Examensarbeit, 2006
79 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundpositionen zum Schriftspracherwerb
2.1 Schriftsprache
2.2 Phonem
2.3 Graphem
2.4 Morphem
3. Modelle des Schriftspracherwerbs
3.1 Renate Valtin: Das Stufenmodell der Schreibentwicklung
3.1.1 Entwicklungsmodell zum Lesen
3.2 Uta Frith: Das Sechs-Stufenmodell
3.2.1 Klaus B. Günther: Ergänzungen zum Sechs-Stufenmodell
3.3 Hans Brügelmann: ein Entwicklungsmodell mit vier „Stufen“
3.3.1 Handschrift
3.3.2 Rechtschreibung
3.3.3 Lesen
3.4 Zusammenfassung
4. Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb
4.1 Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche?
4.2 Merkmale von Schwierigkeiten im Lese- und Rechtschreibprozess
4.3 Ursachen und Risikofaktoren
4.3.1 Visuelle und auditive Wahrnehmung
4.3.2 Sprache
4.3.3 Strategiedefizite
4.3.4 Soziale Faktoren
4.4 Zusammenfassung
5. Verfahren zur Diagnose von Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb
5.1 Rundgang durch Hörhausen
5.2 OLFA – Oldenburger Fehleranalyse
5.3 Diagnostische Bilderlisten
5.4 Zusammenfassung
6. Durchführung und Auswertung der diagnostischen Bilderlisten
6.1 Vorbemerkungen
6.2 Durchführung
6.3 Auswertung
6.3.1 allgemeine Auffälligkeiten
6.3.2 Häufigkeit und Art der Fehler
6.3.3 Auswertung ausgewählter Arbeitsblätter
6.4 Fazit
7. Schulische Fördermaßnahmen
7.1 Förderung der phonologischen Bewusstheit
7.2 Förderung bei bestimmten Fehlerarten
7.3 Förderung eigener Schreibversuche
7.4 lernstrategische Hilfsmittel
7.5 Zusammenfassung
8. Schlusswort
Diese Arbeit untersucht den Schriftspracherwerb von Grundschülern mit einem Fokus auf auftretende Schwierigkeiten, deren diagnostische Erfassung sowie entsprechende schulische Förderansätze. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Lehrkräfte Schwierigkeiten im Lese- und Schreibprozess erkennen und die Kinder gezielt auf ihrem Weg zur erfolgreichen Schriftsprache begleiten können.
3.3.1 Handschrift
Schon im Alter von ein bis zwei Jahren lassen sich bei den Kindern erste „Kritzelversuche“ feststellen. Zwar haben diese Versuche noch nichts mit graphischen Grundmustern der Schrift zu tun, jedoch lernen die Kinder bereits bei diesem Prozess, dass sich Muster durch gerade und gebogene, offene und geschlossene und durchgehende und unterbrochene Spuren und Linien unterscheiden lassen. Durch dieses Experimentieren gelangen sie bereits im Alter von drei bis vier Jahren zu der Einsicht, dass sich solche Formen von Bilddarstellungen unterscheiden und erhalten somit erste Einblicke in die Charakteristika der Schriftsprache. Dabei erhalten sie die motorischen Grundfähigkeiten aber nur durch das alleinige Ausprobieren. Eine bloße Nachahmung von vorgegebenen Mustern würde dem Prozess entgegenwirken, selbst wenn durch das Nachmalen von Buchstaben deren Standardformen geübt werden können.
Hans Brügelmann (1984/86, S. 30) spricht sich für eine Experimentierphase aus und schreibt dazu: „Das schöpferische Experimentieren fördert die gedankliche Auseinandersetzung mit den wesentlichen Formmerkmalen, mit den zulässigen Abweichungen und mit den nicht akzeptablen Kombinationen.[...] Wie beim Nachsprechen kann das Kind auch beim Abmalen von Zeichen nicht einfach ‚kopieren‘. Es muss die Wahrnehmung mit Hilfe der verfügbaren Handlungsmuster rekonstruieren.“ Dieser Vorgang wird für Erwachsene nachvollziehbar, wenn sie selbst einmal versuchen, z.B. chinesische Schriftzeichen „abzumalen“.
