Magisterarbeit, 2007
108 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der Studie
2.1 Problem im Kontext der Soziolinguistik
2.2 Kontaktlinguistik
2.2.1 Zweisprachigkeit
2.2.2 Zweitspracherwerb
2.2.3 Spracherhalt
2.3 Empirische Studien zum Thema
2.4 Fragestellung und Arbeitshypothesen
3 Rechtsgrundlage der jüdischen Einwanderung
4 Empirische Studie
4.1 Untersuchungsmethode
4.1.1 Durchführung der Befragung, Personenkreis der Probanden
4.1.2 Anzahl der Probanden, Auswertungsmethode
4.1.3 Aufbau des Fragebogens
4.2 Auswertung
4.2.1 Soziale Struktur
4.2.1.1 Wohnort
4.2.1.1.1 In der (ehemaligen) Sowjetunion
4.2.1.1.2 In Deutschland
4.2.1.2 Alter
4.2.1.3 Geschlecht
4.2.1.4 Familienstand
4.2.1.5 Ethnische Identität
4.2.1.5.1 Nationalität und Religion
4.2.1.5.2 Mischehen
4.2.1.6 Bildungsstand
4.2.1.7 Berufliche Situation
4.2.1.7.1 Vor der Ausreise
4.2.1.7.2 In Deutschland
4.2.1.8 Ausreisemotive
4.2.2 Sprachverhalten
4.2.2.1 Sprachverhalten vor der Ausreise
4.2.2.2 Sprachverhalten in Deutschland
4.2.2.2.1 Individuelle Geschichte des Deutschlernens
4.2.2.2.2 Selbsteinschätzung
4.2.2.2.3 Lernmotivation
4.2.2.2.3.1 Korrelation von Deutschkenntnissen und außersprachlichen Faktoren
4.2.2.2.4 Sprachgebrauch in Deutschland
4.2.2.2.4.1 Netzwerk
4.2.2.2.4.2 Domänenspezifischer Sprachgebrauch
4.2.2.2.5 Sprachattitüden
4.2.2.2.6 Spracherhalt, Sprachwechsel
5 Zusammenfassung
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das sprachliche Verhalten jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion empirisch zu dokumentieren und zu analysieren, um Gemeinsamkeiten im Zweitspracherwerb und beim Erstspracherhalt dieser spezifischen Migrantengruppe zu identifizieren.
2.2.1 Zweisprachigkeit
Wenn eine Person in die Situation des Kontaktes mit zwei Sprachen gelangt, spricht man von der Zweisprachigkeit (dem Bilingualismus) oder, wenn mehr als zwei Sprachen eingesetzt werden, von der Mehrsprachigkeit bzw. dem Multilingualismus. Dabei ist es offensichtlich sinnvoll, nur dann den Zustand einzelner Sprecher als Zweisprachigkeit zu bezeichnen, wenn beide Sprachen bei der täglichen Kommunikation gebraucht werden, und nicht etwa dann, wenn man eine Fremdsprache als Schulfach lernt und sie nur ansatzweise beherrscht, ohne sich ihr im Alltag zu bedienen. Eine solche Definition ist in Glücks Lexikon Sprache zu finden (Glück 2000: 6284).
Im Gegensatz zur Diglossie als einem „Charakteristikum der gesellschaftlich bestimmten Verteilung bestimmter Funktionen auf verschiedene Sprachen oder Varietäten“ (Fishman 1975: 106) ist der Bilingualismus im Wesentlichen ein Charakteristikum individueller linguistischer Gewandtheit (ebd.). Nach der Hypothese von Weinreich (1976: 75 ff.) können zwei Sprachen im Individuum auf unterschiedliche Weise koexistieren:
• Derselbe Begriff wird durch je ein Strukturenelement in beiden Sprachen gespeichert (man spricht hier von „zusammengesetztem“, „kompositionellem“ oder „kombiniertem“ Bilingualismus). So sind z.B. das englische Wort „book“ und das russische „книга“ mit demselben semantischen Konzept „Buch“ verknüpft. Das geschieht, wenn beide Sprachen im gleichen Kontext erlernt werden, z. B. von einem Kind, das in einer bilingualen Familie aufwächst, wo zwei Sprachen von denselben Personen in den gleichen Situationen gesprochen werden (Fishman 1974: 116).
