Examensarbeit, 2005
86 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Der psychoanalytische Interpretationsansatz nach Freud
2.1 Psychoanalytisches Grundwissen
2.1.1 Der psychische Apparat nach Sigmund Freud
2.1.2 Abwehrmechanismen
2.1.3 Menschliche Triebe
2.1.4 Die Sexualfunktion
2.1.5 Das topografische Model
2.2 Die Analyse des Textes unter psychoanalytischem Aspekt
2.2.1 Victors Kindheit
2.2.2 Victors Jugend
2.2.3 Victors Studienzeit und die Erschaffung des Wesens
2.2.4 Die Entwicklung des Monsters
2.2.5 Das Gespräch zwischen Victor und dem Monster und dessen Auswirkungen
2.3 Zusammenfassung der Analyse unter psychoanalytischem Aspekt
2.4 Kritische Stellungnahme
3. Der feministische Interpretationsansatz
3.1 Die Analyse des Textes unter feministischem Aspekt
3.1.1 Die Rolle der Männer in Frankenstein
3.1.1.1 Victor Frankenstein
3.1.1.2 Robert Walton
3.1.1.3 Felix DeLacey
3.1.1.4 Henry Clerval
3.1.1.5 Das Monster
3.1.2 Die Rolle der Frau in Frankenstein
3.1.2.1 Margaret Saville
3.1.2.2 Caroline Beaufort Frankenstein
3.1.2.3 Elizabeth Lavenza
3.1.2.4 Safie
3.2 Zusammenfassung der Analyse unter feministischem Aspekt
3.3 Persönliche Stellungnahme zum feministischen Interpretationsansatz
4. Der biografische Interpretationsansatz
4.1 Mary Shelleys Leben
4.2 Analyse des Textes unter biografischem Aspekt: zwei Ansätze
4.2.1 Erster möglicher biografischer Interpretationsansatz zu Frankenstein
4.2.1.1 Die Bedeutung der Margaret Saville
4.2.1.2 Die Bedeutung des Robert Walton
4.2.1.3 Die Verbindung zwischen Victor Frankenstein und Robert Walton
4.2.1.4 Marys Eltern als ´ghosts` in Frankenstein
4.2.1.5 Die Eltern-Kind-Beziehungen in Frankenstein
4.2.1.6 Mary und das Monster
4.2.1.7 Elizabeth und Safie als Gegensatzpaar
4.2.1.8 Felix und Safie: Das ideale Paar?
4.2.1.9 Kritische Stellungnahme zum ersten Ansatz
4.2.2 Zweiter möglicher biografischer Interpretationsansatz zu Frankenstein
4.2.2.1 Waltons Briefe als ´rereading` von William Godwins St. Leon
4.2.2.2 Victors Geschichte als ´rereading` von Percy Shelleys Alastor, or the Spirit of Solitude
4.2.2.3 Die Geschichte des Monsters als ´rereading` von Mary Wollstonecrafts The Wrongs of Woman, or Maria, a Fragment
4.2.2.4 Kritische Stellungnahme zum zweiten Ansatz
4.3 Abschließender Kommentar zum biografischen Interpretationsansatz
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Diese Arbeit zielt darauf ab, Mary Shelleys Roman Frankenstein aus der Perspektive der neueren Literaturkritik zu analysieren. Dabei soll untersucht werden, wie psychoanalytische, feministische und biografische Interpretationsansätze das Verständnis des Werkes erweitern und welche Einschränkungen diese theoriegeleiteten Perspektiven für die Lesart des Textes mit sich bringen.
2.2.3 Victors Studienzeit und die Erschaffung des Wesens
Victor studiert zwei Jahre in Ingolstadt, ohne nur einmal an seine Familie zu denken. Sein Studium ist seine „sole occupation“ (MS, 51). Er beginnt, sich für Physiologie und Anatomie zu interessieren, bis er sich eines Tages sicher ist, leblose Materie zum Leben erwecken zu können. Er scheint „capable of bestowing animation upon lifeless matter“ (MS, 53). Dies ist der Tag, an dem Victor Frankenstein beschließt, ein lebendiges Wesen zu erschaffen. Angetrieben von einem „resistless, and almost frantic impulse“ (MS, 55), arbeitet Victor wie im Wahn an seinem Vorhaben. Während seiner sehr kurzen Schlafpausen träumt er heftig, er fühlt sich fiebrig und ist während seiner Arbeit „nervous to a most painful degree“ (MS, 57).
