Examensarbeit, 2007
95 Seiten, Note: 2,5
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
1. Einleitung
2. Entwicklung der deutschen Sprache
2.1. bei deutschen Schülern
2.1.1. Theorien der Erstsprachenerwerbsforschung
2.1.2. Erwerb der mündlichen Sprache
2.1.3. Erwerb der schriftlichen Sprache
2.2. bei Schülern mit Migrationshintergrund
2.2.1. Theorien der Zweitsprachenerwerbsforschung
2.2.3. besondere Schwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache
2.3. allgemeine Konsequenzen für den Unterricht
3. Schulpolitik in Sachsen
3.1. Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Sprachförderung von Migranten
3.2. Lehrplan
3.2.1. Deutsch als Zweitsprache
3.2.2. Eckwertepapier „Sprachliche Bildung für Migranten“
3.3. Außerschulische Förderung
4. Arbeitsvorschläge für den Deutschunterricht
4.1. Förderung der mündlichen Sprachfähigkeit
4.1.1. Aussprache
4.1.2. Sprechanlässe schaffen
4.2. Förderung der Wortschatzentwicklung
4.3. Förderung des Textverstehens
4.3.1. Erstlesen mit Migrationskindern und -jugendlichen
4.3.2. Lesemotivation
4.3.3. Bewältigungs- und Verstehensstrategien
4.4. Förderung der Schreibkompetenz
4.4.1. Textproduktion
4.4.2. Schreibmotivation
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und methodischen Ansätze zur Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Deutschunterricht. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Erkenntnisse aus der Erst- und Zweitsprachenerwerbsforschung in didaktische Prinzipien für den Schulalltag überführt werden können, um Chancengleichheit zu gewährleisten.
2.1.1. Theorien der Erstsprachenerwerbsforschung
Zur Erklärung des Erstspracherwerbs stehen gegenwärtig vier theoretische Ansätze zur Verfügung: die behavioristische, die nativistische, die kognitivistische und die interaktionistische Perspektive.
Behaviorismus: Beim behavioristischen Ansatz handelt es sich um eine wissenschaftstheoretische Richtung, die davon ausgeht, dass Sprache auf die gleiche Weise wie Verhalten angeeignet wird. Dabei wird das Gehirn als „Black Box“ bezeichnet, da die innerpsychischen Vorgänge nicht beobachtbar sind und somit keinerlei naturwissenschaftliche Methoden zur Beschreibung herangezogen werden können. Entscheidend für dieses Erklärungsmodell ist einzig der Zusammenhang zwischen Input (einwirkendem Reiz) und Output (Reaktion, Verhaltensweise), d.h. aufgrund der Darbietung eines bestimmten Reizes wird ein bestimmtes Verhalten gezeigt. Sprachentwicklung erfolgt demzufolge durch die „Nachahmung sprachlicher Vorbilder und der selektiven Verstärkung der richtigen Sprachformen“.
Problematisch an diesem Ansatz ist, dass er den Eindruck erweckt, das Kind sei ein passives Wesen, welches keinen Einfluss auf den Entwicklungsprozess hat. Die Reaktionen des Kindes werden als automatisiert dargestellt und die kognitiven Leistungen des Kindes, wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen, bleiben völlig unberücksichtigt. Darüber hinaus werden die Kodierungs- und Enkodierungsleistungen, die das Kind zur Verarbeitung von auditiven Informationen erbringen muss, komplett vernachlässigt, ebenso wie die Leistung des Abrufens verbaler Informationen, um sich überhaupt artikulieren zu können. Deshalb stößt das Modell unweigerlich an seine Grenzen, wenn es beispielsweise darum geht zu erklären, weshalb Kinder in der Lage sind, Sätze zu bilden, für die sie keine Vorbilder besitzen. Sätze, die sie in der Form, nie zuvor gehört haben.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den wachsenden Integrationsauftrag der Schulen durch Zuwanderung und setzt sich zum Ziel, linguistische Erkenntnisse für die Deutschförderung in der Unterrichtspraxis fruchtbar zu machen.
2. Entwicklung der deutschen Sprache: In diesem Kapitel werden grundlegende Theorien zum Erst- und Zweitspracherwerb gegenübergestellt und die spezifischen Herausforderungen bei der Aneignung des Deutschen als Zweitsprache analysiert.
3. Schulpolitik in Sachsen: Es wird untersucht, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen und spezifischen Förderkonzepte, wie das Eckwertepapier „Sprachliche Bildung für Migranten“, im sächsischen Bildungssystem implementiert sind.
4. Arbeitsvorschläge für den Deutschunterricht: Dieses Kapitel präsentiert konkrete didaktische Methoden zur Förderung der mündlichen Sprachfähigkeit, der Wortschatzentwicklung, des Textverstehens und der Schreibkompetenz von bilingualen Schülern.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine gezielte Sprachreflexion und eine stärkere Berücksichtigung der individuellen Lernsituation von Migranten in der Lehrerausbildung essentiell für den Bildungserfolg sind.
Sprachförderung, Migrationshintergrund, Zweitsprachenerwerb, Erstsprachenerwerbsforschung, Deutschunterricht, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Pädagogik, Sprachbewusstheit, Sprachvergleich, Textverstehen, Schreibkompetenz, Wortschatzarbeit, Lernstrategien, Schulerfolg, Bildungspolitik Sachsen
Die Examensarbeit befasst sich mit der theoretischen Fundierung und der praktischen Umsetzung der Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Fach Deutsch.
Zentrale Felder sind die Spracherwerbstheorien, die sächsische Bildungspolitik, Methoden der Wortschatzarbeit, Lese- und Schreibförderung sowie die Gestaltung der Lehrerrolle im interkulturellen Kontext.
Das Hauptziel besteht darin, Erkenntnisse aus der Sprachwissenschaft und Fachdidaktik zu nutzen, um handlungsorientierte und praxisnahe Vorschläge für eine effektive Deutschförderung zu entwickeln.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Spracherwerbstheorien und einer Darstellung schulpraktischer Konzepte, ergänzt durch die Auswertung sächsischer Lehrpläne und Förderprojekte.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Spracherwerbsprozesse, die Analyse der sächsischen Schulpolitik und einen umfangreichen Abschnitt mit konkreten Arbeitsvorschlägen für den Unterricht.
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachförderung, Zweitsprachenerwerb, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Pädagogik und Sprachbewusstheit.
Während der Erstspracherwerb meist unbewusst und beiläufig verläuft, ist der Zweitsprachenerwerb bei Migranten oft ein bewussterer, gesteuerter Prozess, der durch Interferenzen der Erstsprache sowie durch soziokulturelle Faktoren beeinflusst wird.
Die Autorin betont die Wichtigkeit, herkunftssprachliche Ressourcen im Unterricht zuzulassen und zu wertschätzen, da dies die Identität stärkt und den Spracherwerb durch Sprachvergleiche und Sprachbewusstheit fördern kann.
Vermeidungsstrategien werden von Lernern eingesetzt, um Unsicherheiten und Fehler zu kaschieren, was jedoch den Lernfortschritt hemmen kann, wenn sie zu einer Fossilierung der Interimssprache führen.
Die Fehleranalyse hilft Lehrern zu unterscheiden, ob sprachliche Abweichungen auf systematische Interferenzfehler (Übertragung von Erstsprachenstrukturen) oder auf fachliche Wissenslücken zurückzuführen sind, um so differenzierter fördern zu können.
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