Magisterarbeit, 2005
167 Seiten, Note: 1,0
I EINLEITUNG
1 DAS THEMENFELD
2 FRAGESTELLUNG/ FORSCHUNGSINTERESSE
3 METHODEN
4 AUFBAU DER ARBEIT
II ANSCHLUSS AN BISHERIGE FORSCHUNG UND SOZIOLOGISCHE THEORIEN
1 WOHNEN UND LEBEN IM ALTER
1.1 Struktur der österreichischen Altenbetreuung
1.2 Demographische Entwicklungen und deren Bedeutung
1.3 Pflegebedürftigkeit
1.4 Alter(n)
1.5 Neue Formen des Wohnens im Alter
1.6 Exkurs: Der Heimvertrag
1.7 Resümee
2 LEBENSWELT PFLEGEHEIM- Die totale Institution und ihre Strukturmängel
2.1 Soziologie des Heimes
2.2 Systemtheoretische Überlegungen zur Lebenswelt Pflegeheim
2.2.1 Funktionssystem Krankenbehandlung vs. Pflege
2.2.2 Soziale Organisation Pflegeheim
2.3 Heim als totale Institution nach Goffman
2.4 Veränderung der Heimstrukturen
2.5 Strukturelle Probleme
2.6 Resümee
3 DER HEIMEINTRITT
3.1 Der Heimeintritt als soziologisches Phänomen
3.1.1 Niklas Luhmann: Heimeintritt und Mitgliedschaft
3.1.2 Erving Goffman und der Beginn einer „moralischen Karriere“
3.2 Entscheidungsfindung und Modalitäten des Heimeintritts
3.3 Der Übertritt als Auslöser einer gesundheitlichen Krise
3.3.1 Problematik des Heimeintritts
3.3.2 Konsequenzen des Heimeintritts
3.3.3 Einflussfaktoren auf die Bewältigung
3.4 Heimeintritt: Sicht der Angehörigen
3.5 Resümee
4 GESUNDHEIT und GESUNDHEITSFÖRDERUNG
4.1 Definition von Gesundheit
4.2 Entstehung von Gesundheit und Krankheit
4.2.1 Theoretische Konzepte
4.2.2 Stress
4.2.3 Soziale Unterstützung und life events
4.2.4 Coping und Krankheitsbewältigung
4.2.5 Soziale Rolle und Selbstbeschreibung
4.2.6 Das Stigma-Konzept
4.3 Gesundheitsförderung
4.3.1 Definition und Interventionsstrategien von Gesundheitsförderung
4.4 Zusammenfassung
5 FAZIT- Von der Theorie zur Fragestellung
III EMPIRISCHER TEIL
1 METHODISCHES VORGEHEN
1.1 Forschungsinteresse und Fragestellungen
1.2 Maximen qualitativer Forschung nach Froschauer/ Lueger
1.3 Forschungsprozess
1.3.1 Auswahl der Fälle
1.3.2 Feldzugang
1.3.3 Interviewführung/ Erhebung
1.3.4 Exkurs: ExpertInneninterviews
1.3.5 Auswertung
1.4 Maßnahmen zur Qualitätssicherung
2 ERGEBNISDARSTELLUNG
2.1 Einleitung
2.2 Beschreibung der Heime
2.2.1 Haus A: Eine betriebswirtschaftlich orientierte Dienstleistungsorganisation
2.2.2 Haus B: Heim als expertInnenzentriertes Krankenhaus
2.2.3 Haus C: Hotel vs. Familie
2.3 Vorbereitung des Eintritts durch die Organisation
2.3.1 Haus A
2.3.2 Haus B
2.3.3 Haus C
2.3.4 Zusammenfassung: Koalition von Angehörigen und Institution?
2.4 Gestaltung des Eintritts
2.4.1 Haus A
2.4.2 Haus B
2.4.3 Haus C
2.4.4 Zusammenfassung: Heimeintritt als Transfer?
2.5 Rolle der HeimbewohnerInnen
2.5.1 Haus A
2.5.2 Haus B
2.5.3 Haus C
2.5.4 Zusammenfassung: PatientIn, KlientIn, MitbewohnerIn?
2.6 Unterstützung durch die Organisation
2.6.1 Haus A
2.6.2 Haus B
2.6.3 Haus C
2.6.4 Zusammenfassung: Unterstützung durch Abschirmung?
2.7 Resümee
IV AUSBLICK: Möglichkeiten und Grenzen einer gesundheitsförderlichen Gestaltung
Diese Arbeit untersucht den Aufnahmeprozess in Wiener Alten- und Pflegeheime aus soziologischer Perspektive. Das primäre Ziel ist es, die sozialen Organisationsstrukturen bei der Heimeinweisung zu beschreiben und deren Auswirkungen auf die psychische, körperliche und soziale Gesundheit der neuen BewohnerInnen zu analysieren, um Ansätze für eine gesundheitsförderlichere Gestaltung des Eintritts aufzuzeigen.
