Magisterarbeit, 2007
194 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise
1.2 Forschungsstand und Quellenlage
2. Rechtsextremismus – ein Begriff für alle Fälle?
3. Theoretische Vorüberlegungen zu Entstehung und gesellschaftlichen Ursachen des Rechtsextremismus
3.1 Ulrich Becks Individualisierungsthese als Ausgangsbasis für die Erklärung rechter Orientierungen
3.2 Rechtsextreme Einstellungen als Resultat von Dominanzkultur oder Desintegration? Ein Vergleich beider Theorien
3.2.1 Zentrale Aspekte beider Ansätze
3.2.2 Unterschiedliche Ebenen zur Erklärung von Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit
3.2.3 Dominanzkultur und Desintegration. Definitionen
3.2.4 Wohlstandschauvinismus? Die Entstehung menschenfeindlicher Orientierungen
3.2.5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Ansätze
3.3 Resümee und zu untersuchende Hypothesen
4. Die Verbreitung rechter Einstellungen in Ostdeutschland. Ansätze, Ursachen, Ergebnisse
4.1 Rechtsextremismus als Folge des DDR-Autoritarismus’? Ein Streitfall
4.2 Die Spezifik des Rechtsextremismus in Ostdeutschland
4.2.1 Nachholende Marginalisierung. Das Überforderungsargument
4.2.2 „...nicht haltbares Kausalmodell“. Der Einfluss der Region
4.2.3 Bewertung des politischen Systems, Selbstverortung und nostalgischer Rückblick
4.2.4 Roter Osten? Institutionenvertrauen und Wahlverhalten
4.2.5 Zusammenfassung zur Spezifik des Rechtsextremismus
5. Die soziale Basis der NPD in Ostdeutschland
5.1 „Heilloser Männerüberschuss“. Soziostrukturelle Merkmale und Intentionen der NPD-Wähler
5.2 Stereotype. Die NPD-Basis im Wandel
5.2.1 Mitgliederstrukturen
5.2.2 Braune Importe. Innerparteiliches Konfliktpotential
5.2.3 Enger Gürtel. Finanzielle Aspekte der NPD-Struktur
5.3 Protest und Gesinnung. Zusammenfassung
6. Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands. Geschichte und Programmatik
6.1 Grundriss der NPD-Geschichte
6.2 Neues und Altes unter Voigt. Programmatik und Ideologie
7. Sozialismus, Bildung, Kampf. Die Strategie der NPD in Ostdeutschland
7.1 Das Drei-Säulen-Konzept. Gängige Praxis schwarz auf weiß
7.2 Dünne Personaldecke. Intellektualisierungsbemühungen
7.3 Leute von rechts. Der Antikapitalismus der NPD
7.3.1 Exkurs. Die Neue Rechte als Vorreiterin der derzeitigen NPD-Strategie
7.3.2 Die Übernahme neurechter Konzepte durch die NPD
7.3.2.1 Visionärer Stillstand und Initialzündungen Ende der sechziger Jahre
7.3.2.2 Ideologiekern der heutigen NPD. Biologismus, Ethnopluralismus und Sozialismus
7.3.2.3 Die JN als Vorreiterin der strategischen Umorientierung
7.4 „Nationaler Sozialismus“ oder die Quadratur des Kreises
7.4.1 Solidarprinzip, Volkssozialismus, Volkswirtschaft. Doppeldeutige Begrifflichkeiten
7.4.2 Die rechte Konjunktur eines erzlinken Themas
8. Basisarbeit und Bürgernähe. Die gesellschaftliche Verankerung der NPD in der Provinz
8.1 Die Kommunalpolitische Vereinigung der NPD
8.2 Die Bedeutung weicher Bürgeranliegen
8.3 Der Mythos Uwe Leichsenring. Die Personifizierung der NPD in der Sächsischen Schweiz
8.3.1 „Ordnung, Disziplin und Sauberkeit“. Gesellschaftliche Verankerung und allgemeine Anerkennung
8.3.2 Partys im Frontgebiet. Erfolgreiche Jugendarbeit der NPD in der Provinz
8.3.3 Zwischen Labske Skaly und Langburkersdorf. Die Verteidigung provinzieller Interessen
8.3.4 Klartext. Direkter Wählerkontakt durch regelmäßige Veröffentlichungen
8.3.5 Eine Zäsur für die Partei. Uwe Leichsenrings Tod
8.3.6 Schlussfolgerungen über die Strategie der NPD anhand des Fallbeispiels
8.3.6.1 Die NPD als regional relevante gesellschaftliche Kraft
8.3.6.2 Eine Partei für die ostdeutsche Volksseele. Wohlstandschauvinismus und Kampf gegen Ausgrenzung als Elemente der NPD-Strategie
