Magisterarbeit, 2007
119 Seiten, Note: 1,35
1. EINFÜHRUNG: ENCYCLOPÉDIE UND AUFKLÄRUNG
2. DIE ENCYCLOPÉDIE UND IHR AUFKLÄRERISCHES MOMENT
2.1. Ideelle Vorläufer
2.1.1. Francis Bacon
2.1.2. Pierre Bayle
2.2. Ordnungsmuster
2.2.1. Schema der menschlichen Kenntnisse
2.2.2. Alphabetische Ordnung
2.2.3. Das System der Querverweise
2.3. Universalität des Wissens
2.4. Die société des gens des lettres
3. GENESE DER ENCYCLOPÉDIE
3.1. De Prades und Jerusalem coelesti
3.2. D'Alembert und Genève
3.3. Helvétius und De l'Esprit
4. DIE RELIGIONSKRITIK DER ENZYKLOPÄDISTEN
4.1. Historische Rahmenbedingungen
4.1.1. Die Kirche im Ancien Régime
4.1.2. Locke und die religiöse Toleranz in England
4.2. Hauptströmungen französischer Religionskritik
4.2.1. Materialismus
4.2.2. Deismus
4.3. Die Religionskritik in der Encyclopédie
4.3.1. Zur Radikalität französischer Religionskritik
4.3.2. Ironie und Sarkasmen
4.3.3. Die Toleranzforderung
4.3.4. Die Stellung zum Judentum
5. DAS POLITISCHE DENKEN IN DER ENCYCLOPÉDIE
5.1. Historische und ideengeschichtliche Rahmenbedingungen
5.1.1. Der französische Absolutismus
5.1.2. Das Englandbild der Enzyklopädisten
5.1.3. John Locke
5.1.4. Charles de Montesquieu
5.2. Anthropologie und Naturzustand
5.3. Staatswerdung
5.4. Philosophie der Staatsformen
5.4.1. Absolutismus
5.4.2. Konstitutionelle Monarchie
5.4.3. Republik und Demokratie
5.5. Die volonté générale in der Encyclopédie
5.5.1. Diderots Droit Naturel
5.5.2. Rousseaus Économie ou Oeconomie
5.5.3. Die volonté générale in weiteren Beiträgen
6. SCHLUSSBEMERKUNG
6.1. Resümee
6.2. Wirkungsgeschichte im europäischen Ausland
6.3. Encyclopédie und Revolution
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Encyclopédie als zentrales Instrument der französischen Aufklärung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Struktur, das Autorenkollektiv und die inhaltlichen Beiträge – insbesondere im Bereich der Religionskritik und des politischen Denkens – dazu dienten, das Ancien Régime kritisch zu hinterfragen und eine Änderung der herkömmlichen Denkweise herbeizuführen.
2.1.2. Pierre Bayle
1696 erschien der erste Band von Bayles Dictionnaire historique et critique. Sein Wörterbuch schrieb er als Gegenstück zu dem Moréris, der in seinem Dictionnaire insbesondere die Biographien von Heiligen sowie Geographie und Geschichte thematisiert hatte. Seine Auslassungen, Fehler und Ungenauigkeiten wollte Bayle aufdecken, denn nur dann könnte die Geschichte (choses de fait) genauso sicher sein wie die Erkenntnisse der Wissenschaften (choses de droit). Historische Ereignisse könnten für die Menschen sogar nützlicher und zuverlässiger sein als die Axiome der Mathematik, wenn die Auslassungen und Irrtümer schonungslos aufgedeckt werden würden. Entsprechend handelt es sich bei Bayle auch mehr um eine Anti-Enzyklopädie als eine Enzyklopädie. Er sammelt kein Wissen, sondern Nicht-Wissen.
