Diplomarbeit, 2007
99 Seiten, Note: 1,0
1 Phänomenologie und Definitionen
1.1 Die charakteristischen Symptome der Dyskalkulie
1.1.1 Erste Anzeichen und primäre Symptome
1.1.2 Beobachtbare Phänomene bei mathematischen Aufgaben
1.1.3 Sekundärsymptome
1.1.4 Komorbidität
1.2 Definitionen Dyskalkulie
1.2.1 Diskrepanzdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
1.2.2 Sozialwissenschaftliche Definition systemisch betrachtet
1.2.3 Entwicklungspsychologisch orientierte Definition
1.2.4 Kompetenzorientierter Definitionsversuch
1.3 Akalkulie
1.3.1 Symptome der Akalkulie
2 Ätiologie, Erklärungsversuche
2.1 Kongenitale Ursachen
2.2 Neuropsychologische Ursachen
2.3 Neurotisch-psychogene Ursachen
2.4 Schulische Ursachen
2.5 Familiäre Bedingungen
2.6 Ungenügende Passung
3 Diagnostik
3.1 Klassifikation
3.2 Diagnostischer Prozess
3.2.1 Prozessverlauf
3.3 Förderdiagnostik
4 Entwicklung des mathematischen Denkens
4.1 Was ist eigentlich Rechnen?
4.1.1 Zahlenverständnis
4.1.2 Der Zahlbegriff
4.2 Entwicklung im Vorschulalter
4.3 Triple- Code- Modell
5 Früherkennung und Prävention
5.1 Frühförderung
5.2 Prävention als sozial-medizinisches Angebot
6 Schulische Förderung
6.1 Gestaltung des Mathematikunterrichts
6.2 Stützunterricht
6.3 Integration von Schulsozialarbeit
7 Außerschulische Förderung
7.1 Offene Hilfen
7.2 Paramedizinische Therapie
7.3 Spezielle Therapie
7.3.1 Staatliche Finanzierung
7.3.2 Dyskalkulietherapie
8 Beratung und Begleitung von Angehörigen
8.1 Fachliche Beratung (Consulting)
8.2 Begleitende Beratung (Counseling)
9 Fazit
Die Arbeit untersucht das Phänomen Dyskalkulie im Grundschulalter, mit dem primären Ziel, die diagnostischen Prozesse sowie effektive Förder- und Präventionsmöglichkeiten für betroffene Kinder aufzuzeigen. Dabei wird kritisch hinterfragt, wie eine adäquate Unterstützung sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext realisiert werden kann, um Lernstörungen frühzeitig zu begegnen.
3.2.1.1 Erste Ebene - Anamnese
Die erste Ebene stellt die Grundlage für den weiteren Prozess der Diagnostik dar. Auf dieser Ebene erfolgt die Anamnese, die es erst möglich macht, die psychometrischen Befunde aus der Basisdiagnostik (zweite Ebene) einzustufen. Die Wichtigkeit dieser Ebene lässt sich durch ein kurzes Beispiel verdeutlichen:
Nach erfolgter Diagnostik wurde bei einem Kind eine Rechenstörung festgestellt. Bedingt durch die fehlende Anamnese blieb verborgen, dass das Kind ursächlich an einer Hörschwäche litt. Infolgedessen konnte das Kind dem Unterricht nicht folgen, mathematische Sachzusammenhänge wurden 'einfach nicht gehört'.
Hieraus wird ersichtlich, dass psychometrische Testverfahren allein nicht hinreichend sind, um die „umfangreichen komorbid, aber auch ursächlich auftretenden Funktionsstörungen bei der Dyskalkulie“86 ergründen zu können. Nach Jacobs/Petermann ist „Auch der Ausschluss peripherer oder ursächlicher Störungen (etwa Weit- bzw. Kurzsichtigkeit, Schwerhörigkeit oder psychische Störungen) über körperlich/ärztliche Untersuchungen […] dringend erforderlich“87.