8.4 Infiltration oder Verteidigung angestammter Reviere?
8.4.1 Unterwanderung von Parteien
8.4.2 „Wir sind junge Deutsche...“. Fallbeispiel WSG Zella-Mehlis
8.4.3 Faschisierung. Wenn Rechtsextreme in der Mehrheit sind
9. Die Speerspitze der Volksfront. Die NPD als Sammelbecken von Rechtsextremen
9.1 Der „Deutschlandpakt“. Starres Bündnis unter veränderten Bedingungen
9.2 „Es wäre auch ohne sie gegangen“. Das ambivalente Verhältnis zu den „freien Kräften“
9.2.1 Organisation ohne Organisation. Das Konzept militanter Kameradschaften
9.2.2 „Hier marschiert der nationale Widerstand!“. Das Zweckbündnis
9.2.3 Schöner Wohnen ohne 385 Togolesen. Wachsender Einfluss des revolutionären Flügels
10. Musik und Mode als „Link zur Jugend“
10.1 NPD goes Pop. Die sanfte Arisierung der Subkulturen
10.2 „Terroristen mit E-Gitarre“. Rechtsrock
10.2.1 Entstehung und Strukturen
10.2.2 „...ausgesprochen kreativ“. Die strategische Bedeutung des Rechtsrock
10.2.3 Ohrwurmcharakter. Die Allianz NPD-Landser
10.2.4 Rechtsrock-Konzerte als Teil von Parteiveranstaltungen
10.2.5 Anpassung ist Feigheit. Die Schulhof-Cds
10.3 Die Reise zum Berge Mitternacht. Mode als Teil des rechten Lifestyles
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Strategie und soziale Basis der NPD in Ostdeutschland. Dabei soll analysiert werden, ob die Partei als eine Art "Kleine-Leute-Partei" gezielt marginalisierte Schichten und Modernisierungsverlierer anspricht, oder ob sie durch eine Mischung aus Populismus und ideologischen Anpassungen auch gesellschaftlich integrierte Milieus erreicht.
1 Einleitung
Der Einzug rechtsextremer Parteien in verschiedene Landesparlamente löste in der Bundesrepublik stets lebhafte Diskussionen in Medien und Gesellschaft aus. Nachdem die NPD Ende der sechziger Jahre eine kurze Blütephase erlebte, verschwand sie beinahe dreißig Jahre von der öffentlichen Bühne. Unter ihrem gegenwärtigen Vorsitzenden Udo Voigt gelang ihr in den letzten zehn Jahren der Aufstieg zur derzeit erfolgreichsten rechtsextremen Partei der Bundesrepublik. In der medialen Berichterstattung ist die Phrase, die NPD sei in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen, mittlerweile zum Allgemeinplatz geworden. Im Gegensatz dazu wird jedoch in regelmäßigen Abständen über rechtsextreme Gewaltexzesse berichtet und durch eine eindeutige Bildersprache suggeriert, bei den NPD-Anhängern handle es sich um brutale, Bomberjacke tragende Skinheads. Dieser Widerspruch aus vermeintlicher Seriosität, angestrebter gesellschaftlicher Verankerung und medialer Wahrnehmung ist charakteristisch für den aktuellen Zustand der Partei.
Der NPD scheinen zur Zeit fast alle Mittel und Bündnisse recht zu sein, solange sie diese für weitere Wahlerfolge instrumentalisieren kann. Es ist allerdings fraglich, ob der Partei dieses ungehemmte Mobilisieren, Absorbieren und Integrieren ausschließlich Vorteile verschafft oder ob die mit diesem Vorgehen einhergehende soziale und ideologische Heterogenisierung mittelfristig ein erhebliches innerparteiliches Konfliktpotential birgt. In der vorliegenden Arbeit sollen Strategie und Struktur der sozialen Basis der Partei in Ostdeutschland beleuchtet werden. Dort befinden sich mit Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und, mit Einschränkungen, Thüringen die wichtigsten Hochburgen der NPD in der Bundesrepublik. Angesichts des NPD-Bundestagswahlergebnisses 2005 von 1,6 Prozent, dass in genannten Bundesländern weit übertroffen werden konnte und eine Vervierfachung gegenüber dem Ergebnis von 2002 darstellte, erhielt das Thema NPD neue Brisanz.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den aktuellen Aufstieg der NPD und definiert das Ziel der Arbeit, die Strategie und soziale Basis der Partei in Ostdeutschland zu untersuchen.
