Examensarbeit, 2007
113 Seiten, Note: 2,0
0.1 Die literaturwissenschaftliche Perspektive auf Märchen
0.1.1 Struktur-, Stil- und Formanalyse nach Max Lüthi
0.1.2 Die Grimmphilologie und Heinz Rölleke
0.2 Die volkskundliche Perspektive auf Märchen
0.2.1 Der geographisch-historische Ansatz nach Aarne-Thompson-Uther
0.2.2 Deutung und Analyse des Volksmärchen nach Lutz Röhrich
0.3 Die psychologische Perspektive auf Märchen
0.3.1 Der freudsche Ansatz
0.3.2 Der jungsche Ansatz
0.4 Möglichkeiten und Grenzen einer methoden-pluralistischen Deutung
1 GESCHWISTERFORSCHUNG
2 GESCHWISTERBEZIEHUNGEN IN AUSGEWÄHLTEN MÄRCHEN DER BRÜDER GRIMM
2.1 Die Geschwistermärchen in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
2.2 Begründung zur Auswahl der zu behandelnden Märchen
2.3 Die Handlungsstruktur und stilistische Komposition der Märchen
2.3.1 Aschenputtel
2.3.2 Die zwölf Brüder
2.3.3 Hänsel und Gretel
2.3.4 Die zwei Brüder
2.4 Ihre Verankerung in der sozial-historischen Wirklichkeit
2.4.1 Familiensysteme
2.4.2 Geschlechterrollen
2.5 Ihre Spiegelung in kollektiven Vorstellungen
2.5.1 Psychische Vorgänge
2.5.2 Initiationsmuster
3 SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht Art und Darstellung von Geschwisterbeziehungen in einer Auswahl der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie diese Beziehungen unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher, volkskundlicher und psychologischer Analyseansätze gedeutet werden können und welche sozial-historischen oder innerseelischen Kontexte sie widerspiegeln.
0.1.1 Struktur-, Stil- und Formanalyse nach Max Lüthi
Nach Max Lüthi (1909−1991) muss sich „vom Gesichte des Märchens […] seine Funktion ablesen lassen. […] Die Gestalt des Märchens muß seiner Funktion angemessen sein. Also ist die Funktion aus der Gestalt wenigstens annäherungs-weise zu erschließen.“8 Ihn interessiert das Märchen vor allem in seiner schriftlich fixierten Erzählform und in seinem Wesen und seiner Funktion. Er betrachtet es als „Urform der Dichtung“ und untersucht es sowohl auf seinen Stil als auch auf seine Aussage hin.9
Das Märchen ist eine welthaltige Abenteuererzählung von raffender, sublimierender Stilgestalt. Mit irrealer Leichtigkeit isoliert und verbindet es seine Figuren. Schärfe der Linien, Klarheit der Formen und Farben vereinigt es mit entschiedenem Verzicht auf dogmatische Klärung der wirkenden Zusammen-hänge. Klarheit und Geheimnis erfüllen es in einem.10
Lüthi analysiert das Märchen „unmittelbar von seiner Form und Gestalt her“11, wobei der Held als Handlungsträger des Geschehens im Zentrum steht. Die inneren Strukturmerkmale nach Lüthi sollen im Weiteren kurz umrissen werden, da sie auch auf anderen Gebieten der Märchenforschung immer wieder zitiert werden:
1) Eindimensionalität
Es gibt keine Schranken zwischen Diesseits und Jenseits, Übergänge zwischen diesen beiden Welten verlaufen problem- und lückenlos. Die Jenseitswelt spiegelt die reale Welt. Deshalb fehlt im Märchen die Dimension des Wunderbaren, zwar ist die Märchenwelt selbst wunderbar, aber in ihr kommt den Figuren nichts außergewöhnlich oder seltsam vor.
2) Flächenhaftigkeit
Die benannten Dinge und Figuren des Märchens sind flächenhaft, ihnen fehlen körperliche und seelische Tiefe. Gefühle im Märchen dienen nicht der Schaffung einer bestimmten Atmosphäre und werden nur dann erwähnt, wenn sie Einfluss auf die Handlung haben. Die Handlung des Helden entspringt nicht seinem eigenen Entschluss, er wird durch äußere Anlässe zum Handeln gezwungen, er handelt aus einem Mangel oder einer Zwangslage heraus. Tatsächlich ist der Charakter der Märchenfiguren durch die Ereignisse des jeweiligen Märchens festgelegt.