1 Phänomenologie und Definitionen: Dieses Kapitel erläutert die Symptomatik und verschiedene Definitionsansätze der Dyskalkulie sowie deren Abgrenzung zur Akalkulie.
2 Ätiologie, Erklärungsversuche: Hier werden unterschiedliche Ursachenmodelle, von kongenitalen bis zu schulischen Bedingungen, diskutiert, die zur Entstehung einer Rechenschwäche beitragen können.
3 Diagnostik: Dieser Abschnitt beschreibt den diagnostischen Prozess, inklusive Klassifikation und der Unterscheidung zwischen psychologischer Diagnostik und Förderdiagnostik.
4 Entwicklung des mathematischen Denkens: Es werden neurobiologische und entwicklungstheoretische Grundlagen dargestellt, die notwendig sind, um mathematische Kompetenzen zu verstehen.
5 Früherkennung und Prävention: Dieses Kapitel thematisiert die Wichtigkeit frühzeitiger Maßnahmen, um Lernstörungen zu verhindern oder deren Chronifizierung entgegenzuwirken.
6 Schulische Förderung: Hier werden pädagogische Ansätze zur Unterstützung rechenschwacher Kinder innerhalb des Schulsystems sowie die Integration von Schulsozialarbeit behandelt.
7 Außerschulische Förderung: Es werden therapeutische Angebote, staatliche Finanzierungsmöglichkeiten und spezielle Lerntherapien für betroffene Kinder aufgezeigt.
8 Beratung und Begleitung von Angehörigen: Dieses Kapitel fokussiert auf die Bedeutung der Beratung für Eltern als Co-Therapeuten, um eine ganzheitliche Förderung zu gewährleisten.
9 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Komplexität der Dyskalkulie und dem Appell für eine verbesserte Vernetzung aller Beteiligten.
Dyskalkulie, Rechenschwäche, Rechenstörung, Diagnostik, Förderdiagnostik, Prävention, Frühförderung, Lerntherapie, Schulerfolg, Mathematikunterricht, Eingliederungshilfe, Elternberatung, Neuropsychologie, Lernstörungen, Grundschule.
Die Arbeit befasst sich mit der Diagnose und der Förderung von Kindern mit Rechenschwäche im Grundschulalter, wobei ein ganzheitlicher Ansatz unter Einbeziehung von Schule, Elternhaus und Therapie verfolgt wird.
Die Schwerpunkte liegen auf der Symptomatik, den Ursachen (Ätiologie), verschiedenen Diagnoseverfahren, der neurobiologischen Entwicklung mathematischer Fähigkeiten sowie schulischen und außerschulischen Interventionsmöglichkeiten.
Das Ziel ist es, den Lesern (insbesondere Pädagogen und Therapeuten) eine fundierte Grundlage zur Erkennung von Rechenschwächen zu geben und aufzuzeigen, wie durch eine individuelle Förderung und Netzwerkbildung eine adäquate Unterstützung gelingen kann.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer theoretischen Auseinandersetzung mit bestehenden diagnostischen Verfahren und Modellen der Lerntherapie.
Der Hauptteil gliedert sich in acht Kapitel, die von der phänomenologischen Beschreibung über diagnostische Prozesse bis hin zu konkreten schulischen und außerschulischen Fördermöglichkeiten sowie der Elternberatung reichen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dyskalkulie, Lerntherapie, Förderdiagnostik, Prävention, Eingliederungshilfe und ganzheitliche Unterstützung.
Wie ein Beispiel in der Arbeit verdeutlicht, kann eine mangelhafte Anamnese dazu führen, dass ursächliche externe Faktoren wie eine Hörschwäche unentdeckt bleiben und rein psychometrische Testergebnisse falsch interpretiert werden.
Während die psychologische Diagnostik primär der Identifikation eines Krankheitsbildes nach ICD-10 dient, zielt die Förderdiagnostik darauf ab, die Lernausgangslage des Kindes festzustellen, um zeitnah an dessen subjektiven Rechenwegen anzusetzen.