2 Rechtsextremismus – ein Begriff für alle Fälle?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der wissenschaftlichen Begriffsverwendung und dem Extremismus-Ansatz auseinander.
3 Theoretische Vorüberlegungen zu Entstehung und gesellschaftlichen Ursachen des Rechtsextremismus: Das Kapitel vergleicht die Desintegrationstheorie von Wilhelm Heitmeyer mit dem Dominanzkulturansatz von Birgit Rommelspacher als theoretische Grundlage.
4 Die Verbreitung rechter Einstellungen in Ostdeutschland. Ansätze, Ursachen, Ergebnisse: Hier werden spezifische Faktoren der ostdeutschen Gesellschaft analysiert, die als Nährboden für rechtsextreme Einstellungen fungieren können.
5 Die soziale Basis der NPD in Ostdeutschland: Das Kapitel untersucht die soziostrukturellen Merkmale, die Wählerschaft und die innerparteilichen Strukturen der NPD in den neuen Bundesländern.
6 Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands. Geschichte und Programmatik: Eine historische Einordnung der NPD und eine Analyse ihres parteiinternen Wandels unter Udo Voigt.
7 Sozialismus, Bildung, Kampf. Die Strategie der NPD in Ostdeutschland: Dieser Teil befasst sich mit dem „Drei-Säulen-Konzept“ und der neuen antikapitalistisch-nationalrevolutionären Ausrichtung der Partei.
8 Basisarbeit und Bürgernähe. Die gesellschaftliche Verankerung der NPD in der Provinz: Fokus auf der kommunalpolitischen Strategie der NPD und der Infiltration von zivilgesellschaftlichen Strukturen.
9 Die Speerspitze der Volksfront. Die NPD als Sammelbecken von Rechtsextremen: Analyse des Bündnisses mit anderen rechtsextremen Akteuren und dem Konzept der "Volksfront".
10 Musik und Mode als „Link zur Jugend“: Untersuchung der Instrumentalisierung von Subkulturen (Rechtsrock) und der "sanften Arisierung" durch Lifestyle-Marken zur Jugendansprache.
NPD, Rechtsextremismus, Ostdeutschland, Sozialismus, Dominanzkultur, Desintegration, Jugendmobilisierung, Rechtsrock, Volksfront, Parteistrategie, politische Kultur, Transformationsprozess, Wahlverhalten, Kameradschaften, Neonazismus.
Die Arbeit analysiert die Strategie und soziale Basis der NPD in Ostdeutschland sowie die Ursachen für ihre relative Stärke in den neuen Bundesländern.
Die zentralen Felder umfassen die Parteigeschichte, die soziologische Fundierung des Rechtsextremismus, die strategische Ausrichtung der NPD, ihre Kommunalpolitik sowie die Nutzung von Musik und Mode zur Jugendansprache.
Das primäre Ziel ist es, auf Basis soziologischer Theorien zu verstehen, wie und warum die NPD in Ostdeutschland erfolgreich agiert und welche Rolle dabei soziale Deprivation und politischer Populismus spielen.
Es werden eine Literaturanalyse, eine Auswertung soziologischer Theorien (Desintegration vs. Dominanzkultur) sowie eine qualitative Analyse von Wahlergebnissen und Parteiveröffentlichungen durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung, eine empirische Analyse des ostdeutschen Kontexts, eine Untersuchung der NPD-Strategien wie das Drei-Säulen-Konzept sowie die Rolle von Rechtsrock und Kameradschaften.
Wichtige Begriffe sind „Drei-Säulen-Konzept“, „Volksfront“, „Rechtsrock“, „soziale Desintegration“ und „Dominanzkultur“.
Leichsenring dient als zentrales Fallbeispiel für die erfolgreiche Personifizierung der NPD in der Provinz, insbesondere für die Verknüpfung von kommunaler Arbeit und rechtsextremer Ideologie.
Musik und Mode dienen der Partei als "Link zur Jugend", um niederschwellig rechtsextreme Weltbilder in bisher als unpolitisch geltende Subkulturen zu tragen und die Partei als "jugendliche Oppositionspartei" zu inszenieren.
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