Wissenschaftlicher Aufsatz, 1995
34 Seiten
1 Ingardens Einschätzung durch und Einfluss auf andere Kritiker
2 Gründe für die Unbekanntheit Ingardens bei den Germanisten
3.1 Der Schichtenbegriff und die Schichtung des Kunstwerks bei Ingarden und Hartmann:
3.2 Verschiedene Auffassungen der tragenden Schicht
3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”
3.3.1 Schematisierte Ansichten in der Material-Schicht
3.3.2 Schematisierte Ansichten in der Schicht der Gegenstände
3.3.3 Schematisierte Ansichten in den Hintergrundsschichten
4 Die ontologischen Strukturgesetze des Sprachkunstwerks
5 Ingardens Anti-”Psychologismus”
6 Ingarden, die Rezeptionsästhetik und die Literatursoziologie
7.1 Ingardens Werte-Theorie:
7.2 Morawskis Kritik
8 Eine marxistische Kritik Ingardens
9 Ingardens Auseinandersetzung mit Käte Hamburger
10 Einordnung von Ingardens Bemühungen in sein eigenes System der Ästhetik
11 Zusammenfassende Kritik
Die Arbeit untersucht das literaturtheoretische Werk von Roman Ingarden (1893-1970) und seine Rezeption sowie kritische Auseinandersetzung durch verschiedene Denker des 20. Jahrhunderts. Das Hauptziel besteht darin, Ingardens Schichtenmodell der Literatur kritisch zu beleuchten, dessen Stellung innerhalb der phänomenologischen Ästhetik zu bestimmen und den Einfluss sowie die Grenzen seiner methodischen Ansätze im Vergleich zu anderen Theorien aufzuzeigen.
3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”
Nun wird aber bei Ingarden im literarischen Kunstwerk (ebenso wie im Bild) zwischen die Schicht der “Bedeutungseinheiten, Satzsinne, Satzzusammenhänge (2) und die der “dargestellten Gegenständlichkeiten und ihrer Schicksale” (4) eine weitere (3) der “schematisierten Ansichten mit Unbestimmtheitsstellen” eingeschoben, die es bei Hartmann nicht gibt - und mit gutem Grund.
Nach der Einsicht der phänomenologischen Philosophie erscheinen uns die Objekte der materiellen Welt in einer Folge von verschiedenen Ansichten, je nach unserer Stellung zu ihnen. Wir können also ein Ding nie vollkommen (d.h. von allen Seiten zugleich) erkennen, sondern sind darauf angewiesen, die erinnerten Teilaspekte zu Vorstellungen von den Dingen zusammenzufassen. Die Begriffe unserer Sprache sind selbst solche Zusammenfassungen von Teilaspekten. - Die Unbestimmtheitsstellen, die wir im Moment nicht erkennen können, ergänzen wir mittels der Erinnerung an frühere Erfahrungen mit ähnlichen Gegenständen. Auch im Kunstwerk kann der Autor uns nur Teilansichten bieten (in Literatur und Film eine Folge von solchen) und selbst diese kann er unmöglich voll ausführen .- Im Übersehen dieser Tatsache lag die Illusion des konsequenten Naturalismus. Es hat ihn deshalb nur in seinen Programmen gegeben, nicht in der Kunst selbst.- Da der Autor viele Einzelheiten auslassen muss, nennt Ingarden diese Teilansichten schematisiert. Der Aufnehmende muss sie ergänzen oder “konkretisieren”.
1 Ingardens Einschätzung durch und Einfluss auf andere Kritiker: Das Kapitel würdigt die Bedeutung Ingardens als phänomenologischen Ästhetiker und dokumentiert den breiten wissenschaftlichen Einfluss seines Werks auf bedeutende Denker.
2 Gründe für die Unbekanntheit Ingardens bei den Germanisten: Es wird analysiert, warum Ingardens Theorien trotz ihrer Relevanz in deutschen Fachkreisen lange Zeit kaum rezipiert wurden, wobei politische und historische Umstände sowie stilistische Hürden genannt werden.
3.1 Der Schichtenbegriff und die Schichtung des Kunstwerks bei Ingarden und Hartmann: Eine methodische Gegenüberstellung der Schichtenmodelle von Ingarden und Hartmann hinsichtlich ihrer ontologischen Ausrichtung.
