Bachelorarbeit, 2007
104 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Terminologische Erläuterungen
2.1. Säkularisierung – Säkularisation in geopolitischer Perspektive
2.1.1. Deutschland
2.1.2. Frankreich
2.1.3. Türkei
2.1.4. Säkularisierung nach Olivier Roy
2.2. Islamismus –Neofundamentalismus
2.2.1. Islamismus in wissenschaftlicher Rezeption
2.2.2. Dualistische Begriffsbestimmung nach Olivier Roy
2.2.2.1. Islamismus – Streben nach einem islamischen Staat
2.2.2.2. Neofundamentalismus – Die Abkehr von der politischen Ideologie
3. Das Scheitern des Islamismus
3.1. Die Nationalisierung des Islamismus
3.2. Staatliche Re-Islamisierung
4. Die Entwicklung der iranischen Geistlichkeit und ihre Beziehung zum Staat
4.1. Staatliche Etablierung des Schiitentums in Iran
4.2. Problematik der schiitisch-religiösen Legitimität
4.3. Die Vertiefung des Schiitentums im Iran durch Muhammad Baqir Majlisi
4.4. Die Unabhängigkeit des iranischen Klerus
4.5. Der Sieg der Usūlī und Anwendung von Ijtihād
4.6. Die Übertragung des Imamats auf die Geistlichkeit
4.7. Die Hierarchisierung der schiitischen Geistlichkeit
4.8. Ansätze zu einer klerikalen Herrschaft vor Khomeini
5. Von mystischer Abstinenz zur Herrschaft der Rechtsgelehrten – Die Entwicklung der politischen Theorie Khomeinis
5.1. Einstellung zur Politik bis zum Beginn der Pahlavi Dynastie
5.2. Khomeinis Schrift „Kashf al-Asrār“
5.3. Die velāyat-i faqīh (Herrschaft der Rechtsgelehrten)
5.3.1. Die Periode der Resignation Khomeinis im Exil bis 1970
5.3.2. Die velāyat-i faqīh aus Khomeinis Vorlesung Íukūmat-i Islāmī („der Islamische Staat“)
5.3.3. Die Notwendigkeit eines islamischen Staates
5.3.4. Die internationalen Ambitionen der Revolution
5.3.5. Die Qualifikation des Staatsführers
5.3.6. Die Reaktionen auf die velāyat-i faqīh
5.4. Khomeini im Pariser Exil
5.4.1. Entwicklungen im Iran zwischen 1971 und 1978
5.4.2. Politische Äußerungen Khomeinis in Paris
6. Weitere Ansätze zur Beziehung von Staat und Politik im Iran
6.1. Dr. Ali Shariati
6.1.1. Sozialismus und Revolution
6.1.2. Shariatis islamische Regierungsform
6.1.3. Shariatis Einstellung zur schiitischen Geistlichkeit
6.1.4. Das Erbe Shariatis in Iran
6.2. Abdu’l-Hasan Bani-Sadr
6.3. Abdu’l-Karim Soroush
6.3.1. Soroushs Verständnis von Religion
6.3.2. Die Rolle der Geistlichkeit
6.3.3. Die Ent-Ideologisierung der Religion
6.3.4. Die Rolle der Säkularisierung in der Moderne
6.3.5. Der religiöse demokratische Staat versus velāyat-i faqīh
7. Der iranische Islamismus – Säkularisierung zwischen Erfolg und Scheitern
7.1. Differenzierte Darstellung des klerikalen Faktors im Iran
7.2. Die Rolle der Scharia
7.3. Politische Konsolidierung der khomeinistischen Ideologie
7.4. Der Primat der Politik über der Religion als Wegbereiter für eine neue Säkularität
8. Die „besondere“ Säkularisierung?
Die vorliegende Arbeit analysiert die Theorie von Olivier Roy, der die Islamische Revolution von 1979 als politisch erfolgreiche, aber religiös-ideologisch gescheiterte Bewegung charakterisiert. Ziel ist die Untersuchung des Verhältnisses zwischen dem ideologischen Anspruch des Islamismus und dessen Umsetzung in der Realpolitik des Iran, insbesondere durch das Konzept der "velāyat-i faqīh".
