, Autowerken und Fabriken zu arbeiten.
In einem Interview mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Ausländerangelegenheiten und Ratsherren der Stadt Wolfsburg, Rocco A., SPD, am 12. April 2007 erzählte mir der aus einem kleinen Dorf namens Alanno in den Abruzzen stammende Italiener seine ganz persönliche Migrationsgeschichte. Nachdem er drei Jahre beim italienischen Militär gedient und dort eine Ausbildung zum Datenverarbeitungs- Operateur gemacht hatte, kehrte er mit 19 Jahren wieder in sein Dorf zurück und fing an, nach einer geeigneten Arbeit zu suchen. Da es aber in den 50er und 60er Jahren in Italien kaum Computer gab, und wenn, dann vorwiegend im Norden, bestand für ihn kaum eine Möglichkeit mit seiner Ausbildung einen Job zu finden. Nur diejenigen mit sehr guten Beziehungen hatten Chancen. Artale meint, dass es in den 60er Jahren für junge Italiener generell aussichtslos gewesen sei eine Arbeit zu finden. Nach mehreren Monaten des Wartens entschloss er sich im Februar 1961 auszuwandern und in der Fremde sein Glück zu versuchen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Arbeitsmigration seit den 1960er Jahren und skizziert das Dilemma der mangelnden Integration sowie der schulischen Benachteiligung von Migrantenkindern.
2. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Kultur, Migration und die verschiedenen Migrationsarten (Flucht- und Arbeitsmigration) als theoretisches Fundament.
3. Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland: Die historische Entwicklung Deutschlands vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland wird dargestellt, mit besonderem Fokus auf die Geschichte der italienischen Arbeitsmigration.
4. Integration oder Segregation- Die Situation von Migranten und ihren Kindern in Deutschland: Das Kapitel analysiert die Integrationsprobleme und die Bildungssituation von Migrantenkindern, insbesondere den erschreckend hohen Anteil an Hauptschulbesuchen bei italienischen Schülern.
5. Bilingualismus und Identität: Hier wird das Phänomen der Zweisprachigkeit beleuchtet und in Zusammenhang mit Identitätsbildung sowie den Herausforderungen einer bikulturellen Existenz gesetzt.
6. Empirischer Teil: Die Ergebnisse aus persönlichen Interviews und Internetumfragen werden zusammengefasst und ausgewertet, um die theoretischen Annahmen durch reale Erfahrungen zu ergänzen.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass es keine einfache Antwort auf die Auswirkungen von Bilingualität gibt und dass durch Migration entstandene Mehrsprachigkeit komplexe Herausforderungen mit sich bringen kann.
Gastarbeiter, Arbeitsmigration, Integration, Bildungsbenachteiligung, Identität, Bilingualismus, Zweisprachigkeit, italienische Einwanderung, Migrationshintergrund, Identitätskonflikte, Schule, Assimilation, Segregation, Wirtschaftswunder, Wolfsburg.
Die Arbeit untersucht die Situation von Kindern italienischer Gastarbeiter in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf ihrer Identitätsentwicklung, ihrer zweisprachigen Kompetenz und ihren Bildungschancen liegt.
Zentrale Themen sind die Geschichte der italienischen Migration, die soziale Integration in Deutschland, die Herausforderungen des Bilingualismus und die Identitätsproblematik der zweiten und dritten Einwanderergeneration.
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung und Identitätsbildung zu klären und zu analysieren, warum viele Kinder italienischer Herkunft im deutschen Bildungssystem benachteiligt sind.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse wurde ein empirischer Teil mit Interviews (u.a. mit einem Ratsherren aus Wolfsburg) und Internetumfragen durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, eine historische Aufarbeitung der Migration, eine Analyse der aktuellen Situation (Bildung und Integration) sowie eine Untersuchung zur bilingualen Identitätsbildung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gastarbeiter, Integration, Bildungschancen, Bilingualismus, Identitätskonflikte und die italienische Einwanderungsgeschichte.
Wolfsburg dient als Positivbeispiel für gelungene Integration, da durch die Initiative von Migranten selbst und kommunale Unterstützung eine bessere Integration erreicht wurde.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Identitätskonflikte oft aus einer bikulturellen Ambivalenz entstehen, bei der sich Betroffene zwischen zwei Kulturen nicht vollständig zugehörig fühlen.
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