3.2 Verschiedene Auffassungen der tragenden Schicht: Diskussion der unterschiedlichen Ansichten zur untersten Schicht des Wortkunstwerks und Ingardens Fokus auf den Wortklang.
3.3 Ingardens 3. Schicht der “schematisierten Ansichten”: Erläuterung der spezifisch ingardenschen Kategorie der schematisierten Ansichten und der Bedeutung der Unbestimmtheitsstellen.
4 Die ontologischen Strukturgesetze des Sprachkunstwerks: Zusammenfassung der intentionalen Seinsweise des Sprachkunstwerks im Kontext der Phänomenologie.
5 Ingardens Anti-”Psychologismus”: Untersuchung der programmatischen Ablehnung psychologischer Kategorien durch Ingarden in seiner ästhetischen Analyse.
6 Ingarden, die Rezeptionsästhetik und die Literatursoziologie: Betrachtung der Beziehungen zwischen Ingardens phänomenologischer Kategorienbildung und soziologisch orientierten Literaturansätzen.
7.1 Ingardens Werte-Theorie: Kritische Analyse von Ingardens Versuchen, eine objektive Wertlehre im Rahmen seines Modells zu etablieren.
7.2 Morawskis Kritik: Darstellung der tiefgreifenden Einwände Stefan Morawskis gegen Ingardens Wertvorstellungen und Axiologie.
8 Eine marxistische Kritik Ingardens: Analyse der marxistischen Sichtweise von Detlef Bernd Leistner, der Ingardens idealistischen Ansatz einer Kritik unterzieht.
9 Ingardens Auseinandersetzung mit Käte Hamburger: Vergleich der Positionen Ingardens und Hamburgers bezüglich Wirklichkeitsaussagen und fiktionalen Charakteren in der Dichtung.
10 Einordnung von Ingardens Bemühungen in sein eigenes System der Ästhetik: Eine Übersicht über die verschiedenen Teilgebiete der Ästhetik Ingardens und die Problematik ihrer konsequenten Trennung.
11 Zusammenfassende Kritik: Abschließende Würdigung und kritische Bilanzierung der ingardenschen Leistungen sowie seiner theoretischen Inkonsequenzen.
Ästhetik, Roman Ingarden, Nicolai Hartmann, Phänomenologie, Ontologie, Literaturtheorie, Schichtentheorie, Sprachkunstwerk, Konkretisation, Unbestimmtheitsstellen, Rezeptionsästhetik, Werttheorie, Literatursoziologie, Intentionalität, Strukturalismus
Die Arbeit bietet eine kritische Auseinandersetzung mit der literaturtheoretischen Systematik von Roman Ingarden, insbesondere seiner Schichtenlehre und Ontologie des literarischen Kunstwerks.
Im Zentrum stehen die Struktur des Sprachkunstwerks, die Rolle des Lesers bei der Konkretisation, die Wertproblematik und die wissenschaftliche Abgrenzung zu anderen phänomenologischen und strukturalistischen Ansätzen.
Das Ziel ist es, die Stärken und Schwächen von Ingardens Modell aufzuzeigen, indem dessen Rezeption und Kritik durch andere Gelehrte untersucht wird, um eine fundierte Einordnung in die Ästhetik des 20. Jahrhunderts vorzunehmen.
Es wird eine phänomenologische und komparatistische Methode angewandt, die Ingardens Theorie an der Praxis und an konkurrierenden Schichtentheorien (wie der von Nicolai Hartmann) misst.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Ingardens Schichtenbegriff, seiner Ablehnung des Psychologismus, der Auseinandersetzung mit Literatursoziologen und Marxisten sowie seiner speziellen Wertlehre.
Schlüsselbegriffe sind vor allem: Schichtenästhetik, Konkretisation, Intentionalität, Unbestimmtheitsstellen und die ontologische Seinsweise von Literatur.
Ingarden führt diese Schicht als notwendiges Bindeglied ein, um zu erklären, wie Leser ein Werk durch Ausfüllen von Leerstellen in einer "Konkretisation" erst vervollständigen.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Ingarden einerseits an der Objektivität ästhetischer Werte festhält, andererseits jedoch einräumen muss, dass diese erst in der subjektiven Konkretisation durch den Rezipienten sichtbar werden, was zu einem unauflösbaren Widerspruch führt.
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