„Je me suis mis en tête de compiler le plus gros recueil qu'il me sera possible des fautes qui se rencontrent dans les Dictionnaires, & de ne me pas renfermer dans ces espaces, quelque vastes qu'ils soient, mais de faire aussi des course sur toutes sortes d'Auteurs, quand l'occasion s'en presentera.“
Die Irrtümer stellt Bayle dar, indem er die Artikel auf das Notwendigste beschränkt. In Fußnoten zu den Beiträgen diskutiert er dann spezielle Aspekte eines Themas. Er nennt Quellen, zitiert Autoritäten und stellt divergierende Positionen gegenüber, so dass der Leser kaum noch weiß, was Fakten und was Irrtümer sind. Nahezu jeder Beitrag thematisiert „eine Illusion, einen Irrtum, einen Betrug oder gar ein Verbrechen [..].“ Wie bei Diderot und d'Alembert sind die wahren Intentionen Bayles zwischen den Zeilen versteckt. Seine philosophischen Spitzen verbergen sich oft nicht im Artikelkorpus, sondern in Fußnoten, die zuweilen länger sind als die Artikel selbst.
1. EINFÜHRUNG: ENCYCLOPÉDIE UND AUFKLÄRUNG: Diese Einleitung skizziert das Werk als ein riesiges Gemeinschaftsprojekt der Aufklärung und führt die zentralen Themenbereiche ein.
2. DIE ENCYCLOPÉDIE UND IHR AUFKLÄRERISCHES MOMENT: Dieses Kapitel befasst sich mit den Vorläufern und den strukturellen Ordnungsprinzipien des Werks, die bereits aufklärerische Züge tragen.
3. GENESE DER ENCYCLOPÉDIE: Das Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, inklusive der Rolle der Herausgeber und der Konflikte mit der Zensur.
4. DIE RELIGIONSKRITIK DER ENZYKLOPÄDISTEN: Hier werden die Rahmenbedingungen der Kirchenkritik sowie die verschiedenen Strömungen wie Materialismus und Deismus analysiert.
5. DAS POLITISCHE DENKEN IN DER ENCYCLOPÉDIE: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Konzepte zu Staatsformen, Naturzustand und dem Gemeinwillen (volonté générale).
6. SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, die Wirkungsgeschichte im Ausland betrachtet und die Verbindung zur Französischen Revolution diskutiert.
Aufklärung, Encyclopédie, Denis Diderot, Jean LeRond d'Alembert, Religionskritik, politisches Denken, Vernunft, Toleranz, Ancien Régime, volonté générale, Materialismus, Deismus, Zensur, Souveränität, Naturzustand
Die Arbeit untersucht die philosophischen, politischen und religionskritischen Grundpositionen der französischen Aufklärung, wie sie in der Enzyklopädie (Encyclopédie) von Diderot und d'Alembert zum Ausdruck kommen.
Die zentralen Felder sind die Genese des Werks, die Kritik am Ancien Régime, die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche sowie die politische Theorie hinsichtlich Staatsformen und Volkssouveränität.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Encyclopédie als "Spiegel der Aufklärung" fungierte und wie die Herausgeber und Autoren durch Struktur und Inhalt versuchten, die gesellschaftliche und politische Denkweise ihrer Zeit zu verändern.
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und ideengeschichtliche Untersuchung, die primäre Quellen der Enzyklopädisten analysiert und in den historischen Kontext der französischen Aufklärung einbettet.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Ordnung des Wissens, die Analyse der Religionskritik (Materialismus, Deismus) und das politische Denken, insbesondere die Staatsphilosophie von Locke und Montesquieu.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Vernunft, volonté générale (Gemeinwille), Toleranz, Naturzustand, Absolutismus und die Zensur als prägender Faktor der Enzyklopädie.
Die Zensur zwang die Autoren, ihre kritischen Meinungen "zwischen den Zeilen" zu verstecken, oft durch Metaphern, Ironie oder satirische Querverweise, da eine direkte Kritik lebensgefährlich oder strafbar gewesen wäre.
Der Begriff ist zentral, um das Verhältnis zwischen Individuum und Staat zu verstehen. Die Arbeit zeigt, wie unterschiedlich Diderot und Rousseau diesen Begriff konzipierten und welche Konsequenzen dies für das Verständnis von Recht und Pflicht hatte.
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