Diplomarbeit, 1990
123 Seiten, Note: 1
0. Vorbemerkungen
0.1 Themenstellung und -abgrenzung
0.2 Warum diese Arbeit und dieses Thema?
0.3 Die Fragen der Geschichtstheologie
1. Im Ringen um die Sache Jesu - drei Annäherungen an Leonhard Ragaz
1.0 Subjektgebundene Theologie im lebensweltlichen, politischen Kontext und im Horizont des Reiches Gottes
1.1 Perspektive auf das Reich Gottes - eine poetische Annäherung
1.2 Umstrittener Theologe
1.3 Leben in der Nachfolge Jesu
2. Geschichtstheologische Grundlinien im Werk der Krise
2.0 Biographische und politische Krise als Herausforderung an Theologie und Kirche
2.0.1 Das Werk der Krise
2.0.2 Zentrale Aspekte der Theologie der Krise
2.0.3 Geschichtstheologische Entwicklung des frühen Ragaz - eine Skizze
2.1 Geschichtstheologie als Antwort auf die Krise
2.1.1 Ragaz' Geschichtsverständnis im Werk der Krise
2.1.1.1 Die qualitative Zeit
2.1.1.2 Geschichte als teleologisches, geistgewirktes Wirken
2.1.1.3 Geschichte als »Kreislauf«
2.1.1.4 Ragaz' Kritik am marxistischen Geschichtsdenken und am Evolutionsverständnis
2.1.2 Die Dialektik der Welt
2.1.3 Geschichte der Sache Jesu: Utopie zwischen Inkarnation und Auferstehung
2.1.3.1 Relative und absolute Hoffnung
2.1.3.2 Das Subjekt der Geschichte
2.1.3.2.1 Die Menschwerdung Gottes
2.1.3.2.2 Die Menschwerdung des Menschen
2.2 Die bleibende Aufgabe
3. Schlußbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtstheologischen Grundlinien im "Werk der Krise" des Schweizer Theologen Leonhard Ragaz. Ziel ist es, Ragaz' Verständnis von Geschichte, das in einer Zeit weltgeschichtlicher Erschütterungen zwischen ca. 1917 und 1921 entstand, werkimmanent zu analysieren und seine Aktualität für eine gegenwärtige, gesellschaftsrelevante Theologie zu hinterfragen.
Die qualitative Zeit
Die Frage nach der Zeit ist nicht erst in der neuzeitlichen Geschichtstheologie und -philosophie aufgetaucht. »Sie betrifft die hartnäckige und zugleich immer wieder entgleitende Unklarheit über den 'realen', 'objektiven' oder 'subjektiven' Charakter der Zeit.« Seit den Aporien in der physikalischen Zeitauffassung des Aristoteles und dem Ansatz Plotins, spätestens aber seit Augustinus' erneutem Versuch, Zeit philosophisch vom Subjekt her zu erfassen, stellt sich das Problem nach der Zeit und der Zeiterfahrung in Philosophie und Theologie in mehrfacher Weise.
Zum einen in den Frage nach dem Charakter der Zeit wie Bieri sie ausführt. Ohne auf diesen Komplex einzugehen, läßt sich zumindest festhalten, daß die Frage nach der Zeit, sieht man von einem extremen erkenntnistheoretischen Realismus ab, zumeist die Frage nach der Zeiterfahrung, mithin dem Zeit erfahrenden Subjekt oder den Subjekten impliziert. Auf die »drei Eigentümlichkeiten« von Zeiterfahrung als universeller, selbst sinnliche Erfahrung bedingender, sich selbst als zeitliche Erfahrung zeitlich darstellbarer Erfahrung, hat Bieri in der Aufspannung des Problembereichs seiner Untersuchung hingewiesen. Der klassisch-ontologischen Theologie und und der philosophischen Gotteslehre stellte sich zudem das Problem der Bewertung von Zeit und Zeitablauf als dem Wandelbaren und Vergänglichen gegenüber dem Ewigen und Unwandelbaren, zumeist in der Betonung des Zeitlichen als Privation des Ewigen.
Sowohl in der Frage nach der zeitlichen Entwicklung auf das Reich Gottes hin, wie auf die Frage nach dem Wesen Gottes selbst, hat sich für Ragaz diese Frage gestellt. Bereits in seinen Vorlesungen zur Religionsphilosophie 1909 betont Ragaz zur Schöpfungsproblematik:
»Er [Gott, W.K.] setzt sie als endliche, d.h. in Raum und Zeit, so, daß wir sie nicht anders denken können als in Raum und Zeit. Raum und Zeit sind die notwendigen Vorstellungsformen für die Geschichte, in der Gott schafft, in | der wir sein Schaffen erleben, in der wir mit ihm schaffen sollen.«
0. Vorbemerkungen: Einleitung in die Themenstellung und hermeneutische Bedingungen der Arbeit.
1. Im Ringen um die Sache Jesu - drei Annäherungen an Leonhard Ragaz: Skizze der theologischen Verortung von Ragaz im Kontext seines Lebens und Wirkens.
2. Geschichtstheologische Grundlinien im Werk der Krise: Zentrale Analyse von Ragaz’ Verständnis der Geschichte als Ort göttlichen und menschlichen Handelns in der Krisenzeit.
3. Schlußbemerkungen: Zusammenfassende kritische Würdigung von Ragaz' Theologie und Ausblick auf aktuelle Relevanz.
Leonhard Ragaz, Werk der Krise, Reich Gottes, Geschichtstheologie, Religion, Politik, Sozialismus, Nachfolge Christi, Inkarnation, Eschatologie, qualitative Zeit, Schöpfung, Anarchismus, Geschichte, Befreiung.
Die Arbeit untersucht die geschichtstheologischen Ansätze Leonhard Ragaz' in seinem "Werk der Krise", einer wichtigen Phase seines Wirkens zwischen 1917 und 1921.
Im Zentrum stehen das Verhältnis von Reich Gottes und Politik, die Bedeutung des Sozialismus, das Verständnis von Zeit und Geschichte sowie die Frage nach der Nachfolge Christi.
Das Ziel ist die werkimmanente Darstellung von Ragaz' Theologie, um seine oft missverstandene oder vernachlässigte Perspektive auf Geschichte und gesellschaftliche Verantwortung zugänglich zu machen.
Es handelt sich um eine hermeneutische Textinterpretation, die das Werk in seinem biographischen, zeitgeschichtlichen und philosophischen Kontext kritisch beleuchtet.
Der Hauptteil analysiert Ragaz' Verständnis von Geschichte als qualitative Zeit, die Dialektik zwischen Religion und Reich Gottes sowie die Bedeutung des Handelns des Menschen als Mitschöpfer.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschichtstheologie, Reich Gottes, religiöser Sozialismus, Nachfolge Jesu und Krisentheologie charakterisiert.
Ragaz schätzt die gesellschaftsanalytische Kraft des Marxismus, lehnt aber dessen deterministische Zwangsläufigkeit und seinen Anspruch, eine geschlossene Wissenschaft zu sein, aus theologischen Gründen ab.
Dieser Begriff ermöglicht es Ragaz, Geschichte nicht als bloße chronologische Aneinanderreihung, sondern als sinnhaftes, schöpferisches Geschehen zu verstehen, das den Menschen zur Tat in der Nachfolge ruft.
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