Bachelorarbeit, 2007
58 Seiten, Note: 5.5
1 EINLEITUNG
2 ASPEKTE DER RELIGION
2.1 DEFINITION VON RELIGION
2.2 SÄKULARISIERUNG
2.3 PRIVATISIERUNG DER RELIGION
2.4 FUNDAMENTALISMUS
2.4.1 Protestantischer Fundamentalismus
2.4.2 Islamischer Fundamentalismus
3 MEDIEN, RELIGION UND DER KAMPF DER KULTUREN
3.1 MEDIALE THEMATISIERUNG DER RELIGION
3.1.1 Quantitative Perspektive
3.1.1.1 "Religion" in den Medien
3.1.1.2 "Religion" und "Politik" in den Medien
3.1.1.3 "Religion" und "Konflikt" in den Medien
3.1.1.2 "Religion" und "Terror" in den Medien
3.1.3 Qualitative Perspektive
3.2 DER KAMPF DER KULTUREN
4 DIE MEDIALE KONSTRUKTION RELIGIÖSER IDENTITÄT
4.1 MEDIEN UND ISLAMISCHE IDENTITÄT
4.2 MEDIEN UND CHRISTLICHE IDENTITÄT
5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob es seit dem 11. September 2001 zu einer tatsächlichen Rückkehr der Religion in die Gesellschaft gekommen ist oder ob es sich primär um eine durch Massenmedien forcierte Thematisierung handelt. Hierbei wird das komplexe Verhältnis zwischen religiöser Identitätskonstruktion, politischer Instrumentalisierung und medialer Berichterstattung analysiert.
1 Einleitung
"Der 11. September des Jahres 2001 ist weit mehr als das Datum eines furchtbaren Terrorangriffs: Nine-Eleven ist ein Symbol, eine Kennmarke für eine Zeitenwende…" berichtet der 'Spiegel' (Follath/Spörl 2006: 74). Waren die Neunzigerjahre von der Theorie des Endes der Geschichte von Francis Fukuyama geprägt, so kehrte die totgesagte Geschichte am 11. September 2001 zurück – und mit ihr die Religion. Die religiöse – präziser: islamische – Legitimation der Attentate hat zu einer Rückkehr der Religion in die Weltpolitik – und folglich in die Medien – geführt. Das betrifft in erster Linie den Islam, aber auch die beiden anderen auf Abraham basierenden Religionen. Die Religion ist aus der Privatsphäre wieder an die Öffentlichkeit geraten – wie der Kopftuch-Streit, die Minarett-Debatte und der Karikaturen-Streit exemplarisch zeigen.
Die Frage lautet: Erleben wir seit dem 11. September 2001 eine Rückkehr der Religion? Nicht wenige Intellektuelle vertreten den Standpunkt. Walter Kardinal Kasper behauptet in einem Interview in der 'Zeit': "Es gibt eine enorme Zunahme der Pilger- und Touristenströme [nach Rom]. An Sonntagen sind zwischen 50'000 und 60'000 Menschen auf dem Petersplatz, der Papst kann mittwochs seine Audienzen gar nicht mehr in der Audienzhalle halten" (Kasper 2007: 15). Ähnliches sagt Wolfram Weimer im Magazin 'Cicero': "Das ironische Zeitalter tut seinen letzten Seufzer, denn Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht – im doppelten Sinne des Wortes. Nicht nur als philosophische Kategorie, revitalisierte Tradition oder spirituelle Kraft. Er kommt mitten hinein in den politischen Raum" (Weimer 2006: 94). Und Jürgen Habermas meint: "Als hätte das verblendete Attentat [vom 11. September 2001] im innersten der säkularen Gesellschaft eine religiöse Schwingung versetzt, füllten sich überall die Synagogen, die Kirchen und die Moscheen" (Habermas 2001: 10). Diese Liste liesse sich freilich fortführen.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Rückkehr der Religion nach dem 11. September 2001 und Formulierung der leitenden Forschungsfrage.
2 ASPEKTE DER RELIGION: Theoretische Grundlegung durch soziologische Definitionen von Religion, Säkularisierung, Privatisierung und Fundamentalismus.
3 MEDIEN, RELIGION UND DER KAMPF DER KULTUREN: Empirische Untersuchung der medialen Zunahme religiöser Begriffe und Analyse der Verknüpfung von Religion, Konflikt und Terror.
4 DIE MEDIALE KONSTRUKTION RELIGIÖSER IDENTITÄT: Analyse, wie Medien Identitätsmuster durch den religiösen Code konstruieren und wie dies zur Polarisierung von Gruppen führt.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung, dass die mediale Thematisierung massgeblich zur aktuellen Wahrnehmung der Religion als machtpolitischem Faktor beiträgt.
Religion, Säkularisierung, Fundamentalismus, 09/11, Mediensoziologie, Identitätskonstruktion, Kampf der Kulturen, Islamismus, Politisierung der Religion, Systemtheorie, Medienmechanismen, Weltentzauberung, religiöse Identität, Islam, Christentum.
Die Arbeit untersucht, ob die beobachtete religiöse Renaissance nach dem 11. September 2001 eine reale gesellschaftliche Entsäkularisierung darstellt oder primär ein Produkt medialer Inszenierung und Thematisierung ist.
Zentrale Felder sind die soziologische Begriffsbestimmung von Religion, die Analyse des Fundamentalismus als moderne Erscheinung sowie die Untersuchung der aufmerksamkeitsökonomischen Mechanismen der Massenmedien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Religion in den Medien seit 09/11 verstärkt mit Politik, Konflikt und Terrorismus kodiert wird, um Identitäten zu stiften und abzugrenzen.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus systemtheoretischer und sozialkonstruktivistischer Theorie sowie eine quantitative empirische Inhaltsanalyse ausgewählter Zeitungsmedien über verschiedene Zeiträume.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte, eine quantitative Medienanalyse zur Häufigkeit religiöser Begriffe sowie die qualitative Untersuchung der medialen Konstruktion religiöser Identität.
Religion, Säkularisierung, Fundamentalismus, Mediensoziologie, Identitätskonstruktion, Kampf der Kulturen.
Die Wahl der Definition bestimmt, ob privatisierte Spiritualität (wie "spirituelle Shampoos") gemessen wird oder nur die politisierte, in Konflikten sichtbare Religion, die für die These der Rückkehr zentral ist.
Der Autor zeigt empirisch, dass Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen" erst nach 09/11 massiv an Medienpräsenz gewann und als holzschnittartiges Denkmodell zur politischen Identitätsstiftung dient.
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