Durch den Transfer seiner Libido auf die Wissenschaften projiziert er seine Wünsche auf die leblose Materie, „her externalizes his longings and projects them on unanimated matter, until they take life of their own“ (Reuber, 80). Sein Studium und seine Forschung bilden sozusagen eine Art Deckmantel für Victors „incestuous imaginary enjoyment“ (Reuber, 80). Der Wunsch, ein Wesen zu erschaffen, ist rein psychoanalytisch betrachtet nichts anderes als eine Reaktion auf den Tod seiner geliebten Mutter. Victor erschafft also gar kein real existierendes Wesen. Das Material für sein Vorhaben ist ebenfalls kein wirkliches Material, sondern es ist das, was Freud „residues of memories“ (Ego and Id, 708) nennt. Das, was Victor für Leichenteile hält, sind in Wahrheit, so sieht es die Psychoanalyse, Kindheitserinnerungen. Eben diese Kindheitserinnerungen sind in Victors Unterbewusstsein gespeichert und verankert. Sie sind Victor nicht bewusst und genau das ist der Grund, warum Victor der Meinung ist, er würde ein wirkliches Wesen erschaffen. Die These, die sich vor diesem Hintergrund ergibt, ist die Folgende: Victor und das Wesen sind nicht zwei unabhängige Charaktere, sondern das Wesen ist Victors Doppelgänger.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenvielfalt des Romans Frankenstein ein und erläutert die verschiedenen literaturtheoretischen Ansätze, die zur Untersuchung des Werkes gewählt wurden.
2. Der psychoanalytische Interpretationsansatz nach Freud: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Konzepte der Freudschen Psychoanalyse und wendet diese auf Victors Lebensgeschichte an, wobei das Monster als sein abgespaltenes Doppelgänger-Ich analysiert wird.
3. Der feministische Interpretationsansatz: Dieser Abschnitt untersucht die patriarchalen Machtverhältnisse in Frankenstein, indem er die Darstellung männlicher und weiblicher Charaktere sowie ihre jeweiligen Rollen innerhalb der Gesellschaft analysiert.
4. Der biografische Interpretationsansatz: Hier wird der Zusammenhang zwischen Mary Shelleys Lebensgeschichte, ihren familiären Bindungen und dem Entstehungsprozess des Romans beleuchtet, wobei verschiedene biografische Deutungsansätze gegenübergestellt werden.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die drei Analyseansätze und bestätigt die Thesen über das Spannungsfeld zwischen theoretischer Einschränkung und der Erweiterung des Erkenntnishorizonts durch vielfältige Interpretationsweisen.
6. Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche im Rahmen der Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen aufgelistet.
Frankenstein, Mary Shelley, Psychoanalyse, Feminismus, Biografischer Ansatz, Sigmund Freud, Ödipuskomplex, Geschlechterrollen, Patriarchat, Doppelgängermotiv, Literaturtheorie, Identitätsstörung, Kindheitstrauma, Literaturkritik
Die Arbeit analysiert Mary Shelleys Frankenstein vor dem Hintergrund dreier unterschiedlicher literaturkritischer Ansätze: psychoanalytisch, feministisch und biografisch.
Es wird eine formale, theoriegeleitete Literaturanalyse durchgeführt, die den Roman durch die Linse spezifischer Literaturtheorien und der Lebensgeschichte der Autorin betrachtet.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie verschiedene Interpretationsansätze einerseits das Verständnis des Werkes vertiefen, andererseits aber auch die Perspektive des Lesers durch ihre theoretische Ausrichtung einschränken.
Im Zentrum stehen die psychische Entwicklung von Victor Frankenstein, die patriarchalen Strukturen und Rollenbilder der Entstehungszeit sowie die Spiegelung von Mary Shelleys eigenem Leben und Umfeld im Text.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Großkapitel, die jeweils eine der genannten Theorien detailliert erläutern und anschließend auf die Charaktere und den Handlungsverlauf von Frankenstein anwenden.
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Identitätsstörung, Ödipuskomplex, Patriarchat, Doppelgängermotiv und die spezifische Bedeutung von Mutterfiguren im Werk.
Auf Basis der Freudschen Theorie wird das Monster als Projektion von Victors verdrängten Wünschen und seinem nicht überwundenen Ödipuskomplex gedeutet, wodurch es zu einer abgespaltenen Persönlichkeit innerhalb einer dissoziativen Störung wird.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Roman als eine Art Therapie für die Autorin verstanden werden kann, wobei die komplexen und teils traumatischen Erfahrungen mit ihren Eltern und ihrem Ehemann direkt in die Motivlage der Figuren einfließen.
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