• Die zweite Weise des „Zusammenlebens“ von Sprachen bei bilingualen Menschen ist der Fall, wenn beide Sprachen in funktional differenzierten Kontexten erworben werden. Dann spricht man von „koordiniertem“ Bilingualismus; das heißt, beide Sprachen werden separat verarbeitet und mit jeweils unterschiedlichen Konzepten verknüpft. Außerdem haben die Menschen unterschiedliche Sprachfähigkeiten und können nicht immer beide Sprachen gleich gut beherrschen (vgl. Weinreich 1976: 21).
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Rolle Deutschlands als Einwanderungsland und konstatiert ein wissenschaftliches Defizit in der Untersuchung des Sprachverhaltens der spezifischen Gruppe jüdischer Kontingentflüchtlinge.
2 Theoretische Grundlagen der Studie: In diesem Kapitel werden die soziolinguistischen Rahmenbedingungen wie Zweisprachigkeit, Zweitspracherwerb und Spracherhalt erörtert, um die Basis für die empirische Analyse zu schaffen.
3 Rechtsgrundlage der jüdischen Einwanderung: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Entwicklung der Einwanderungsregelungen für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion seit der Wende.
4 Empirische Studie: Dies ist das Hauptkapitel, in dem das methodische Vorgehen der Befragung detailliert beschrieben und die gewonnenen Daten zu sozioökonomischer Struktur und Sprachverhalten ausgewertet werden.
5 Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Ergebnisse der Studie zusammengefasst und ein Ausblick auf den Bedarf für weiterführende, tiefergehende Forschung gegeben.
6 Verzeichnisse: Dieser Abschnitt enthält das umfassende Literaturverzeichnis sowie die Verzeichnisse für Abbildungen und Tabellen der Arbeit.
Jüdische Kontingentflüchtlinge, Soziolinguistik, Mehrsprachigkeit, Erstspracherhalt, Sprachwechsel, Zweitspracherwerb, Migrationslinguistik, soziale Integration, Identitätsforschung, Sprachverhalten, ehemalige Sowjetunion, Sprachbarrieren, Assimilation, russische Sprache, Deutschlernen.
Die Arbeit untersucht das Sprachverhalten jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland unter soziolinguistischen Gesichtspunkten.
Zentral sind der Zweitspracherwerb des Deutschen, der Erhalt der russischen Erstsprache, die soziokulturelle Integration sowie der Einfluss individueller und sozialer Faktoren auf diesen Prozess.
Das Ziel ist die Dokumentation der soziokulturellen Hintergründe der Migrantengruppe und die Feststellung, ob innerhalb dieser Gruppe Gesetzmäßigkeiten im Spracherwerb und Spracherhalt existieren.
Es wurde eine empirische Untersuchung in Form einer quantitativen Befragung mittels Fragebögen durchgeführt, an der 100 Personen aus ganz Deutschland teilnahmen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kontaktlinguistik und eine umfassende empirische Auswertung, die soziodemografische Daten, Sprachverhaltensmuster und Einstellungen zur Sprache analysiert.
Kernbegriffe sind jüdische Kontingentflüchtlinge, Mehrsprachigkeit, Sprachwechsel, Erstspracherhalt, Migration und soziolinguistische Integration.
Die Studie belegt, dass ein höheres Einreisealter die Chancen auf einen erfolgreichen Deutscherwerb signifikant verschlechtert, während jüngere Migranten schneller sprachliche Fortschritte erzielen.
Russisch wird meist mit emotionalen Werten wie „Heimat“ und „Seele“ verbunden, während das Deutsche primär als notwendiges, funktionales Werkzeug für das berufliche und öffentliche Leben wahrgenommen wird.
Ein ausgeprägter Sprachwechsel ist selten; die meisten Migranten behalten Russisch als ihre Hauptsprache bei, was auch durch enge familiäre Netzwerke und Kontakt zum Herkunftsland gestützt wird.
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