Magisterarbeit, 2007
103 Seiten, Note: 1,7
Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
1. Einleitung
2. Subsidiarität und Egalität
3. Stand der Forschung
3.1 ‚Gender studies’ und ihre historische Entwicklung
3.2 ‚Gender studies’ und die heutige Forschungssituation
3.3 Frauendiskurs, Männerdiskurs, Ehediskurs
3.4 Ehezuchtliteratur – eine Begriffsbestimmung
3.5 Ehezuchtliteratur – ein zeitlicher Überblick
4. Geschlechterhierarchie und Rollenverteilung
4.1 Die naturphilosophische Tradition
4.2 Die biblische Tradition
4.3 Die ökonomische Tradition
5. Liebe und Sexualität
5.1 Das Liebeskonzept des Mannes
5.2 Das Liebeskonzept der Frau
5.3 Die gegenseitige Liebe
6. Konflikte – Ursachen und Lösungen
6.1 Ursachen für das Entstehen von Konflikten
6.1.1 Weibliche Verantwortlichkeit
6.1.2 Männliche Verantwortlichkeit
6.1.3 Beiderseitige Verantwortlichkeit
6.2 Bewältigung von Konflikten
6.2.1 Weibliche Lösungsstrategien
6.2.2 Männliche Lösungsstrategien
6.2.3 Beiderseitige Lösungsstrategien
7. Erziehung und Bildung
7.1 Die Erziehung der Frau durch den Mann
7.2 Die Erziehung des Mannes durch die Frau
8. Resümee
Die Arbeit untersucht das Geschlechterverhältnis in der Ehezuchtliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts, um zu analysieren, ob dieses primär durch männliche Überordnung (Subsidiarität) oder durch ein Gegenseitigkeitsprinzip (Egalität) geprägt ist.
3.1 ‚Gender studies’ und ihre historische Entwicklung
Das elementarste Verhältnis seit Anbeginn der Zeit, nämlich das Verhältnis von Mann und Frau, ist erst seit einigen Jahrzehnten ins Blickfeld der Geschichtswissenschaft geraten. Die Wissenschaft, die sich der Erforschung der Geschlechter verschrieben hat, fand lange Zeit keinen Zugang zur sogenannten allgemeinen Geschichtswissenschaft und wurde dementsprechend als Randdisziplin behandelt, deren Verfolgung der Mühe nicht wert war. Schließlich wusste man seit der Spätaufklärung, welche die Anthropologie hervorgebracht hatte, dass die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau ‚natürlichen Ursprungs’ waren und daher als unveränderliche und vor allem unwandelbare Tatsache das Verhältnis der Geschlechter bestimmte. Das jeweilige Geschlecht wurde auf diese natürliche Ungleichheit festgelegt, eine grundlegende Ursachenforschung fand nicht mehr statt. Vielmehr wurde die medizinisch-anatomische Deutung der Geschlechterdifferenz nun auch auf alle sozialen Lebensbereiche von Mann und Frau übertragen: Aus der ‚natürlichen’ Ungleichheit wurde eine wissenschaftlich fundierte Tatsache geschaffen. Die Folge war eine Aussparung der gesamten „weiblichen Menschen-Linie“ aus der anthropologischen Forschungsrichtung. Stattdessen entwickelte sich eine „Sonderanthropologie des Weibes“. Diese Auffassung von Geschlechterforschung wandelte sich im 19. Jahrhundert insofern, als sie nun gar keine Beachtung seitens der auf Nationalgeschichte und Geschichte der „großen Männer“ spezialisierten Historiographie fand. Dies änderte sich erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts. In den 1960er Jahren fand ein Wandel statt, der, ausgehend vom überkommenen Geschichtsbild des 19. Jahrhunderts, das nur eine allgemeine Geschichte kannte, nun auch vielfältigere Formen der Sozialgeschichte zuließ. So entwickelte sich innerhalb der Sozial- und Kulturwissenschaften die Frauenforschung beziehungsweise die feministische Literaturwissenschaft.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Thema ein, beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Hierarchie und Gegenseitigkeit und formuliert die grundlegende Forschungsfrage der Arbeit.
