Examensarbeit, 2002
106 Seiten, Note: 2 (gut)
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Zeitungspresse bis in die Kaiserzeit
2.1 Von den Anfängen bis zur Märzrevolution
2.2 Die Neuorganisation der Presse
2.3 Der lange Weg zur Pressefreiheit
3. Die Presse in der Ära des Wilhelminismus
3.1 Massenpresse und Informationsfluss
3.2 Die meinungsbildenden Zeitungen
3.3 Die Einflussnahmemöglichkeiten der Regierung am Beispiel der Marokkofrage
4. Die 2. Marokkokrise im Spiegel des „Fränkischen Kuriers“
4.1 Der „Fränkische Kurier“: Ein liberales Lokalblatt
4.2 Der „Fränkische Kurier“ und die Regierungslinie während der 2. Marokkokrise
4.3 Die 2. Marokkokrise in der Darstellung des „Fränkischen Kuriers“
4.3.1 Die Rechtfertigung des Handelns
4.3.2 Die Frage der Verantwortlichkeit
4.3.3 Die „flankierenden“ Informationen
4.3.4 Die Einbeziehung der gegnerischen Öffentlichkeit
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktionsweise der deutschen Presse im Zeitalter des wilhelminischen Kaiserreiches anhand des konkreten Beispiels der 2. Marokkokrise von 1911. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein bürgerlich-liberales Lokalblatt wie der „Fränkische Kurier“ außenpolitische Konflikte interpretierte und versuchte, die öffentliche Meinung im Spannungsfeld zwischen staatlicher Einflussnahme und kommerziellen Interessen zu steuern.
Die Presse in der Ära des Wilhelminismus
Das 19. Jahrhundert brachte vor allem in seiner zweiten Hälfte für die Nachrichtenübertragung und Verarbeitung eine Fülle von technischen Erfindungen und Weiterentwicklungen. Im Bereich der Drucktechnik war 1814 die erste Schnellpresse bei der „Times“ in London in Betrieb gegangen. Ab 1872 wurden in Augsburg die ersten Rotationsmaschinen hergestellt, die sich bis Anfang der 90er Jahre in den Verlagsdruckereien durchsetzten und große Auflagen in bis dahin unvorstellbar kurzer Zeit fertigen konnten. Die Satztechnik wurde durch die Erfindung des Deutsch-Amerikaners Ottmar Mergenthaler revolutioniert, der 1884 eine Setzmaschine mit Namen Linotype erfand, die mit 5.000 – 7.000 Zeichen pro Stunde die besten Handsetzkästen der 80er Jahre übertraf, die nur auf 3.500 Zeichen kamen. Die Handarbeit war damit teurer und vor allem kaum noch ausbaufähig, während die Setzmaschinen eine stetige Verbesserung in puncto Qualität und Quantität erfuhren.
Ein weiterer entscheidender Fortschritt vollzog sich auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik. 1845 bediente sich die englische „Morning Chronicle“ als erste Zeitung des elektronischen Telegrafen, vier Jahre später gestattete auch Preußen die private Nutzung des eigentlich zu militärischen Zwecken angelegten Telegrafennetzes. Der studierte Mediziner Bernhard Wolff nutzte diese neue Freizügigkeit noch im Dienst der konservativen „National-Zeitung“ und legte so den Grundstein für das „Wolffsche Telegraphische Bureau“ (WTB), das in Kooperation mit der englischen Agentur „Reuters“ (gegründet 1851) und dem französischen Pionier auf diesem Gebiet „Agence Havas“ (gegründet 1835) den Weltmarkt für Nachrichten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein beherrschen sollte.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die historische Relevanz der 2. Marokkokrise als Menetekel für die angespannte Stimmung im deutschen Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg und definiert den methodischen Rahmen der Untersuchung.
2. Die Entwicklung der Zeitungspresse bis in die Kaiserzeit: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der periodischen Presse nach, beleuchtet die langwierige Emanzipation von staatlicher Zensur und untersucht die Entstehung der Parteipresse nach 1848.
3. Die Presse in der Ära des Wilhelminismus: Hier werden die technischen Modernisierungsschübe sowie die ökonomischen Veränderungen im Zeitungsmarkt (Massenpresse vs. Meinungsblätter) und die veränderten Einflussnahmemöglichkeiten der Regierung analysiert.
4. Die 2. Marokkokrise im Spiegel des „Fränkischen Kuriers“: Im Hauptteil wird die Berichterstattung des „Fränkischen Kuriers“ detailliert untersucht, wobei insbesondere die Rechtfertigungsstrategien, die Rolle des Blattes in der politischen Meinungsbildung und der Umgang mit gegnerischen Standpunkten im Fokus stehen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle des „Fränkischen Kuriers“ als ein liberales Blatt, das trotz seiner prinzipiellen Unabhängigkeit in einen nationalen Taumel geriet, der die Steuerungsmöglichkeiten der Regierung an ihre Grenzen brachte.
Pressegeschichte, Kaiserreich, Wilhelminismus, 2. Marokkokrise, Fränkischer Kurier, Parteipresse, Massenpresse, öffentliche Meinung, Außenpolitik, Journalismus, Zensur, Pressefreiheit, Reichs-Pressegesetz, Agadir, Kiderlen-Wächter.
Die Arbeit analysiert, wie ein bürgerlich-liberales Lokalblatt, der „Fränkische Kurier“, während der 2. Marokkokrise 1911 über die außenpolitischen Ereignisse berichtete und versuchte, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Zentral sind die Pressegeschichte des 19. Jahrhunderts, der Wandel von der Gesinnungs- zur Massenpresse, die Möglichkeiten der staatlichen Einflussnahme auf Zeitungen sowie die spezifische Rolle der Presse in der diplomatischen Krise von 1911.
Das Ziel ist die Untersuchung der Mechanismen, mit denen eine regional orientierte, liberale Zeitung ihre Leser informierte und steuerte, und die Frage, inwieweit diese Zeitung dabei von nationalistischen Stimmungen oder staatlichen Vorgaben geprägt war.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellenanalyse, insbesondere der Auswertung von Inhaltsverzeichnissen, Leitartikeln und Berichterstattungen des „Fränkischen Kuriers“ im Kontext der zeitgenössischen pressegeschichtlichen Forschung.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den pressepolitischen Bedingungen der Zeit und analysiert Schritt für Schritt die Berichterstattung des „Fränkischen Kuriers“ zur 2. Marokkokrise, inklusive der Rechtfertigungsversuche für das deutsche Vorgehen.
Wichtige Begriffe sind Pressegeschichte, Wilhelminismus, Marokkokrise, Agadir, Parteipresse, Pressefreiheit und der „Fränkische Kurier“ als Fallbeispiel.
Die technologischen Fortschritte wie die Rotationsmaschine und der elektronische Telegraf ermöglichten eine höhere Auflage und eine schnellere, globalere Informationsbeschaffung, was den Journalismus in der Kaiserzeit grundlegend veränderte.
Die Rechtfertigung war entscheidend, da Deutschland im Rahmen der Marokkofrage unter diplomatischem Druck stand und die Zeitung als Sprachrohr diente, um sowohl das deutsche Vorgehen als moralisch legitim darzustellen als auch die Stimmung in der Bevölkerung zu festigen.
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