Die Anziehungskraft der Islamisten
Der Erfolg der islamistischen Gruppen an Universitäten und unter den städtischen Massen ist für Roy auch mit der Ideologiekrise der Zeit verbunden. Der Pan-Arabismus der fünfziger Jahre, das Ideal eines länderübergreifenden arabischen Superstaates, war spätestens mit dem Tod Abd al-Nasirs gescheitert. Zuvor brach 1961 auch das Aushängeschild des arabischen Nationalismus, die Vereinigte Arabische Republik, die sich aus Ägypten und Syrien zusammensetzte, auseinander. Auch Marxisten und Säkularisten konnten ihre Vorstellung nicht auf die gesamte Bevölkerung ausweiten. Ihre Wirkkraft blieb meist auf eine relativ kleine Bevölkerungsschicht begrenzt. Ihrer Ideologie fehlte der progressive Protestcharakter. Der arabische Sozialismus Abd al-Nasirs hatte in den Augen vieler politischer Aktivisten versagt. Roy sieht hier den Vorteil des Islamismus gegenüber anderer Ideologien. Die Islamisten riefen nach einer festen und selbstbewussten (islamischen) Identität für eine Jugend, die in einer destrukturierten und sozial angeschlagenen Gesellschaft lebte. Spezifisch islamistisch ist für Roy, dass die Islamisten im Gegensatz zum Neofundamentalismus keine Abneigung der Moderne ausdrückten oder das soziale Leben der Urgemeinde Medina forderten, sondern, dass sie mit dem ideologisierten Islam eine Identität schaffen wollten, die ihre krisenhafte nationalistische Identität ersetzen und in Einklang mit der Moderne stehen sollte.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Relevanz des iranischen Falls für die These Olivier Roys über das Scheitern des politischen Islams.
2. Terminologische Erläuterungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Säkularisierung und Islamismus im Kontext von Olivier Roys Theorie definiert und voneinander abgegrenzt.
3. Das Scheitern des Islamismus: Hier wird Roys Argumentation dargelegt, warum islamistische Bewegungen trotz ihrer Ziele ihre politischen Vorhaben nicht erfolgreich umsetzen konnten.
4. Die Entwicklung der iranischen Geistlichkeit und ihre Beziehung zum Staat: Dieses Kapitel beschreibt die historische Transformation des schiitischen Klerus im Iran und dessen schrittweise Politisierung bis hin zur Vorbereitung auf die Revolution.
5. Von mystischer Abstinenz zur Herrschaft der Rechtsgelehrten – Die Entwicklung der politischen Theorie Khomeinis: Dieses Kapitel analysiert den ideologischen Werdegang Ayatollah Khomeinis und die Genese seines Konzepts der "velāyat-i faqīh".
6. Weitere Ansätze zur Beziehung von Staat und Politik im Iran: Hier werden alternative politische Visionen von Dr. Ali Shariati, Abdu’l-Hasan Bani-Sadr und Abdu’l-Karim Soroush im Kontrast zu Khomeinis Position vorgestellt.
7. Der iranische Islamismus – Säkularisierung zwischen Erfolg und Scheitern: Das Fazit zieht eine Bilanz aus der iranischen Realpolitik, die nach Roy eine faktische Dominanz der Politik über die Religion belegt.
8. Die „besondere“ Säkularisierung?: Abschließend wird die These der „besonderen“ Säkularisierung diskutiert, die den Iran als säkularen Staat mit politisch dominierten religiösen Institutionen einstuft.
Säkularisierung, Islamismus, Olivier Roy, Iran, Khomeini, velāyat-i faqīh, Scharia, politischer Islam, Neofundamentalismus, Schiitentum, Staatsräson, Ali Shariati, Abdu’l-Karim Soroush, Demokratie
Die Arbeit untersucht das iranische Staatssystem nach der Islamischen Revolution von 1979 vor dem Hintergrund der Theorie von Olivier Roy, der den politischen Islam als gescheitert ansieht.
Die Themen umfassen die Definition des Islamismus, die politische Entwicklung des schiitischen Klerus im Iran, die Ideologie Khomeinis sowie alternative politische Strömungen im Iran.
Es soll analysiert werden, inwieweit Roys These über das Scheitern des politischen Islams und die daraus resultierende Säkularisierung der Politik auf die Islamische Republik Iran anwendbar ist.
Die Arbeit nutzt eine ideologiekritische Analyse, die den offiziellen religiösen Anspruch des Staates mit der faktischen staatspolitischen Realität gegenüberstellt.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Klerus, die theoretische Entwicklung von Khomeinis "velāyat-i faqīh", den Vergleich mit anderen iranischen Denkern sowie die Rolle der Scharia in der iranischen Realpolitik.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Säkularisierung, Islamismus, Khomeini, velāyat-i faqīh und politische Rationalität.
Nach Roys Argumentation hat die politische Realität (Staatsräson) das religiöse Ideal überschattet und die Religion in eine politisch kontrollierte, symbolische Rolle gedrängt.
Während Khomeini die Herrschaft der religiösen Elite (fuqahā) fordert, plädiert Soroush für einen religiösen demokratischen Staat, der religiöse Wahrheitsmonopole ablehnt und die Religion als freies Recht des Individuums begreift.
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