Wissenschaftlicher Aufsatz, 2000
11 Seiten
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Hat die "Fundamentalpoetik" wirklich ausgespielt?
Anwendungen für eine Theorie der Komparatistik.
Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Relevanz der "Fundamentalpoetik" als theoretisches Fundament für die vergleichende Literaturwissenschaft. Dabei wird analysiert, wie eine Brücke zwischen der historischen und systematischen Betrachtungsweise literarischer Gattungen geschlagen werden kann, um den Anforderungen einer modernen Komparatistik gerecht zu werden.
Die Fundamentalpoetik als theoretischer Rahmen
Unter den "universalen" und "synthetischen" Systemen von Gattungsunterscheidungen sollte die "Fundamentalpoetik" neu auf ihre Nützlichkeit für die Theorie der Komparatistik untersucht werden. Diese Methode wurde 1946 von Emil Staiger eingeführt, wegen des Erfolgs der "soziologischen" Methode jedoch bald wieder vergessen. In modifizierter Form könnte sie sehr wohl neben der letzteren existieren und diese sogar ergänzen.
Fundamentalpoetik ist zugleich Analyse und Vergleich "synthetischer" Systeme der Gattungseinteilung, also vom konkreten literarischen Werk mehrfach entfernt und in diesem Sinne durchaus "Meta-Kritik". Sie versucht jedoch auch, die historische und systematische Betrachtungsweise zu versöhnen, indem sie einen theoretischen Rahmen schafft, welcher uns die empirischen Gattungen besser verstehen lässt. Da wir in der Komparatistik Bedeutungsverschiebungen der gebräuchlichen Gattungsbezeichnungen sogar noch öfter erleben als in den nationalen Literaturwissenschaften, brauchen wir umso mehr eine theoretische Fundierung für das Verständnis von Gattungen, was immer ihre Namen sein mögen. Unser Ziel sollte nicht eine Rückkehr zu Croces eigenmächtiger Abschaffung von Gattungsunterscheidungen sein.
Hat die "Fundamentalpoetik" wirklich ausgespielt?: Einführung in die Problematik literarischer Vergleiche und die Notwendigkeit, über Einzelwerke hinaus nach allgemeineren, systematischen Konstanten zu suchen.
Anwendungen für eine Theorie der Komparatistik.: Analyse der Fundamentalpoetik als theoretische Basis, ihre historische Verdrängung durch soziologische Ansätze und das Potenzial zur methodischen Versöhnung beider Richtungen.
Fundamentalpoetik, Komparatistik, Gattungstheorie, literarische Gattungen, systematische Literaturwissenschaft, Grundhaltungen, Sprachform, literarischer Vergleich, Emil Staiger, Schichtenpoetik, Rezeptionsästhetik, Gattungsgeschichte, Literaturanalyse, theoretischer Rahmen, Gattungspyramiden.
Die Arbeit untersucht die theoretische Leistungsfähigkeit der sogenannten "Fundamentalpoetik" für die vergleichende Literaturwissenschaft (Komparatistik) und plädiert für deren Wiederentdeckung.
Im Zentrum stehen die Definition und Klassifikation literarischer Gattungen, die Verknüpfung von Autorintention und Rezipientenerfahrung sowie das Verhältnis von Sprachform und gehaltlicher Struktur.
Das Ziel ist es, einen theoretischen Rahmen zu finden, der die historische Entwicklung literarischer Gattungen mit systematischen Analysekriterien versöhnt.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden, systematisierenden Ansatz, der auf der Fundamentalpoetik basiert und eine kritische Auseinandersetzung mit anderen Methoden wie der soziologischen Richtung sucht.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Gattungsbegriffe, die Kritik an Staigers Modellen und die Möglichkeiten, Gattungspyramiden zur Ordnung literarischer Formen zu nutzen.
Wesentliche Begriffe sind Fundamentalpoetik, Komparatistik, Gattungstheorie, Grundhaltungen und systematische Literaturwissenschaft.
Während die soziologische Methode stark auf gesellschaftliche Kontexte fokussiert, konzentriert sich die Fundamentalpoetik auf psychologische und anthropologische Kriterien, die den Rezeptionsprozess prägen.
Der Autor argumentiert, dass Grundhaltungen konstante Faktoren darstellen, die es ermöglichen, komplexe Zusammenhänge zwischen Autor, Werk und Publikum jenseits rein formalistischer oder historistischer Analysen zu verstehen.
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