1 DAS THEMENFELD
In Österreich wird der Großteil betagter und hilfsbedürftiger Personen von Angehörigen, meist mithilfe ambulanter Dienste, betreut. Pflegeheime können in Österreich daher nicht als Hauptversorger im Bereich der Altenhilfe gelten. Die Anzahl der Menschen, der in dieser Pflegeform betreut wird, beträgt seit Jahrzehnten ca. 4% der über 60-Jährigen (vgl. Hörl/ Kytir 2000). Bemühungen, weniger restriktive Pflege- und Wohnformen wie z.B. Seniorenwohnungen, Tagesstätten etc. zu etablieren, greifen seit einiger Zeit erfreulicherweise auch in Österreich und werden auch in dieser Arbeit in Kapitel 1 thematisiert werden. Trotzdem muss die bestehende und zukünftige große Bedeutung der Versorgung durch Pflegeheime- ob kritisiert oder nicht- anerkannt werden, ExpertInnen prognostizieren sogar die Notwendigkeit eines Ausbaus von Pflegeplätzen (vgl. u. a. Rubisch et al. 2001). So wurden in Niederösterreich im Zeitraum von 1996 bis 2000 fünf neue Pflegeheime eröffnet (vgl. Löger/ Amann 2001) und in ganz Österreich gibt es derzeit 770 Alten- und Pflegeheim (vgl. Gesundheitsbericht Österreich 2004). Im untersuchten Feld Wien existieren 82 Alten- und Pflegeheime mit insgesamt 21 023 Plätzen (vgl. Badelt/ Leichsenring 2000).
Gerade der Eintritt in ein Pflegeheim stellt für betagte Menschen einen Bruch mit bisher gewohnten Normen, Werten und Regeln dar und kann daher als Auslöser einer emotionalen Traumatisierung gesehen werden. Der Eintritt in diese stationäre Betreuungsform wird in der Literatur oft als „life event“ bezeichnet, als eine krisenhafte Übergangssituation, die mit der Aufgabe des früheren Wohnortes, dem Verlassen der gewohnten räumlichen und sozialen Umgebung, einem Verlust an sozialen Beziehungen und mit einem Rollenwechsel verbunden ist.
I EINLEITUNG: Einführung in das Forschungsfeld der Altenbetreuung in Österreich und Darlegung der Forschungsfragen zum Einfluss des Heimeintritts auf die Gesundheit.
II ANSCHLUSS AN BISHERIGE FORSCHUNG UND SOZIOLOGISCHE THEORIEN: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Wohnen im Alter, dem Konzept des Pflegeheims als "totale Institution" sowie soziologischen Modellen zu Heimeintritt und Gesundheitsförderung.
III EMPIRISCHER TEIL: Detaillierte Darstellung des qualitativen Forschungsdesigns, der Datenerhebung durch Experteninterviews und der Ergebnisse zu den Aufnahmeprozessen in drei Wiener Heimen.
IV AUSBLICK: Möglichkeiten und Grenzen einer gesundheitsförderlichen Gestaltung: Diskussion von Veränderungsansätzen zur Verbesserung der Aufnahmesituation und Reflexion über die Grenzen organisationaler Möglichkeiten.
Pflegeheim, Heimeintritt, Aufnahmeprozess, Gesundheitsförderung, Altenpflege, Soziologie, Lebenswelt, totale Institution, soziale Unterstützung, Coping, Demographie, Pflegestufen, Institutionalisierung, Angehörige, Partizipation
Die Arbeit untersucht, wie Pflegeheime den Prozess des Heimeintritts organisieren und wie sich diese Gestaltung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der neuen HeimbewohnerInnen auswirkt.
Die zentralen Themen sind die soziale Organisation des Pflegeheims, der Eintritt als krisenhaftes Lebensereignis ("life event"), die Auswirkungen von institutionellen Strukturen auf ältere Menschen sowie Strategien der Gesundheitsförderung im Setting Heim.
Ziel ist es, die spezifischen Organisationsentscheidungen beim Heimeintritt zu beschreiben und Möglichkeiten zu identifizieren, wie das Heim die Gesundheit fördern oder zumindest eine Verschlechterung des Zustands der BewohnerInnen verhindern kann.
Es handelt sich um eine qualitative Sozialforschung, die Experteninterviews mit externen Experten, internen Heim-Verantwortlichen und Heimbewohnern in drei Wiener Pflegeheimen unterschiedlicher Trägerschaft und Größe umfasst, analysiert nach Froschauer/Lueger.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Soziologie des Heims (Luhmann/Goffman) und einen empirischen Teil, in dem die beobachteten Aufnahmeprozesse in drei verschiedenen Häusern beschrieben und kritisch analysiert werden.
Zu den Kernbegriffen gehören Pflegeheim, Heimeintritt, Aufnahmeprozess, Gesundheitsförderung, totale Institution, soziale Unterstützung, Coping und Institutionalisierung.
Die Häuser zeigen deutliche Unterschiede: Während Haus A (gemeinnützig) einen strukturierten, zeitaufwendigen Prozess pflegt, wird der Eintritt in Haus B (öffentlich) wie eine medizinische Spitalsaufnahme gehandhabt, und Haus C (privat) agiert eher wie ein Hotel mit informelleren Abläufen.
Laut den Ergebnissen der Autorin werden die HeimbewohnerInnen meist als passive Objekte behandelt. Ihre Beteiligung ist minimal, da die Organisation sie aufgrund ihres Alters und Gesundheitszustands als nicht fähig zur Mitgestaltung einschätzt, während Angehörige oft die Rolle der primären Ansprechpartner einnehmen.
Die Autorin betont, dass der Heimeintritt eine zentrale Managementaufgabe ist. Sie fordert eine Abkehr von rein medizinisch-funktionellen Abläufen hin zu einer stärkeren Partizipation der BewohnerInnen, warnt jedoch davor, dass dies ohne eine Anpassung der Organisationsstrukturen und des Personalschlüssels utopisch bleiben könnte.
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