2. Subsidiarität und Egalität: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffspaare ‚Subsidiarität’ und ‚Egalität’ im historischen Kontext der Frühen Neuzeit.
3. Stand der Forschung: Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit den ‚Gender studies’ und der Forschungssituation zur Geschlechtertheorie, unterteilt in historische Entwicklung, Diskurse und Gattungsbestimmungen.
4. Geschlechterhierarchie und Rollenverteilung: Das Kapitel analysiert die naturphilosophischen, biblischen und ökonomischen Traditionen, die eine strenge Hierarchisierung zwischen Mann und Frau begründen.
5. Liebe und Sexualität: Hier wird untersucht, wie unterschiedliche Liebeskonzepte – von Pflichtliebe bis hin zur gegenseitigen Liebe – das Geschlechterverhältnis beeinflussen.
6. Konflikte – Ursachen und Lösungen: Dieses Kapitel beleuchtet Konfliktszenarien in der Ehe, ordnet die Verantwortlichkeiten zu und diskutiert Lösungsstrategien für beide Geschlechter.
7. Erziehung und Bildung: Es wird analysiert, wie Bildungskonzepte und Erziehungsmethoden genutzt werden, um die eheliche Ordnung und die Geschlechterrollen zu stabilisieren.
8. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Quellenanalyse zusammen und beantwortet die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der Bedeutung von Hierarchie und Gegenseitigkeit.
Ehezuchtliteratur, Geschlechterverhältnis, Hierarchie, Gegenseitigkeit, Subsidiarität, Egalität, Frühe Neuzeit, Ehediskurs, Ehelehren, Rollenverteilung, Frauendiskurs, Männerdiskurs, Ehe, Geschlechtergeschichte
Die Arbeit analysiert das Geschlechterverhältnis in der frühneuzeitlichen Ehezuchtliteratur, insbesondere das komplexe Zusammenspiel von hierarchischer Ordnung und gegenseitiger Zuneigung in der Ehe.
Die Arbeit behandelt die Geschlechterhierarchie, Liebe und Sexualität, den Umgang mit ehelichen Konflikten sowie die Konzepte von Erziehung und Bildung.
Die Forschungsfrage lautet, ob das Geschlechterverhältnis in den untersuchten Texten primär von der Unterordnung der Frau (Subsidiarität) geprägt ist oder ob sich ein Gegenseitigkeitsverhältnis ableiten lässt, das eine diskursive Gleichstellung nahelegt.
Die Autorin wendet einen literaturwissenschaftlichen Ansatz an, der die Primärtexte im Kontext der historischen Geschlechterforschung und der ‚Gender studies’ quellenanalytisch untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in vier große Themenkomplexe, die systematisch untersuchen, wie theoretische Vorgaben aus Philosophie, Theologie und Ökonomie das Bild von Mann und Frau in der Ehe des 15. und 16. Jahrhunderts formten.
Die zentralen Begriffe sind Ehezuchtliteratur, Hierarchie, Gegenseitigkeit, Subsidiarität, Egalität, Frühe Neuzeit, Ehediskurs und Geschlechterrolle.
Die Autorin versteht darunter didaktisch und pragmatisch ausgerichtete Ordnungsliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts, die den Zweck verfolgt, die Ehe als soziale Ordnungseinheit zu vermitteln.
Der Sündenfall wird häufig als Legitimation für die Unterordnung der Frau unter den Mann herangezogen, da ihm eine moralische und charakterliche Schwäche der Frau zugeschrieben wird.
Viele Texte relativieren die strikte Unterordnung durch das Ideal der Liebe und Fürsorge sowie durch das Konzept der ‚Gegenseitigkeit’, indem sie den Ehemann zu rücksichtsvollem Handeln und der Frau eine Rolle als Gefährtin zuschreiben.
Die Autorin betont kritisch, dass heutige Vorstellungen von Gleichheit und Gleichberechtigung nicht unreflektiert auf das 15. und 16. Jahrhundert übertragen werden dürfen, da das zeitgenössische Verständnis stets von einer gottgegebenen Ungleichheit ausging.
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