Examensarbeit, 2007
60 Seiten, Note: 1,0
0. Einführung
1. Werk und Wirkung Konrads von Würzburg
2. Konrad als Dichter
2.1.1 Ez ist ein gar vil nütze dinc
2.1.2 Dichtkunst als Gottesgabe
2.2 Konrads Minnesang
2.2.1 Klangspiele
2.2.2 Zur Imagination von Publikum und Sänger in den Minneliedern
Die vorliegende Arbeit untersucht Konrads Poetologie, insbesondere anhand seiner Prologe, um zu klären, inwiefern seine Minnelieder als bewusste künstlerische Produktionen zum eigenen Vergnügen verstanden werden können, bei denen die Dominanz der Form über den Inhalt eine kompensatorische Funktion erfüllt.
0. Einführung
Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand von Überlegungen zur Poetologie Konrads, die den Prologen zu ‘Partonopier und Meliur’ und zum ‘Trojanerkrieg’ entnommen werden, einen Teil seines lyrischen Werks, genauer gesagt die Lieder 13, 26 und 30, als Produktionen kenntlich zu machen, die mit einem gewissen Wahrscheinlichkeitsgrad schriftlich und zunächst einmal ‘zum eigenen Vergnügen’ entstanden sind. Die kunstvolle überbordende Reimfreudigkeit dieser Minnelieder, die in Auftragswerken in dieser ausgeprägten Form so nicht zu finden ist, steht unter anderem in Zusammenhang mit der von ihm in den Prologen geforderten delectare-Funktion, die seiner Ansicht nach das dominierende Moment im Falle einer Produktion ohne Zuhörerschaft sein sollte. Die Überbewertung von ‘Freude’ beim Zusammenfall von Produzent und Rezipient lässt sich mittels eines Kompensationsversuches erklären, bei dem durch Klangästhetik die mangelnde prodesse-Funktion bei eigener Rezeption in den Hintergrund tritt.
Die Arbeit ist so gegliedert, dass zunächst der soziokulturelle Hintergrund, zum Beispiel Konrads sozialer Status in Basel und die Zusammensetzung des Basler Gönnerkreises, in Erinnerung gerufen werden. Danach erfolgt die Analyse der beiden Prologe, die seine Einstellung zur Dichtung und sein Selbstverständnis als Dichter beleuchten soll, sowie ein Kapitel, das sich anhand exemplarischer Betrachtungen ausschließlich mit der Ausgestaltung der Reime in seinen Minneliedern beschäftigt, damit ein klareres Bild von Konrads meisterlicher Reimkunst und dessen Extraordinarität in manchen Liedern innerhalb des Gesamtœuvres gewonnen werden kann.
0. Einführung: Diese Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, Konrads Minnelieder als bewusste Produktionen 'zum eigenen Vergnügen' durch eine Analyse seiner Poetologie und Reimkunst zu identifizieren.
1. Werk und Wirkung Konrads von Würzburg: Dieses Kapitel zeichnet das Bild Konrads als geschätzten Dichter bei Zeitgenossen nach und beleuchtet seine biographischen Daten sowie seinen sozialen Status in Basel.
2. Konrad als Dichter: Hier wird Konrads poetologisches Konzept einer 'Dominanz der Form über den Inhalt' diskutiert und analysiert.
2.1.1 Ez ist ein gar vil nütze dinc: Dieses Unterkapitel analysiert den Prolog zu 'Partonopier und Meliur' hinsichtlich seiner Aussagen zu Nutzen und Funktion von Dichtung.
2.1.2 Dichtkunst als Gottesgabe: Dieses Unterkapitel untersucht den Prolog zum 'Trojanerkrieg' und Konrads Selbstverständnis als von Gott begnadeter Dichter.
2.2 Konrads Minnesang: Dieses Kapitel führt in die Analyse der Minnelieder ein und thematisiert deren formale Komplexität.
2.2.1 Klangspiele: Hier werden die Reimstrukturen und die klangliche Artistik der Minnelieder eingehend untersucht.
2.2.2 Zur Imagination von Publikum und Sänger in den Minneliedern: Dieses Unterkapitel analysiert die Darstellung des Rollen-Ichs und den Publikumsbezug in den verschiedenen Typen der Minnelieder.
Konrad von Würzburg, Minnesang, Poetologie, Reimkunst, Klangästhetik, Prodesse, Delectare, Prolog, Basel, Gönner, Auftragsdichtung, Formstrenge, Sangspruchdichtung, Mittelalterliche Literatur, Autonomie des Dichters
Die Arbeit untersucht Konrads Poetologie und setzt diese in Bezug zu seiner Minne-Lyrik, um die Frage zu klären, warum manche Lieder eine außergewöhnliche formale und klangliche Komplexität aufweisen.
Die zentralen Themen umfassen die Poetologie in Konrads Prologen, seine spezifische Reimtechnik, das Spannungsfeld zwischen Auftragsdichtung und autonomer Kunst sowie die Rolle des Publikums.
Ziel ist es zu belegen, dass die aufwendige Klangästhetik in bestimmten Minneliedern als Kompensation für fehlende 'Lehre' (prodesse) dient und diese Lieder vermutlich zunächst als private Kunstübungen entstanden sind.
Es wird eine textnahe Analyse der Prologe sowie eine metrische und stilistische Untersuchung der Minnelieder durchgeführt, ergänzt durch den Rückgriff auf zeitgenössische literaturwissenschaftliche Forschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Konrads Prologen als poetologischem Grundlagentext und die anschließende Detailanalyse der Reimstrukturen und Publikumsimaginationen in seinen Minneliedern.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Konrad von Würzburg, Minnesang, Poetologie, Reimkunst, Klangästhetik, Prodesse, Delectare, Autonomie und das Verhältnis von Form und Inhalt.
Konrad begründet dies nicht direkt, aber die Analyse zeigt, dass er die klangliche 'Freude' (delectare) aufwertet, wenn die 'Lehre' (prodesse) aufgrund fehlenden oder unaufmerksamen Publikums in den Hintergrund tritt.
Lied 26 ist ein Extremfall, bei dem die semantische Bedeutung zugunsten einer fast totalen Dominanz des Klanges in den Hintergrund tritt, was es für ein öffentliches Publikum nahezu unhörbar macht.
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