Wissenschaftlicher Aufsatz, 1977
8 Seiten
ÜBER OSTASIATISCHE TUSCHMALEREI UND KALLIGRAPHIE
Die vorliegende Arbeit untersucht die ostasiatische Tuschmalerei und Kalligraphie unter dem Aspekt der Schichtenästhetik. Ziel ist es, das ästhetische Phänomen der „Aussparung“ und „Andeutung“ sowie die ontologische Struktur des Kunstwerkes zu analysieren, um zu erklären, wie durch die aktive Beteiligung des Betrachters abstrahierende Schichten realisiert werden.
ÜBER OSTASIATISCHE TUSCHMALEREI UND KALLIGRAPHIE
Wenn wir chinesische und japanische Wiedergaben von legendären Landschaften und Personen betrachten, die mehr als siebenhundert Jahre lang unter bewusstem Verzicht auf Farbigkeit in sparsamen Tuschkonturen ausgeführt wurden, dann unterscheiden sich diese von der etwa gleichzeitigen westlichen Malerei zuerst einmal dadurch, dass die sog. ,Mittelschichten" nur in äußerster Verknappung geboten werden. Sie werden deshalb zu Recht gelegentlich als "Kunst der Andeutung" oder "Kunst der Aussparung" bezeichnet, was das gleiche bedeutet.
„Ausgespart" bzw. , nur „angedeutet" werden (hinter den Schichten des Materials, Papier und Tusche und dessen Koordinierung in einer bestimmten Ordnung von weißen und schwarzen Flächen und Linien): die Schicht der Gegenständlichkeit, die der Bewegung und Lebendigkeit und schliel3lich die angedeuteten Handlungsabläufe. Es versteht sich von selbst, dass zu diesen jeweils ihr negativer Gegenpol gehört: zur Gegenständlichkeit eben die Leere, zur Bewegung und Lebendigkeit die Ruhe und Leblosigkeit, zur Andeutung von Handlung (Bewegungsabläufen) die Handlungslosigkeit (wie etwa im Stilleben).
Ebenso versteht sich, dass nur die beiden ersten Schichten tatsächlich gegeben sind (das geordnete Material), die Mittelschichten von diesen aber gerade dadurch unterschieden werden, dass sie nur durch unsere aktive Beteiligung (in Assoziation und Projektion) zustande kommen. je „weiter hinten liegend", d. h. abstrakter, die Schicht ist, um so größer wird unsere Leistung, wenn wir sie „realisieren".
ÜBER OSTASIATISCHE TUSCHMALEREI UND KALLIGRAPHIE: Dieses Kapitel erläutert die schichtenästhetischen Grundlagen, auf denen die ostasiatische Tuschmalerei als „Kunst der Andeutung“ basiert, und stellt die notwendige aktive Rolle des Betrachters heraus.
Tuschmalerei, Kalligraphie, Schichtenästhetik, Aussparung, Andeutung, Kunstgenuss, ontologische Gesetzlichkeiten, Assoziation, Projektion, Gegenständlichkeit, Ästhetik, Zen-Priester, Bilderschrift, Abstraktion, Schichtenstruktur.
Die Arbeit untersucht, wie ostasiatische Tuschmalerei und Kalligraphie durch eine spezifische Reduktion der Mittel die Phantasie und Assoziationsfähigkeit des Betrachters anregen.
Im Zentrum stehen die schichtenästhetische Theorie nach Nicolai Hartmann, das Prinzip der Aussparung, die Rolle von Tradition und die ontologische Basis des Kunstwerkes.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die ästhetische Wirkung dieser Kunstwerke durch das gezielte Einhalten von „Unbestimmtheitsstellen“ erreicht wird, die den Betrachter zur Vervollständigung einladen.
Der Autor verwendet eine schichtenästhetische Methode, um die verschiedenen Ebenen eines Kunstwerkes – vom materiellen Vordergrund bis zu den metaphysischen Hintergrundsschichten – systematisch zu analysieren.
Der Hauptteil analysiert die Struktur der Tuschmalerei, setzt sie in Bezug zur westlichen gegenstandslosen Kunst und untersucht kritisch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Kalligraphie.
Zentrale Begriffe sind Schichtenästhetik, Aussparung, Andeutung, ontologische Schichten und die aktive Beteiligung des Betrachters.
Während die Tuschmalerei ihre Bedeutung primär über bildhafte Schichten vermittelt, basiert die Kalligraphie auf dem Zeichencharakter der Sprache, was die Bedeutung in die begriffliche Ebene verlagert.
Aussparung bedeutet, dass der Künstler nur so viele Informationen gibt, dass der Betrachter gerade noch in die nächste Schicht der Bedeutung geleitet wird, ohne durch zu eindeutige Ausführungen oder bloße Willkür zu frustrieren.
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