GESCHWISTERFORSCHUNG: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die geschichtliche und psychologische Auseinandersetzung mit Geschwisterbeziehungen und betont deren Rolle als Primärbeziehung und "erstes Trainingsfeld".
GESCHWISTERBEZIEHUNGEN IN AUSGEWÄHLTEN MÄRCHEN DER BRÜDER GRIMM: Hier werden die theoretischen Ansätze konkret auf vier ausgewählte Märchen angewendet, wobei Handlungsstruktur, sozio-historische Kontexte und kollektive Vorstellungen analysiert werden.
Die Geschwistermärchen in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Einführung in die Präsenz von Geschwistern in den Zaubermärchen und deren Funktion als Heldenpaare oder Kontrastfiguren.
Begründung zur Auswahl der zu behandelnden Märchen: Erläuterung der Auswahlkriterien für die Basistexte, fokussiert auf Geschwisterkonstellationen und familiäre Umfeldbedingungen.
Die Handlungsstruktur und stilistische Komposition der Märchen: Untersuchung der Funktion der Geschwisterbeziehung für den Handlungsaufbau, illustriert durch Handlungsskizzen.
Ihre Verankerung in der sozial-historischen Wirklichkeit: Analyse der gesellschaftlichen Einbettung, insbesondere von Familiensystemen und den Rollenbildern des Bürgertums und des Mittelalters.
Ihre Spiegelung in kollektiven Vorstellungen: Psychologische Deutung der Geschwisterbeziehung hinsichtlich Individuation, Archetypen und Initiationsmustern.
SCHLUSSBEMERKUNG: Zusammenfassung der Erkenntnisse, die die Geschwisterbeziehung als zentrales, wandelbares Motiv und Spiegelbild menschlicher Erfahrungen bestätigt.
Geschwisterbeziehungen, Märchenforschung, Gebrüder Grimm, Max Lüthi, Psychoanalyse, Individuation, Sozio-historischer Kontext, Geschwistertreue, Initiationsriten, Zaubermärchen, Familienroman, Aschenputtel, Hänsel und Gretel, Die zwölf Brüder, Die zwei Brüder
Die Hausarbeit untersucht die Bedeutung und Darstellung von Geschwisterbeziehungen in ausgewählten Märchen der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Die Untersuchung spannt einen Bogen von literaturwissenschaftlichen Strukturbetrachtungen über sozio-historische Analysen von Familienstrukturen bis hin zu tiefenpsychologischen Deutungsmodellen.
Ziel ist es, zu klären, wie Geschwisterbeziehungen im Märchen strukturell und inhaltlich fungieren und welche Bedeutung ihnen innerhalb der verschiedenen Forschungsdisziplinen zukommt.
Es wird ein methoden-pluralistischer Ansatz verfolgt, der vor allem auf die Theorien von Max Lüthi, Heinz Rölleke, Lutz Röhrich sowie psychoanalytische Ansätze von Freud und Jung zurückgreift.
Der Hauptteil analysiert konkret die Märchen "Aschenputtel", "Die zwölf Brüder", "Hänsel und Gretel" und "Die zwei Brüder" hinsichtlich ihrer Handlungsstruktur, ihrer sozio-historischen Verankerung und ihrer psychologischen Symbolik.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Geschwisterkonstellation, Familienroman, Initiationsmuster, Individuation und die methodische Märchenforschung.
Die Kleine Ausgabe wird als bekannt vorausgesetzt und bei der Auswahl der zu untersuchenden Märchen berücksichtigt, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Wirkungsgeschichte der Märchen hatte.
Während in einigen Märchen die Geschwistertreue als moralische Grundlage dient, stehen in anderen, wie bei den rivalisierenden Schwestern in "Aschenputtel", ökonomische Interessen oder Neid im Vordergrund.
Das Schweigemotiv wird als handlungsbewegendes Element gedeutet, das nicht nur als Voraussetzung zur Erlösung der Brüder dient, sondern auch eine psychologische Reifeleistung der Schwester symbolisiert.
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