Diplomarbeit, 1993
76 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Der gesellschaftstheoretische Ansatz Georg Simmels
2.1 Wechselwirkung
2.2 Soziale Differenzierung
2.3 Geld und Individualisierung
2.4 Vergesellschaftete Subjekte
2.5 Die Tragödie der Kultur
2.6 Qualitativer und quantitativer Individualismus
3. Zur Gesellschaftstheorie Niklas Luhmanns
3.1 Systemdifferenzierung
3.2 Differenzierungsformen
3.3 Evolution und Transformation
3.4 Individuation
3.4.1 Inklusion und Exklusion
3.4.2 Die Überleitungssemantik
3.4.3 Vollendete Exklusion: Das Subjekt und sein Reflexionszirkel
3.4.4 Die Gegenwart: Karriere und Anspruchsindividualismus
4. Simmel und Luhmann - wie wird Gesellschaftstheorie möglich?
4.1 Luhmanns Exkurs über Simmels Exkurs
4.2 Die Differenzierungskonzepte
4.3 Individualisierung und Individuation
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von sozialer Differenzierung und Individuation im Vergleich der Gesellschaftstheorien von Georg Simmel und Niklas Luhmann. Ziel ist es, die Konzepte beider Autoren gegenüberzustellen, um zu klären, wie sich die moderne Individualität in einer hochdifferenzierten Gesellschaft theoretisch erfassen lässt und welche Bedeutung der Wandel der Differenzierungsformen dabei spielt.
2.1 Wechselwirkung
Als "Dialektik ohne Versöhnung" bezeichnet Landmann (1987: 16) die fundamentale Denkweise Georg Simmels, die nicht mit einer metaphysischen Einheit beginnt, "sondern er macht Ernst mit dem 'pluralistischen Universum'. Am Anfang steht das Einzelne, und höhere Ganzheiten kommen - Leibnizisch - erst zustande durch die Beziehungen des Einzelnen aufeinander" (ebd.: 16f.). Anders als "frühe Denkweisen", die von einem absoluten Schöpfungsgedanken ausgehen, so erklärt Simmel sein relativistisches Weltbild in der "Philosophie des Geldes",
"kann man es als eine Grundrichtung der modernen Wissenschaft bezeichnen, daß sie die Erscheinungen nicht mehr durch und als besondere Substanzen, sondern als Bewegungen versteht, deren Träger gleichsam immer weiter und weiter ins Eigenschaftslose abrücken; daß sie die den Dingen anhängenden Qualitäten als quantitative, als relative Bestimmungen auszudrücken sucht; daß sie statt der absoluten Stabilität organischer, psychischer, ethischer, sozialer Formationen eine rastlose Entwicklung lehrt, in der jedes Element eine begrenzte, nur durch das Verhältnis zu seinem Vorher und Nachher festzulegende Stelle einnimmt; daß sie auf das an sich seiende Wesen der Dinge verzichtet und sich mit der Feststellung der Beziehungen begnügt, die sich zwischen den Dingen und unserem Geiste, von dem Standpunkte dieses aus gesehen, ergeben." (1900: 95).
Seinen erkenntnistheoretischen Relativismus formuliert Simmel soziologisch als Kategorie der Wechselwirkung, die Forschungsgegenstand der neuen Wissenschaft von der Gesellschaft sein soll: "Soll es nun eine Soziologie als besondere Wissenschaft geben, so muß demnach der Begriff der Gesellschaft als solcher ( ...)die gesellschaftlich-geschichtlichen Gegebenheiten einer neuen Abstraktion und Zusammenordnung unterwerfen" (Simmel 1908: 17).
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der sozialen Differenzierung als spezifisch soziologische Entwicklungstheorie ein und skizziert den theoretischen Rahmen für den Vergleich zwischen Simmel und Luhmann.
2. Der gesellschaftstheoretische Ansatz Georg Simmels: Dieses Kapitel behandelt Simmels zentrale Konzepte wie Wechselwirkung, soziale Differenzierung, die Bedeutung des Geldes, das vergesellschaftete Subjekt sowie die Tragödie der Kultur.
3. Zur Gesellschaftstheorie Niklas Luhmanns: Das Kapitel erläutert Luhmanns systemtheoretische Perspektive, insbesondere Systemdifferenzierung, Differenzierungsformen, evolutionäre Mechanismen und die spezifische Analyse der Individuation in einer funktional differenzierten Gesellschaft.
4. Simmel und Luhmann - wie wird Gesellschaftstheorie möglich?: Hier erfolgt eine zusammenfassende Gegenüberstellung, bei der Luhmanns kritische Aufarbeitung von Simmels Soziologie, die Differenzierungskonzepte sowie die unterschiedliche Behandlung von Individualisierung und Individuation reflektiert werden.
Soziale Differenzierung, Individuation, Georg Simmel, Niklas Luhmann, Gesellschaftstheorie, Systemtheorie, Wechselwirkung, Moderne, Individualität, Inklusion, Exklusion, Autopoiesis, Differenzierungsformen, Funktionalismus, Sozialstruktur.
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Ansätze von Georg Simmel und Niklas Luhmann hinsichtlich der Themen soziale Differenzierung und Individuation, um das Verständnis von Individualität in der modernen Gesellschaft zu schärfen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der sozialen Differenzierung, die Entwicklung des Individualitätsbegriffs, die Bedeutung von Systemtheorie und Kulturphilosophie sowie die historische Transformation von Gesellschaftsstrukturen.
Ziel ist es, die theoretischen Verbindungslinien und Unterschiede zwischen Simmels klassischem Ansatz und Luhmanns systemtheoretischer Gesellschaftsdiagnose aufzuzeigen, insbesondere in Bezug auf die Entfremdung und die Konstitution des Individuums.
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, die primär auf der Analyse und Interpretation soziologischer Originaltexte und klassischer Theorien basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Simmels Werk, eine tiefgehende Darstellung der Luhmannschen Systemtheorie sowie eine abschließende systematische Gegenüberstellung beider Positionen.
Soziale Differenzierung, Individuation, Systemtheorie, Individuum, Gesellschaftstheorie, Moderne, Inklusion, Exklusion.
Luhmann betrachtet Individualität in der Gegenwart nicht mehr als Befreiung, sondern als eine durch funktionale Differenzierung erzwungene Form der Existenz, die der Einzelne als "Pflicht" wahrnehmen muss.
Die Tragödie der Kultur beschreibt bei Simmel das Paradox, dass die vom subjektiven Geist geschaffenen Kulturinhalte sich verselbstständigen und in ihrer Eigenlogik dem Individuum fremd gegenüberstehen, was dessen Individualität gefährdet.
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