Allmählich lernen die Kinder, wie sich Buchstaben graphisch darstellen und immer neu kombinieren lassen können. Schwierig in der Anfangsphase des Schreibens von einzelnen Wörtern ist für die Kinder die Raumlage eines Buchstaben sowie die Schreibrichtung. Haben sie bei Bildern gelernt, dass sie sich unterschiedlich und in verschiedenen Raumlagen darstellen lassen, so müssen sie nun lernen, dass eine Veränderung der Raumlage zu Verwechslungen von Buchstaben (z.B. b und d, b und p, u und n) führen kann. D.h. sie rekonstruieren in diesem Moment zwar die Form der Buchstaben richtig, müssen aber genaustens auf die Raumlage achten. Diese Entwicklungsstufe kann eine Weile dauern und den Kindern sollte in jedem Fall Zeit für das Experimentieren mit dem neu Gelernten gegeben werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Schreibens und Lesens in unserer Gesellschaft dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb zu analysieren.
2. Theoretische Grundpositionen zum Schriftspracherwerb: Hier werden grundlegende Fachbegriffe wie Schriftsprache, Phonem, Graphem und Morphem definiert, um ein gemeinsames Verständnis für den Schriftspracherwerb zu schaffen.
3. Modelle des Schriftspracherwerbs: Dieser Abschnitt vergleicht verschiedene Entwicklungsmodelle von Forschern wie Renate Valtin, Uta Frith und Hans Brügelmann, um den schrittweisen Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen zu verdeutlichen.
4. Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb: Das Kapitel widmet sich der Unterscheidung zwischen Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche, beleuchtet deren Merkmale, Ursachen und Risikofaktoren.
5. Verfahren zur Diagnose von Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb: Es werden verschiedene diagnostische Instrumente vorgestellt, darunter der „Rundgang durch Hörhausen“, die Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) und die diagnostischen Bilderlisten.
6. Durchführung und Auswertung der diagnostischen Bilderlisten: Der Hauptteil beschreibt die praktische Anwendung der diagnostischen Bilderlisten in Schulklassen sowie die qualitative Auswertung der Fehler anhand ausgewählter Beispiele.
7. Schulische Fördermaßnahmen: Hier werden konkrete Interventionsmöglichkeiten und lernstrategische Hilfsmittel für Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben erläutert.
8. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit individueller Diagnose- und Förderansätze durch Lehrkräfte.
Schriftspracherwerb, Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche, Diagnoseverfahren, Schriftsprachmodelle, Schreibentwicklung, Lesenlernen, phonologische Bewusstheit, Fehleranalyse, Fördermaßnahmen, Unterricht, Grundschule, Schriftsprache, Rechtschreibstrategien, Lautorientierung
Die Arbeit befasst sich mit den Schwierigkeiten, die beim Schriftspracherwerb von Grundschulkindern auftreten können, und wie Lehrkräfte diese diagnostizieren und durch Fördermaßnahmen begleiten können.
Zu den zentralen Themen gehören theoretische Entwicklungsmodelle, die Unterscheidung zwischen Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche, diagnostische Instrumente sowie praktische schulische Förderstrategien.
Das Ziel besteht darin, Lehrkräften ein Verständnis für den Schriftsprachprozess zu vermitteln, damit sie individuelle Probleme von Schülern frühzeitig erkennen und zielgerichtet fördern können.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Schriftsprachmodelle sowie auf die praktische Anwendung und Auswertung von diagnostischen Verfahren wie den Bilderlisten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Analyse von Schwierigkeiten, die Vorstellung verschiedener Testverfahren und die praktische Anwendung sowie Auswertung der Ergebnisse.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Schriftspracherwerb, Legasthenie, Diagnoseverfahren, Schreibentwicklung und Fördermaßnahmen definieren.
Die OLFA erlaubt es, freie Texte von Schülern ab der dritten Klasse zu analysieren, um spezifische orthographische Fehlerquellen zu identifizieren und darauf basierend individuelle Förderpläne zu erstellen.
Bilderlisten dienen dazu, Lese- und Schreibschwierigkeiten frühzeitig zu erfassen, indem Schüler angehalten werden, bildlich dargestellte Wörter lautgetreu aufzuschreiben, was Aufschluss über ihr phonologisches Wissen gibt.
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